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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-19 · Heft 17 (19.4.1847) · p. Seite 254

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 17 (19.4.1847)
Date
1847-04-19
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 zur Erreichung weltlicher Zwecke verwerthet werden, weshalb auch unsre jüngste, gesinnungstreue Kammer die Emanzipation der Israeliten unverklausulirt der Regierung zu empfehlen für Recht erachtete. Allein wenn das Werk der Reform von den Israeliten selbst ausgeht, wenn sie, von Nichts getrieben als der Macht der Ueberzeugung und dem Streben, ihre Religion zu retten durch Aussonderung zeitwidriger Gebräuche, freiwillig sich aufmachen, um zu einer zeitgemäßen Religionsübung vorzuschreiten: dann wäre cs ungerecht, unpolitisch und inkonsequent zugleich, einem solchen Werke hemmend entgegenzutreten, was wir also von unserer gerechten, weisen und humanen Staatsregierung in keiner Weise annehmen dürfen. Aus Mecklenburg, 2. April. Aus einem Schreiben der Landesregierung an den Landesrabbinen Dr. Holdheim geht hervor, daß auch hier an die Aendcrung der Formel des Judeneides geschritten werde. Türkei. Konstuntinopcl. Es wird jetzt hier mit einer Umgestaltung vorgeschritten, welche, wenn sie auch auf die Israeliten ausgedehnt wird, auch auf die Zukunft dieser von großem Einfluß sein wird. Bis jetzt lag nämlich die weltliche und geistliche Gerichtsbarkeit (mit alleiniger Ausnahme der Kriminaljustiz) in der Hand des Oberrabbinen (Chacham-Baschi), so wie bei den Griechen und Armeniern in den Händen der Patriarchen derselben. Gegenwärtig sollen nun von den Nationen Notable erwählt werden, aus deren Mitte ein Konseil die Gcreichtsbarkeit verwalten soll. Bei den Griechen ist dies bereits in Ausführung gekommen. Der ungeheure geistliche Druck, welchen die Rabbinen ausüben, die z. B. das geringste Berschen gegen die Zeremonialgesetze mit der Bastonnade bestrafen, würde dadurch bald gemildert werden. Italien. Rom, 23. März. Das jetzt erschienene Berzcichniß der freiwilligen Beiträge zur Unterstützung der von der Tiber Ueberschwemmten zeigt 800 Thaler von der Judenschast — rührende Wohlthätigkeit, von der in ihrem Ghetto selbst so sehr überschwemmten Judenschaft, welcher der Papst erlauben mußte, sich eine Zeitlang außerhalb des Ghetto aufzuhalten. O, Morgensonne, komm und scheine! — Korrespondenz. Riga. Geschichte der Juden in Kurland und Zustand derselben in der kurländischen Gonvernementsstadt Mitan. Mitgctheilt von R. I. Wunderbar. (Fortsetzung.) In Kurland befinden sich 14 Kahals oder jüdische Gemeindevorstände, 24 Synagogen, 23 Betschulen, 60 Schulen für die Bildung (wenn nicht gar Vorbildung) ihrer Kinder, d. s. die sogenannten Ehedarim; 11 Rabbiner, von denen der mitau'sche Gouvernements- oder Landrabbiner ist; 25 Synagogen- oder Betschulenältesten und 14 Kassaführer (2^7282); aber kein einziger Gemeindeprediger und keine einzige öffentliche Gemeindeschute. Die kurländische Gouvernementsstadt Mitau, deren Bevölkerung überhaupt 18,30.0 Einwohner ist*) zählt gegenwärtig gegen 800 jüdische Familien oder 2300 männliche und 1900 weibliche, zusammen 4200 Seelen. Darunter sind: 1 Bankier, 5 Kaufleute zweitecGilde, 43 Kaufleute dritter Gilde, 48 handeltreibende Bücgerfamilien und 85 Grund- und Hausbesitzer; 36 Schneider, 30 Schuhmacher, 20 Mützenmacher, 18 Klempner, 6 Lackirer, 4 Glaser, 4 Uhrmacher, 4 Graveure und Petschierstecher, 4 Paraptuimacher, 4 Wattenmacher, 2 Kürschner und Pelzarbeiter, 2 Zigarcenfabrikanten, 2 Tischler, 2 Goldschmidte, 2 Nadler und 2 Färber; 1 .Gürtler, 1 Drechsler, 1 Bürstenarbeiter, 1 Schlosser und 1 Hutmachec; 12 Groß- und Kleinfuhrleute, 12 Fleischer oder Schlächter und 6 Garköche und Herbergsinhaber. Außerdem nähren sich auch Viele als Käse-, Frucht- und Gemüsehöcker, als Pferdehändler, Trödler, Mäkler, Hausirer, Lohndiener, Tagelöhner und Lastträger. Besonders bezeugen die zwei letztgenannten Klassen, wie wenig man den Juden Arbeitsscheu oder Widerwillen gegen Ackerbau rc. vorwerfen kann; denn wo ihnen *) Vergl. Extrabeilage zur Riga'schen Zeitung vom 3. Juli d. I.

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