Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1847)
- Date
- 1847-04-12
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 athmet, ist es der Pulsschlag, der in deiner Seele pocht, ist es dein Wesen, dein ganzes Sein geworden? Nein, danach fragt, danach ringt man nicht. Man hadert nur mit seinem Nachbarn, aber mit sich selbst nicht; man will den Gegner bezwingen, aber sich selbst nicht. Und andrerseits. Das Leben, das materielle Leben hat den gegenwärtigen Menschen zu sehr bezwungen, überwältigt. Soll ich Euch hineinschauen lassen in diese Wirren? Wie die Bedürfnisse des Menschen gestiegen, durch alle Klassen der Menschen; wie die Konkurrenz gewachsen um jegliches Stück Brodes; wie das Raffinement immer größer geworden in allen Menschendingen; wie selbst die Zahl der Menschen in den bewohnten Erdstrichen sich verdoppelt und verdreifacht hat; wie selbst aus der großem Freiheit größeres Verlangen, größerer Drang nach oben, Unzufriedenheit, Ungenügsamkeit hervorgegangen. Was anders daher, als ein Kampf aller Menschen mit einander, aller Klassen unter einander; der bald verborgene, bald offenbare Kampf des Besitzlosen mit dem Besitzenden, des Armen mit dem Reichen, des Arbeiters mit dem Meister und Herrn, des Hervorbringenden mit dem Verzehrenden. Was anders, als daß der ganze Mensch davon in Besitz, seine Aufmerksamkeit allein hiervon in Anspruch, seine Kraft und Anstrengung hiefür in Thatigkeit genommen worden. Woran soll der Familienvater denken, als zu erwerben? die Familienmutter, als zu erhalten? Davor fliehet der Gedanke an Gott weit zurück, dadurch wurde die Einfalt und Innigkeit verscheucht, dadurch die Seele von der Hingebung an Gott geleert, dadurch der Zusammenhang zwischen dem Menschen und Gott zerrissen. (Hosea, 14, 10.) pn: nba ■p'H V2 „wer ist weise, daß er dieses, einsehe, wer verständig, daß er dieses erkenne!" Aber Ihr sprechet zu mir: Du hast das Uebel mit warmen, wol auch mit wahren Farben gezeichnet: welches ist die Heilung? — Was so aus dem ganzen Leben der Menschheit hervorgegangen, das können wir Einzelne nicht heilen, nicht andern, nicht umgestatten. Da vermag nur die Zeit, nur die allmälige Entwickelung die allgemeinen Verhältnisse zu verbessern, die Wirren und Schaden auszugleichen. Sprachen doch auch unsere Weisen von (Mischn. Sot. sin.) von den Wehen und Stürmen, die dem Messias vorangehen würden, d. h. daß gerade bevor das Heil in der Menschheit sich die Herrschaft bereite, eine Zeit der Verwirrung und Verwickelung kommen müsse. Aber an uns Einzelnen ist es, an Jedem von uns. es in sich selbst zu bessern, sich selbst umzugestalten. Leben wir auf Erden zweimal? Kehret die Zeit, die wir verloren, das Leben, das wir nutzlos vergehen ließen, wieder zurück? Nein. Also auf uns selbst müssen wir uns richten, hier beginnen, hier vollführen. Es ist aus den Israeliten das religiöse Bedürfniß geschwunden, Ihr müsset es wieder erwecken in Euch; der Zusammenhang mit Eurem Gotte ist Euch zerrissen, Ihr müsset ihn wieder anknüpfen; die Religion ist Euch zur kühlen, nackten Idee geworden, so muß sie wieder Fülle anthun, Fleisch und Blut gewinnen. Und welches ist hierzu der richtige Weg? Daß Ihr wieder fühlet, wie unsere Väter bei der Omerwebe und den Erstlingen, wieder bewußt werdet: Alle meine Habe ist meines Gottes Gabe! — Der neuere Mensch hat sich zu sehr auf seine eigenen Füße gestellt; er ist, je mehr er seine Kräfte entwickelt hat, ein stolzes, selbstdünkterisches Wesen geworden, das sich selbst genügt, das seinen Halt und seinen Stand allein in sich sucht und findet. Unbewußt nehmen wir Alle hieran Theil. Daß er ein schwaches Geschöpf aus der Hand Gottes, daß er ein schwaches Geschöpf in der Hand Gottes, o daß er begrenzt, umschrankt, hinfällig, gebrechlich, seine Kraft so erschöpflich, seine Fähigkeit so unbedeutend, daß er an einer Fiber hangt, die morgen reißen kann — diese seine Ohnmacht, diese seine Abhängigkeit von Gott — er weiß sie, aber er fühlt sie nicht, er kennt sie, aber er ist nicht durchdrungen von ihr. Wie in den Zeiten des römischen Heidenthums, wo der Mensch die alten Götter abgesetzt und neue noch nicht erhalten hatte, denkt er nur an sich und die Menschen, und glaubet in ihrem Kreise Alles enthalten. Dies ist das Uebel. Wolan! hiervon ist die Umkehr Jeglichem möglich, die Besserung, die Umgestaltung, so er sie ernstlich will. Alle meine Habe ist meines Gottes Gabe! Alles was ich bin, es ist von Ihm. Mein Zuthun ist so wenig, von Ihm kommt die Gelegenheit. Ich lebe, Er ist der Schöpfer. Ich genieße, Er ist der Geber. Ich leide, Ec ist der Retter. Ich erwerbe, Sein ist der Segen. Ich gedeihe, Sein ist die Gnade. Ich verliere, Sein ist der Ersatz. Ich schreite vorwärts, Er bereitet die Schritte. Ich widerstehe, Er gürtet mich. Ich siege, Sein ist die Siegeskrast. Ich unterliege, Er erhebt mich wieder. Was ich bin und was ich habe, es ist Alles Gottes Gabe! O, das will ich denken mit allen meinen Gedanken, fühlen mit allen meinen Gefühlen, jeden