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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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225 Die des Mordversuches Angeklagte heißt Therese Kirchberg, aus Nieder-Lahnstein im Herzogthum Nassau gebürtig. Durch den Fruchrhändlec Mayer Reinhold in Koblenz verführt, ward sie vor 5 Jahren Mutter eines Knaben. Unter allen möglichen Vorwänden schob Reinhold die Vollziehung der ihr versprochenen Heirath hinaus, bis er endlich nach Frankreich ging und Therese plötzlich erfuhr, ec sei in Sierck bei Metz und werde daselbst die Tochter des Kaufmanns Cahen, Mlle. Fanny heirathen. — Therese macht sich von Nieder-Lahnstein sogleich nach Sierck auf, begiebt sich zur -Familie Cahen, schildert ihr ihre Lage, ihre Ansprüche auf Reinhold, und bittet Fanny, den Gedanken an eine Heirath mit Reinhold aufzugeben. Fanny Cahen antwortet ihr: „Mag Reinhold ihr Verlobter, mag er der Vater dieses Kindes sein, — mir ganz gleich. Solche Dinge sind in Frankreich kein Hinderniß. Hier in der Gegend lebt der reiche Herr von., er hat fünf uneheliche Kinder und alle Mädchen der ganzen Umgegend würden sich glücklich schätzen ihn heirathen zu können." „Bei uns in Deutschland ist das anders, antwortete Therese, und der Beweis ist, daß Mayer Reinhold nach Frankreich gehen mußte, um eine Frau zu finden." — Dreimal erneuerte Therese ihre Bitten, ihre Beschwörungen. — Fanny blieb fest dabei, den reichen M. R. zu heirathen. — Zum vierten Male kommt Therese zu Cahens, hört, Fanny sei zum Kaufmann Nathan gegangen, um Sachen zu ihrem Hochzeitsstaate einzukaufen und eilt ihr nach. Sie findet sie in Nathans Laden, bittet sie noch einmal, ihrem Verlobten zu entsagen, und als Fanny ihr aus die Frage: „Zum tetztenmale, wollen Sie mir Mayer lassen, — ja oder nein?" — „nein" antwortet, zieht Therese eine Pistole unter ihrer Mantille hervor und feuert sie auf Fanny ab. — Diese aber ist nicht getroffen und fliehet, Therese packt sie und will sie erwürgen, bis herbeieilende Leute sie befreien. Therese geht nun selbst zum Maire und läßt sich verhaften. — Mayer Reinhold heirathet indessen, wahrend sie im Gefängnisse sitzt, Mlle. Fanny Cahen und wird, als er vor den Assisen als Zeuge erscheint und Theresens Charakter verdächtigen will, von dem indignirten Publikum ausgehöhnt, — so daß er schnell mit seiner Frau Metz verläßt und nach Koblenz abreist. Nach einer Berathung von drei Minuten wird Therese von den Geschwornen freigesprochen und von zahlreichen Zeugen, die ihr alle das vortheilhafteste Zeugniß geben, im Triumphe nach Hause begleitet. Literarische Nachrichten. 1. April. (Kurzer Bericht über kleinere Schriften.) Eine recht gut geschriebene, aus biederster Gesinnung geflossene Abhandlung kam uns jüngst zu: „Die Auswanderer. Ein Vortrag, gehalten im Verein für Volksbildung zu Oldenburg, von B. Wechsler, Landrabbiner. Oldenburg, 1847." Es kommt darin auch mancher Blick auf die jüdischen Auswanderer vor. — Predigten: Reis und Hülsenfrüchte, am Peßach erlaubte Speisen. Ausgesprochen am 4. und 11. April 1846 in der großen Synagoge zu Proßnitz von Hirsch B. Fassel, Rabbiner. Prag, 1846. Eine Durchsprache der Autoritäten für diese Erlaubniß. — Licht auf den dunkelsten Lebenswegen, Predigt von Di*. G. S alomon. Hamburg, 1846. Anknüpfend an 4 Mos. 8, 1—3. „die Religion Israels ist das Licht." — Predigt über die Festfeiec zur Aufhebung der Toleranzsteuer. Im Tempel zu Groß-Kanischa, von Dr. M. Dreifuß, Rabb. Kand. Warasdin, 1846 — stellt dieses Ereigniß als ein Zeugniß des allmaligen Verschwindens der alten schmachvollen Zeit und des Beginnes einer bessern für Israel, von dem Gemeinsinn und dem brüderlichen Zusammenwirken der Israeliten und von der Huld des Kaisers dar. — 450 Gebete und Lieder für die israelitische Jugend jedes Alters in Schule und Haus. Von Di*. I. H. Jakobson. Leipzig, 1847. Eine völlig angemessne Sammlung guter Lieder und Gedichte, angemessen geordnet, in Schule und Haus nützlich zu verwenden, bald kürzere, bald längere, so daß sie für alle Stufen des kindlichen Alters passen, in klarem Druck, auf gutem Papiere. — na?: ‘ido iriKPnb 2N828, Berlin, 1846. Vom ältest orthodoxen Standpunkt, aber mit vielem Fleiße und guter Quellenkenntniß gearbeitet. — Vt ^bo Abhandlung über die Einheit. Aus dem Arabischen des 9?. Moses B. Maimon. Zum ersten Mal herausgegeben, nebst sachlichen und sprachlichen Erläuterungen und einer deutschen Inhaltsübersicht von M. Steinschneider. Berlin, 1846. Ein kleines Kompendium der maimonidischen Religionsphilosophie und Ethik in drei Kapiteln mit einer Einleitung und einem Briefe als Schluß. Leipzig, 30. Marz. In diesen Tagen ist die 34ste Lieferung des zweiten Bandes des P hitippso n'schen Bibelwerkes ausgegeben worden, welche den Schluß des 15*

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