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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
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231 dazu fydtte verleiten können — sondern auch das, wie er meinte, Nutzlose des Unternehmens. „Was kann es helfen," sagte Baruch, „wenn Ihr Euch sehet — Dein Vater wird nur aus seiner Ruhe gestört, und Du wirst Deine letzte Fassung verlieren. Joseph antwortete Nichts. Es giebt Dinge, über die sich nicht streiten laßt, die nur nachgefühlt, in ihrem unendlichen Inhalt, in ihrer Unentbehrlichkeit empfunden sein wollen. Seit Jahren seinen Vater nicht gesehen zu haben, von ihm nicht gesehen zu sein, seinen Blick nicht aufgefangen, seinen Händedruck nicht gefühlt, seinen Segen nicht empfangen zu haben — nach der Heimath gekommen zu sein, und ihn nicht gefunden zu haben — im Gefangniß ihn zu wissen, und das Wort der Beruhigung nicht von seinen Lippen zu vernehmen- und dann mußte nicht dieselbe Sehnsucht die Brust des Greises füllen, sein Herz zerreißen wußte dieser doch, daß sein Joseph, sein Einziger, sein Geliebter, jetzt zurückgekehrt sein müsse; mußte er, der Vater, in den Stunden der Kerkereinsamkeit sich doch den Jammer ausmalen, der seinen Sohn bei der Rückkehr befallen haben müsse -o, und da, Baruch, glaubst du noch, mit einem kalten Worte die Sehnsucht des Jünglings abkühlen zu können? Nein, das glaubtest du nicht, guter, gefühlvoller Oheim! Aber so ist der Egoismus des Menschen, selbst des besten: wo er nicht helfen kann, davon will er Nichts wissen, um sich mit diesem Gedanken nicht zu plagen; was er nicht befriedigen kann, will er unterdrückt wissen, damit ihn das Gefühl des thatlosen Mitleides und Mitleidens nicht in Unruhe versetze. Und so konnte der Jüngling von diesem Verlangen nicht lassen, und ließ nicht davon. Träumerisch, fieberhaft, ging er umher, und wenn die Pforte sich öffnete, glaubte er, so oft er sich auch getäuscht sah, der Bote trete herein, der ihn an die Brust des Vaters riefe. Und es kam der Bote. Einmal hatte sich Joseph doch nicht getauscht. Was Niemandem gelungen, gelingen konnte, das war der Liebe gelungen. Was Jedermann als unmöglich und unnöthig beseitigte: das hatte die Liebe in seiner Nothwendigkeit für den Sohn, von selbst herausgefühlt, und, allerdings durch ein glückliches Zusammentreffen, möglich gemacht. Die Verbindung mit dem Hause des Großhändlers Mendel mußte natürlich für Joseph gänzlich abgebrochen sein. Aber die theure Rebekka hatte sich seinen Zufluchtsort sagen lassen, um ihm, so es Noch wäre, eine Nachricht geben zu können. Eine solche Nachricht war gekommen. Joseph hatte das Blättchen, das ihm die treue Magd Rebekka's überbracht, in seinen Händen. Es war von Rebekka's eigner Hand beschrieben, zierlich in jener Handschrift, welche das deutsche Wort in einer jüdischen Kursivschrift wiedergiebt. Eine andere erlernten die Töchter Juda's damals nicht, kaum diese. In glücklicheren Zeiten hatte Joseph das Blättchen wahrscheinlich an Lippen und Herz gedrückt, noch bevor ec es gelesen. Aber in dem Leide seiner Seele, in dem dumpfen Brüten seines Geistes konnte er es nur ergreifen, schnell entfalten und mit flüchtigem, brennendem Auge überlaufen. „Joseph," schrieb das edle Mädchen, „ich konnte mir denken, daß Ihr gegenwärtig nur Eines ersehnet — den (heuern Vater von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Ich fühle es in meinem Herzen, dies allein muß jetzt der einzige Putsschlag des Eurigen sein. Ich Glückliche, es ist mir gelungen. Und wahrlich, nur das Eine thut mir leid, das es mir nicht schwerer geworden, nicht größere Opfer gekostet, Euch dies Glück zu verschaffen. Meine treue Susanne ist die Tochter des Gefangenwarters, der unfern edeln Rabbi zu bedienen hat. Sie kennt meinen Schmerz, und durch mich den Euern. Ihrem Flehen konnten ihre Eltern nicht widerstehen. Schon von Bewunderung für den erhabenen Greis, der mit so unendlicher Majestät duldet, ergriffen, hat der sonst so strenge Mann, als ich ihn, nachdem er von Susannen vorbereitet, so dringend bat, eingewilligt, Euch in der Nacht zu Eurem Vater zu lassen. Ihr müsset vor Abend zu ihm gehen; um Mitternacht wird er Euch durch einen geheimen, nur dem Wärter bekannten Gang, allerdings mit aller zu beachtenden Geräuschlosigkeit, zum Vater führen, eine Stunde Euch bei ihm verweilen lassen, dann zurückholen und im Laufe des Vormittags entlassen. Nur so kann jeder Verdacht entfernt bleiben. Er wagt viel — Ihr werdet daher seinen Weisungen mit Besonnenheit Folge leisten. Joseph, nur — standhaft! Es ist ein Kelch bittrer Seligkeit, der Euch gereicht wird — leert ihn nicht mehr, als um — Mann zu bleiben, Herr Eurer selbst. Ich werde die Stunde mit Euch im Geiste verleben. Flehet um den Segen des Rabbi für Rebekka." Es war die erste glückliche Minute, die unser Joseph in der Heimath wieder erlebte. Glück zu, mein Jüng-

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