Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1847)
- Date
- 1847-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16. XI. Zahrgaug. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Verlag von »r. Ludwig Philippson, BaumgärtrrerS Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig (Mit königl. sächsischer alleranadigfter Konzession.) Leipzig, den 12. April 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bvgen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22f Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzr worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Ecpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. fachs. wohllöbl. Zeitungs-Erpedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Bruchstück aus einer jüngst gehaltenen Predigt. — Bemerkung. Zeitungsnachrichtenr Frankreich: Paris. Belgien: Brüssel. Deutschland: Hamburg, Karlsruhe, München, aus Mecklenburg-Schwerin, Worms, Ulm, Württemberg. Preußen: Berlin, Tilsit, Berlin, Minden, Breslau. Oesterreich: Papa. Leitende Artikel. Magdeburg, 5. April. Bruchstück aus einer jüngst gehaltenen Predigt. Wenn wir aufrichtig prüfen uns, unsere Gemüther, unser Leben, unser Verhältniß zur Religion: wahrlich, so werden wir inne werden, daß der Mensch aus dem Zusammenhänge gekommen mit seinem Gotle, mit der Religion. Ich meine nicht sowol, daß der jetzige Mensch wenig geneigt ist, religiöse Formen zu beachten und zu üben, sich diesen hinzugeben und Einfluß zu gestatten aus sein Leben — ich meine vielmehr die rechte religiöse Innerlichkeit, die wir ja vielfach auch bei denen vermissen, welche die vorgeschriebenen Formen der Religion eifrigst vollführen. Fürwahr, Rechtlichkeit und Barmherzigkeit haben in der Welt nicht abgenommen, sondern sind vielmehr, wir mögen es freudig zugestehen, im Ganzen gewachsen. Vorurtheil und Haß sind im Abnehmen begriffen, Verfolgung und Krieg beginnen zu schwinden. Es ist noch lange nicht das Ziel erreicht, aber es ist doch angefangen. Aber nicht so die religiöse Innerlichkeit; diese Herzensfrömmigkeit, welche das ganze Herz erfüllt, und mit Liebe trankt; dieses Gotthingegebensein, welches bei jedem seiner Schritte Gottes gedenkt, in jedem Vorfall, kleinem wie großem, Gott gewahrt, Gottes Schickung, Gottes Gnade, bei jeder Handlung Gott vor sich hat, auf ihn siehet, seines Wohlgefallens, seines Urtheils, seines Gebotes sich erinnert. Nein, diese religiöse Einfalt, diese Innigkeit ist nicht mehr heimisch im Menschen, ist selten, wird immer seltner im Menschen. O, man denkt jetzt viel an Religion, man streitet und kämpft jetzt gewaltig um Religion; aber nur um eine ganz äußerliche, um die Religion als eine abgeschlossene, dastehende Lehre, um irgend ein formulirtes Bekenntniß. Aber um die innere, in der eigenen Seele lebendige Religion, um die Religiosität seines eignen Gemüthes, da kämpft man wenig. Um das Wort kämpft man, aber nicht um das Leben der Religion. Wieso kömmt das? Laßt mich es sagen. Wenn die Religion vordem zu sehr Satzung, Form geworden; so ist sie jetzt zu viel Idee, zu viel flüchtige, abstrakte Idee. Sie hat alles Feste, alles Fleisch und Blut, wenn ich so sagen darf, verloren. Man frägtsich: glaubst du Das oder Jenes? Ja oder Nein. Hältst du Dieses oder Jenes für wahr oder unwahr? Ja oder Nein. Aber man fragt sich nicht: lebt es auch in deinem Innern? fühlst, empfindest du es? bist du davon erfüllt, ergriffen, beherrscht? ist es die Lust, in der dein Geist