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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 234 (sequence 18)
Language
German
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234 sich feierlich... * „bin ich nicht jeden Falls beneidenswerth? Wenn ich erlöset werde aus dem Kerker, erkennen unsre Brüder, daß ich gelitten unschuldig um unsres Glaubens willen; und wenn ich erlöset werde aus dem Leben, so erkennt Gott meine Treue und meine Festigkeit an seiner wahrhaften Lehre.... Und was giebt es Herrlicheres, als Beides?...." „Vater, ich verehre Dich... „Was ist Da zu verehren, mein Joseph? Hab' ich gelebt über sechszig Jahre im Studium der Religion, und nun die Stunde der Prüfung gekommen, sollt' ich mich schwach befinden lassen?.... Meine Feinde lassen mir ja Ruhe, mich zu berathen mit mir selbst.... vierzehn Tage, und erst ein kurzes Verhör...." „Dies aber ist es, geliebter Vater, vor dem ich zittre. Wenn sie Dich in langwieriger Haft beließen, verschmachten zwischen den öden Keckermauern, wenn Du schwach, wenn Du krank würdest.... und Niemand, der Dich pflegt, Niemand um Dich.... O, ich fühle mich gehoben durch Dein Wort, gestärkt, aber wenn das käme.. „Wer wird zittern vor dem, was noch nicht ist, und vielleicht nicht kommt.... Jetzt fühle ich mich stark und kräftig, Alles zu ertragen; ich bin ruhig, ohne Leidenschaft, ich zürne nicht, ich ereifre mich nicht.... Dahin mußt auch Du streben, mein Sohn; nur dann gehstDu geläutert aus der Prüfung, nur dann kannstDu einst sagen: ich habe gesiegt!.... Und darum von etwas Anderm, denn die Zeit verrollt.... was macht Deine Schwester, meine Sara? wie ertragt sie es?...." Wie ein Donnerschlag traf diese Frage den Jüngling. Also der Vater wußte von Nichts. Er vermuthete seine Tochter mit ihrem Bruder vereinigt. Sollt' er es ihm mirtheilen, was Schweres auf sie gekommen? Sollt' er es verschweigen? Was sollte der schon genug gedrückte Greis auch daran noch zu tragen haben? Konnte dies nützen? Und doch; das Verschwinden Sara's, die Art, wie sie geraubt worden, war zu auffällig. — Etwas mußte doch voraufgegangen sein; in Etwas mußte sich schon vorher eine Anknüpfung, eine Andeutung finden. Es war ja Plan in ihrer Entführung, da die Räuber den bequemsten Zeitpunkt mit so vieler Berechnung benutzt hatten. Ob der Vater hier Licht schaffen könnte? eine Spur auffinden? War es denn nicht höhere Pflicht, zur Rettung des unglücklichen Mädchens das Höchste, das Schwerste zu wagen? Diese Gedanken waren dem Jüngling schon früher durch die Seele gegangen. Sie fuhren ihm noch einmal blitzschnell durch dm Geist. „Um Gott, Du schweigst.... Joseph, ich frage Dich nach Deiner Schwester, nach meiner Sara...." „Meine Schwester...." stammelte unentschlossen der Jüngling. „Gott, da muß was geschehen sein!...." rief der Greis mit gellender Stimme, und raffte sich vom Lager auf, und der Schrecken drückte sich auf seinem Angesicht furchtbar aus.... „Mensch, sage mir, wo ist Deine Schwester?...." „Vater, Lieber Vater, beruhige Dich! Ich weiß es nicht, ich habe sie noch nicht gesehen, seitdem ich zurückgekehrt. .. „Du weißt es nicht?" schrie der Rabbi mit noch gewaltigerer Stimme, „hast sie nicht gesehen ... sprich, um der Erlösung willen, was ist es.... Joseph, laß mich nicht umkommen...." „Vater, in der Stunde, da Du gefangen fortgeführt wurdest, ist sie geraubt worden, und ich fand nur — eine ganz leere Stätte...." Und nun erzählte er dem Vater mit schnellen Worten der Angst, was geschehen, und daß man Nichts, gar Nichts von ihr erfahren. „Wo habe ich nicht gesucht, wo habe ich nicht geforscht; wohin drang mein Fuß nicht in der Stadt, um die Stadt, wohin er nur Einlaß finden konnte. In die Kirchen selbst wagte ich mich, an den Pforten der Klöster frug ich —- keine, keine Spur." Der Greis war wie angedonnert; er saß auf seinem Lager wie ein Bild von Stein; nur die Muskeln des Gesichtes kämpften, nur um den Mund zuckte es gewaltig, nur seine Brust wogte und hob sich.... Joseph blickte starr auf den Vater, die eiskalte Hand ergriff er, sie war wie leblos.... „MeineSara, meine Sara!..." wimmerte und stöhnte es endlich aus ihm heraus — und dann flüsterten fast unhörbar die bleichen Lippen: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!.. /' Joseph überrieselte Todesschweiß; so hatte er seinen Vater nie gesehen; so war der vorher, der bei seinem eignen Geschick so ruhige, so gefaßte Mann noch nie ergriffen worden. „Meine Tochter, wo bist Du? Meine Tochter, wer hat Dich mir entrissen? Welcher Geier hat die reine Taube Juda's geraubt? hat sie in seinen unreinen, gräulichen Klauen davon getragen? Hat ec Dich vom Felsen gestürzt, daß Du zerschmettertest? Hat er Dich in sein entweihtes Nest gedrängt, daß Du befleckt werdest von seiner teuflischen Pest?...So drang

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