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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 232

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 232 (sequence 16)
Language
German
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232 ling, möge sie eine gute Bürgschaft sein! Wenn der Unglückliche erst wieder die Möglichkeit empfunden, daß er noch Glückes theilhaftig sein könne, daß sein Herz keine Wüste, in der die Blüten der Freude vom Flugsand auf ewig verdeckt worden, sondern nur eine Brandstätte, aus deren Asche es noch üppig hervorwuchern, und auf der ein neues Bauwerk sich erheben könne, wenn die Trümmer erst hinweggeräumt sein werden — dann ist viel gewonnen. Also seine glühende Sehnsucht soll befriedigt werden, seinen Vater soll er sehen — und dies durch das geliebte Mädchen, und dies ohne daß er gesprochen, aus der reinen Sympathie ihrer Seelen! Bald aber überkam ihn wieder die Besorgniß: wie wirst du deinen Vater finden? bald überfiel ihn wieder das Bewußtsein ihres Schmerzes: mein Vater gefangen, meine Mutter begraben, meine Schwester.... Wird der Vater Letzteres wissen, und wenn ec es nicht weiß, soll ich es ihm mittheilen?... Da war der arme Jüngling wieder in das ganze Meer der Unruhe und des Leides gesenkt. Aber bald kam die Erwartung wieder mit ihrem beängstigenden Herzschlag; er zählte die Stunden noch, bis daß er in das Gefangenhaus gehen müsse. Wie langsam rückte der Zeiger vor. Als die Dämmerung sich über die Stadt zu legen begann, eilte ec dorthin. Der Wärter nahm ihn stumm auf, als ob es ihm leid thate, versprochen zu haben, was er nun gern unerfüllt ließe. In eine Hinterkammer, deren Läden verschlossen, führte er ihn, und deutete ihm an, daß er sich hier ruhig verhalten müsse, bis die Zeit gekommen. Da saß der Jüngling stundenlang, mit seinem schweren Herzen allein, im Dunkel, in der Einsamkeit. So sitzt dein Vater schon vierzehn Tage, sagte er zu sich selbst, und Tag und Nacht, willst du weniger ruhig sein die wenigen Stunden? Und er stellte sich seinen Vater so recht lebhaft vor, und er malte sich im Voraus aus, was jetzt kommen würde, damit ec nicht überrascht werde davon, und die Fassung nicht verlöre. Aber je weiter die Zeit schritt, desto schneller versank all sein Entschluß, desto heftiger schlug ihm das Herz. Ost hörte er an der Kammer schwere Schritte vorübertappen, oft klirten Ketten, klangen Seufzer, drang Schmerzensschrei zu ihm hinüber — wenn Verbrecher aus spätem Verhör in ihre Zellen zurückgebracht wurden. Ob sein Vater darunter wäre? Erde, vermagst du je solche Stunden mit all dem Glücke wieder zu vergelten, das du zu reichen im Stande bist?!... Da auf einmal, als sein Herz schon müde, schon erschöpft schien von all dem Wühlen, öffnete sich knarrend die Thüre der Kammer, der ernste Gefängnißwarter trat mit einer Blendlaterne herein, ließ ihn der Stiefeln sich entkleiden, faßte stumm seine Hand, führte ihn hinaus, verdeckte das Licht, und flüsterte ihm nur trocken zu: „Um Gotteswillen keinen Laut!..." So folgte der Jüngling, dem das Herz bis in die Höhe schlug, daß er dachte, es würde ihm zerspringen, lange in leisem Wandel; sie bogen um manche Ecke, sie stiegen manche Stufen hinunter, sie duckten sich manchmal durch eine Pforte, unter einem niedrigen Gewölbe hinweg; oft standen sie auch still, man hörte in der Nahe den schweren Schritt der bewaffneten Wachen, sie ließen diese sich weiter entfernen, bevor sie vorwärts gingen. Endlich hielten sie an; sie standen vor einem eisernen Pförtchen; der Wärter faßte fest einen ungeheuren Schlüssel, ließ den Strahl des Lichtes auf das Schloß fallen, steckte geräuschlos mit äußerster Vorsicht den Schlüssel hinein, drehte ihn um.... Jetzt, jetzt! schlug das Herz Josephs ihm zu.... Leise stieß er die Thüre auf, schob den Jüngling hinein, trat selbst ein, und schloß die Pforte wieder.... In einer gewölbten, engen Kammer, die nur -ganz in der Höhe eine runde, von außen mit schrägem Laden verstellte Oeffnung hatte, lag auf niedriger Bettstelle ein Greis, hoch an Gestalt, mit bleichem, ausdrucksvollem Antlitz und einem Silberbarte, der bis auf den Gürtet hinabwallte. Ein schwarzes Sammtkäppchen deckte das Haupt, das von weißen Locken umgeben war. Ein langer Kaftan, an den Säumen mit Sammtstreifen besetzt, hüllte eng den Körper ein. Er mußte wol das leise Geräusch beim Oeffnen der Thüre vernommen haben, denn er that das große, dunkle Auge auf, hob sich von dem schlechten Lager empor, und rief mit Heller Stimme: „Wer ist da? Was wollt Ihr?..." Da stürzte Joseph, seiner nicht mehr mächtig, an das Lager, sank auf die Knie, schlug die Arme um die halb aufgerichtete Gestalt, senkte das Haupt in den Schooß des Vaters und rief mit schneidendem Schmerzensruf: „Ich bin Joseph, Dein Sohn!".... „Joseph, mein Sohn? Mein Sohn Joseph?" rief der Greis aus, und seine zitternden Hände schlugen sich um das Lockenhaupt des Jünglings, und betasteten es. „Ja, mein Sohn Joseph, mein Joseph, meiner Mirjam Sohn...." Und er riß den Jung-

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