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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 233 (sequence 17)
Language
German
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233 ling auf, und legte ihn an seine Brust, und sein edles Haupt über die Schulter des Jünglings. „Du bist zurückgekommen.... und wie bist Du hierher gekommen?.... O Du großer Gott, sei gebenedeit, der Heilige, gelobt sei er, der eine Gnade hat für jeden Gefallenen, und einen Arm für jeden Gestürzten ...Ja, der Greis weinte, und Tropfen, schwere Tropfen.... wehe denen, die sie ihm ausgepreßt.... fielen auf den Nacken des Jünglings.... „Eine Stunde habet Ihr Zeit," scholl eine rauhe Stimme dazwischen, „und Ihr könnt hier ungestört mit einander sprechen, denn die dicken Mauern halten jeden Laut von einem menschlichen Ohre fern".... So sprach der Wärter, aber die Beiden, die sich wieder gefunden, hörten ihn nicht, und sahen nicht, wie er sich entfernte. Die Laterne hatte er in eine Ecke gestellt, von wo das ganze Licht auf den Vater und den Sohn siel. Und welches Auge vermochte wol in den Seelen dieser beiden Menschen so zu lesen, daß es die ganze Schrift der wechselnden Gefühle, die hindurchströmten, überschaue; und welche Sprache vermöchte wiederzugeben die Höhe und die Tiefe der überschwänglichen Empfindungen, die darin auf- und abstiegen? Ein Sohn war heimgekehrt, voll Glückes und Liebe, und hatte seinen Vater erst wiedergesunden im Gefangniß, in der Kammer der Todesverbrecher. Ein Vater hatte seinen Sohn, seinen Einzigen, den Wohlgediehenen, den Wiffensreichen und Frommen, zurück erwartet, und konnte ihn erst umarmen nach langen Tagen und Nachten auf dem Kerkerlager.... Und Fragen und Anschauen wechselten einander ab, und Seufzer und Wehruf folgten einander. Aber der würdige Greis gewann es bald über sich, und sprach: „Laß es gut sein, mein Joseph! Du hast doch den Glauben Deiner Väter mit heim gebracht, und die alte Zuversicht: Gam su latoba! (Auch dies zum Guten!) Ermanne Dich, setze Dich hier auf mein Lager, und laß uns die kurze Zeit wohl benutzen, unsere Herzen auszuschütten. Gott sei Preis, der mich so gelabt! .... Und der Greis legte sich erschöpft zurück; Joseph setzte sich zu Füßen auf das Lager. Der Vater ließ sich erzählen, wie er heim gekommen, wie er die Nachricht von seiner Gefangennehmung ertragen; ließ sich berichten, wie diese von der Gemeinde ausgenommen, was man gethan, und was man beabsichtige. Joseph rheilte es ihm ausführlich mit, all das was man herausgebracht, und was man vermuthete.... Der Greis wiegte bejahend das Haupt. Sorgfältig vermied es Joseph, seiner Schwester zu erwähnen; er wollte die Frage des Vaters abwarten, um daraus zu entnehmen, was dieser vom Schicksal derselben wiffe, da der Gefangenwäcter es ihm ja mitgetheilt haben konnte. Endlich sprach der Rabbi: „Sieh, Joseph, wir dürfen die Hoffnung, wir dürfen das Vertrauen auf den Retter droben und unsre Unschuld nicht aufgeben. Leid' ich für meine Gemeinde, drückt man mein Haupt nieder, als das Haupt jener — nun, so bezahl' ich nur eine Schuld, zu der ich seit dreißig Jahren mich verpflichtet habe. Du kennst übrigens die wunderbare Geschichte unsres Stammes; oft schleuderte ihn die Hand Gottes an den Rand des Abgrundes — nur um die Hand des Helfers ihm desto wunderbarer zu offenbaren, daß es schauen alle Söhne Juda's, und daß es schauen alle Söhne der Erde, die sehen wollen, daß „unsre Hülse kommt von Dem, der Himmel und Erde geschaffen!" — Und sollt' es nicht so sein, hat der Heilige, gelobt sei Er! mich ausersehen, zu seinen heiligen Opfern mich zu gesellen, zu denen, die umgekommen um seines heiligen Namens willen durch's Feuer oder Schwerdt, durch Wasser oder Hunger-nun, mein Joseph, Du und Deine Schwester sind erwachsen, Ihr seid wohlgediehen in der Furcht des Herrn und in der Zucht des Herrn, Ihr braucht mich nicht mehr, und Eure Mutter, Friede mit ihr! ist vorangegangen.... kann es auf einige Jahre mehr ankommen, wenn es gilt zu zeigen, wie ein Jude sterben muß, ein Schma auf seinen Lippen und Friede in seinem Herzen... „O Vater, sprich nicht also.... wolltest Du uns verlassen gebrochenen Herzens .... bedarf ich nicht Deiner, um mein Lebensziel zu erreichen, nicht Deiner Liebe, um aufzuathmen?...." „Nein, mein Sohn! Meine Liebe wird Dir, so Gott will, früher oderspatererfetztwerden, und um zu werden wie's Dir gegeben ist vom Herrn, kannst Du auf eignen Füßen gehen.... Und dann, wenn es einmal im Rathe Gottes bestimmt, was läßt sich thun? Nichts anderes, als des Looses würdig zu sein, das er bereitet; ja, als einen Sieg zu betrachten, was die blöden Menschen einen Untergang nennen; als einen Triumph zu feiern, was sie als eine Niederlage betrachten; ja, sich im Herrn dessen zu freuen, was sie bedauern, was sie bemitleiden.... Sieh, Joseph...und die Stimme des Greises erhob 15**

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