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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-12 · Heft 16 (12.4.1847) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 16 (12.4.1847)
Date
1847-04-12
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 Urtheil, keinen Willen haben würden? So sieht man, daß die unumschränkte Herrschaft sich selbst das Grab gegraben hat. Die Leute haben unsre Zeit nicht begriffen, und diese Sünde büßen sie schwer. — Man wird fragen, warum findet denn aber der herrschende Senat in der Genossenschaft keine Opposition? Sehr natürlich, weil eben — kein Leben, kein Interesse mehr vorhanden ist. Es liegt Niemandem mehr etwas daran, in der Genossenschaft zu wirken, und darum — können die Bevollmächtigten machen, was sie wollen. Diese haben in ihrer Kurzsichtigkeit keine Opposition von Anfang an haben wollen; sie haben jenen Ausspruch Pirt's: am Tage, wo keine Opposition vorhanden, sei der Staat verloren, entweder nicht gewußt, oder nicht verstanden. Die „Genossenschaft sollte ja von vorn herein ein feines, diplomatisches, elegantes Vereinchcn sein, das um Gottes willen keinen Lärm mache, keinen Disput errege. Die dumme Welt werde schon staunen über die im Stillen bereiteten Heldenthaten. Darum Alles fein provisorisch, damit, wer unzufrieden sei, beruhigt werden könne: es sei ja nur provisorisch, wenn es erst an's Konstituiren gehe, werde seine Stimme auch gehört werden. Und so ist denn Alles hübsch ruhig abgemacht, ach, so ruhig und still, wie — auf einem Kirchhof — wo für jeden Bewohner nur die Stelle bezahlt wird, dann hält er sich still, und dreht sich nicht einmal um. Tilsit, 26. März. Der Deputirte der hiesigen Stadt zum bevorstehenden vereinigten Landtage hat auch die Emanzipation der Juden von den Stadtverordneten zum Antrag entgegengenommen. Berlin, 4. April. Der einzige Offizier der preußischen Armee, welcher Jude ist, und zwar noch von dem Kriege her, der Hauptmann Burg, Lehrer am Kadettcnhause und bedeutender militärischer Schriftsteller, ist zum Major avancirt. — Dem Herrn Steinthal ist die königliche Erlaubniß geworden, den Titel eines Finanzrath es, der ihm vom Herzoge von Bernburg verliehen worden, zu führen. Minden, 1. April. (Privatmitth.) Wenn Sie wol früher die Spalten Ihres vielgelescnen Blattes einem Berichte über Minden geöffnet haben, so enthielt derselbe stets wenig Erfreuliches, indem unsre Stadt wegen ihrer feindlichen Gesinnungen überall verschrieen war, an deren Entstehung und Beförderung der bekannte Auditeur Marcard wol keinen geringen Antheil hatte. Einen Beweis jedoch, daß auch Mindens Bewohner dem Fortschritte huldigen, und von dem Geiste der Aufklärung durchdrungen sind, haben sie vor Kurzem dadurch gegeben, daß bei den Berathungen über die auf dem vereinigten Landtage durch den hiesigen Abgeordneten vorzulegenden Anträge der auf vollständige Emanzipation des Juden einstimmig angenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unterlassen, eines ebenfalls hier stattgcfundenen erfreulichen Ereignisses zu gedenken. Der Herr Louis Levison, der seit längerer Zeit hier das Amt eines Stadtraths bekleidet, feierte vor einigen Wochen seine silberne Hochzeit. Als Beweis der Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt, wurde ihm am Vorabend der Feier von Seiten des Magistrats ein Fackelzug und von der hiesigen Liedertafel ein Ständchen gebracht, während ihm sämmtliche Magistratsmitglieder ihre Glückwünsche abstatteten. Breslau, im April. (Privatmitth.) Die Geig er'sche Religionsschule macht sehr tüchtige Fortschritte. Am 2i. März fand die jährliche Prüfung statt, die sehr befriedigend aussiel. Aus der Einladungsschrift heben wir Folgendes hervor. „Die Periode desJndisferentismus ist eine unter bestimmten Umständen eintretende; er hat, wenn auch an sich nicht berechtigt, doch seine geschichtliche Berechtigung. Für den denkenden Betrachter der geschichtlichen Ereignisse stellt sich diese bedauerliche Erscheinung als nothwendige Folge zu gewissen Zeiten heraus. Wenn die Vorstellungen und die darauf gegründeten Pflichten, wie sie einer religiösen Gemeinschaft überkommen sind und in ihrem kirchlichen Gesammtleben Geltung erhalten haben, dem geistigen Leben zuerst der Gebildeteren, dann auch der größern Menge nach und nach ganz oder theilweise entrückt sind, dann muß eine solche Periode der Erschlaffung eintreten. Noch fehlt es in der ersten Zeit an dem Bewußtsein, daß das, wovon man sich abgewendet, nicht das Wesen des religiösen Lebens und Bekenntnisses ausmache, daß der Kern des Glaubens von den Zweifeln und der fortgeschrittenen Erkenntniß unberührt bleibe, vielmehr in ihr sich fruchtbarer entfalten werde, daß nur die zeitlichen,

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