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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-12 · Heft 16 (12.4.1847) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 16 (12.4.1847)
Date
1847-04-12
Page
Seite 243 (sequence 7)
Language
German
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243 wollen, gegen den Selbst-Kostenpreis abgegeben werden könne. Das königl. Amt erhält in der Anlage Abdrücke gegenwärtigen Erlasses, unter welche es seine Weisungen an die israelitischen Kirchenvorsteherämter seines Bezirks anfügen kann. Die Letzteren sind dabei ausdrücklich aufmerksam zu machen, auch über die Armenversorgung in den zu ihren Kirchengemeinden etwa gehörigen Filialen sich auszusprcchen, für welchen Zweck jeweilig das Mitglied des israelitischen Kirchenvorstehcramts oder der Anwalt in dem Filiale besonders zu hören ist. Die einlaufenden Berichte wolle das königl. Amt unter Anfügung seiner eigenen Bemerkungen und Wahrnehmungen über die Armenversorgung in den israelitischen Kirchengcmeinden in möglichster Bälde vorlegen. Stuttgart, den 15. März 1847. 6. Preußen. Berlin, 4. April. (Privatmitth.) Die religiöse Bewegung, welche am hiesigen Platze durch die „Genossenschaft für Reform im Judenthum" vor zwei Jahren angeregt worden, ist längst erstorben, und ist den Weg alles Fleisches gegangen. Was der erste Enthusiasmus daraus gemacht hat, das besteht allerdings so fort — ein Verein innerhalb der großen Gemeinde mit einem besondern Gottesdienst, der freilich lange nicht mehr mit Eifer besucht wird, so daß die „Genossenschaft" sich bewogen fand, dreimal in den hiesigen Blättern anzuzeigen, zuletzt mit großen Lettern, daß den ersten Peßachtag Gottesdienst sein werde — hinlänglicher Beweis von der Kärglichkeit des Besuches. Zwar hat sie die zweiten Festtage nunmehr wegfallen lassen, wohingegen sie zwei Tage der Woche feiert — Sonnabend und Sonntag — so daß sie für 6 zweite Festtage 52 dem Jahre einverlcibt hat. Aber als religiöse Bewegung ist das Ganze erstorben und ohne Nachhaltigkeit geblieben. Die Ursache wird man leicht darlegen können. Zwar wird man wieder mit dem beliebten „Jndifferentismus" kommen. Aber man hätte gänzlich Unrecht, wie die That gezeigt hat. Sondern die wahre Ursache ist, weil die „Phrase", der inhaltslose Wortkram nicht Kraft und Leben, dafür aber viel zu viel Herrschsucht hatte, viel zu viel Egoismus, um das Leben und die Kraft erhalten zu können. Die „Genossenschaft" ist zu einem Vereine herabgesunken, welcher sich durch seine „Bevollmächtigten" gänzlich gängeln und beherrschen läßt. Diese zwei Dutzend Bevollmächtigten haben sich zu Autokraten gestempelt, welche den Verein in absoluter Knechtschaft halten; und die nothwendige Folge mußte sein — daß der Gemeinsinn, das Gemeinleben aus dem Vereine schwinden mußte. Der Verein in seiner Masse ist um alle Selbstständigkeit, um alle Geltung, darum um alle Entwickelung gekommen. Die Gcneralversaminlungen sind aus der Mode gekommen, oder höchstens zum Geldhergeben und Jasagen erniedrigt. Freilich hüllen sich die Bevollmächtigten in den Vorwand: „wir diskutiren die obschwebenden Fragen gründlich und reiflich, und nachdem wir uns abgemühr und zu einem Resultat gekommen, sollen wir die Fragen vor eine unvorbereitete Generalversammlung bringen, in welcher vielleicht irgend eine Opposition unser ganzes Werk umstößt." Allein darin liegt die ganze Halbheit und Herrschsucht ausgesprochen. Von vorn herein hätte die Generalversammlung, oder besser eine Versammlung der Mitglieder regelmäßig, wöchentlich, oder wenigstens monatlich stattsinden müssen. Diese Versammlungen hätten vorläufig immer nur berathend sein müssen. Vor diese hätten die Fragen gebracht, daselbst diskutirt, besprochen werden müssen. Daraus hätten die Bevollmächtigten die allgemeine Meinung erkennen können; darnach hätten sie ihre Anträge cinrichten müssen; bis dann von Zeit zu Zeit eine beschließende Versammlung gehalten worden, welche einen Beschluß zu fassen gehabt. So hätt' es sein müssen und nicht anders. Dann wäre der Verein ein freier, sclbstthätiger gewesen; dann hätte jedes Mitglied einen lebendigen Antheil gehabt und genommen; dann wäre der Verein lebendig geblieben, wäre erstarkt und gewachsen. Das aber lag nicht in der Anschauung und nicht im Willen der „leeren Phrase". Autokratische Bevollmächtigte, welche sich wiederum leichter durch Einzelne beherrschen lassen, als 400 Selbstthätige. Und so ist denn die „Genossenschaft" eben so eine beherrschte Gemeinde ohne Leben, wie die alten Gemeinden. Daher kein Wachsthum in Berlin selbst, daher kein Wachsthum nach außen. Bildeten sich die Leutchen ein, sie würden von Berlin aus in aller Welt gehorsame Diener finden, welche für die Befehle der Autokraten Gehorsam, aber kein

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