Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1847)
- Date
- 1847-04-12
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
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239 Augenblick, jede Stunde, jeden Tag. Es sei meines Geistes Morgen- und Abendröthe, Morgen- und Abendstern. In meinem Glück, Ln meinen Nöthen. In meiner Lust und meinem Wehe. Dann webe ich vor ihm das Omer der Webe, dann bring' ich vor ihm dar die Erstlinge meiner Garben, dann bin ich bei Ihm ohne Unterlaß — wie Er bei mir, auch wenn ich sein vergesse!- Nein, glauben wir nicht, daß solche Glaubensinnigkeit uns kopfhängerisch, uns trübsinnig, uns unbesähigt für die Werke des Lebens mache. Es ist dem nicht also. Dies ist nur der Fall, wenn wir in unsern Glauben Geheimniß und Dunkel bringen, wenn wir träumen und schwärmen, wenn wir aus der Demuth Kriecherei machen. Aber wo der Glaube so leicht ist, wie der, den wir bekennen, wo wir Gott als die unendliche Liebe, den Menschen als den gottebenbildlichen Geist erkennen, der zu immer Höherem berufen ist — da steigen wir nicht in die Tiefe hinab, wo Schatten, sondern auf die Höhe, wo Licht ist. Rufet uns doch die Schrift, das Gesetz oft genug zu: Freue dich, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Diener und deine Magd. Die Gerechten jubeln des Herrn, frohlocken ihres Gottes! Wenn wir so recht Gottes voll sind — alle meine Habe ist Gottes Gabe — wie werden wir auf den Wegen des Lebens nur dem rechten Erwerbe nachgehen, nur den geraden Weg, ohne Unrecht und Haß: dein Herr wird dich schon segnen! Wenn wir so recht Gottes voll sind — alle meine Habe ist Gottes Gabe — wie werden wir von Allem den rechten Gebrauch machen, ohne Ueppigkeit und Vergeudung, dessen froh, was uns zu Theil geworden, für uns, unsere Kindlein, die Unsrigen und die Bedürftigen unserer Menschenbrüder. Wenn wir so recht Gottes voll sind, wie werden wir so stark sein bei den heiligen Nebeln des Lebens, zu tragen unsere Bürden, zu überwinden unsere Verluste. Menn wir so recht Gottes voll sind, wie werden wir voll Zuversicht sein für unsre Zukunft auf Erden; voll Zuversicht in den Stunden des Scheidens; voll Zuversicht auf die Zukunft im Jenseits! Ja, um recht und gerecht durch's Leben zu gehen, voll Kraft und Muthes, müssen wir Gottes voll sein: Ihm muß die Webe unsres Herzens, Ihm die Erstlinge unsres Denkens und Thuns gehören, daß nur der eine Gedanke uns ganz erfülle: Alle meine Habe ist Gottes Gabe! — Bemerkung. Die von uns erlassene Aufforderung an die preußischen Jsraelitengemeinden, uns wegen einer Petition um Aenderung des Eides more judaico an ein hohes königl. Justizministerium mit Vollmacht zu versehen: hat bereits guten Erfolg gehabt, und mehre sehr bedeutende Gemeinden haben schon ihre Zuschrift eingesandt. Da somit an der Ausführung nicht zu zweifeln steht, so bitten wir diejenigen Gemeinden, welche sich dieser Sache anschließen wollen, recht baldigst uns ihre Willensmeinung zukomwen zu lassen, da die Massenhaftigkeit der Unterschriften beste Wirkung haben muß. Wir erinnern die löblichen Vorstände, daß dies keine Aenderung von Formen betrifft, welche das Judenthum eingeführt hat, sondern welche dem Judenthume vom Staate imputirt sind; wir erinnern, daß diese Formen nicht etwa zur Erhaltung des konfessionellen Gepräges, sondern aus Argwohn gegen die Gewissenhaftigkeit der Juden bestimmt sind; daß dieselben, so wie in Frankreich gänzlich, in Oesterreich meist abgeschafft sind, daß es demnächst ein sonderbares Licht auf die preußischen Gemeinden würfe, wenn sie nicht jedes sich darbietende Mittel benutzen würden, um zu demselben Ziele zu kommen. Ferneres, so wie die Namen der Gemeinden, welche uns mit ihrer Zustimmung beehren, werden wir später geben. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 4. April. Das dritte Heft der vierten Monatsschrift, welche jetzt in Frankreich über jüdische Angelegenheiten erscheint, la Paix, lieget vor uns. Trotzdem, daß der Titel „der Frieden", und das Motto tnbtf) •’i-p ist, so ist doch der größere Theil des Inhalts polemisch gegen die Rede des Konsistorial- Präsidenten Cerfbeer bei der Installation des Großrabbinen gerichtet, und, so wie die Reform mit scharfen Worten aus dem Judenthum herausgewiesen wird, so hebt der „Frieden" als einzige wünschenswerthe Reform die Abschaffung des Mizwotverkauses, der in den meisten französischen Synagogen noch stattfindet, hervor. —