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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-04-05 · Heft 15 (5.4.1847) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 15 (5.4.1847)
Date
1847-04-05
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 solchen Thal die edelste Einfachheit, die rührendste Unschuld, so ist dies um so mehr hervorzuheben, je seltener es anzutreffen. Daher seien hier noch folgende Zeilen mitgetheilt, welche die Didaskalia vom 15. aus Karlsruhe enthielt: „Jetzt, nachdem die schmerzlichsten Jammertöne, die gerechten Wehklagen über den unheilvollen karlsruher Theaterbrand zu verstummen beginnen, sei es uns vergönnt, eines Mannes zu gedenken, durch dessen kühne Entschlossenheit und Geistesgegenwart, die eigne Lebensgefahr nicht achtend, eine Anzahl Menschen dem schrecklichsten Untergang entrissen wurden. Nachdem es demselben durch große Körperkraft gelungen war, eine verschlossene Thüre aufzusprengen, rettete er die von Todesangst erstarrten und vom Rauch schon fast erstickten Menschen, indem er sie nach einander theils herausschleppte, theils zur schleunigsten Flucht antrieb. Einem derselben, dem Hautboisten Günther, rettete er zweimal das Leben, und dieser richtet an den wackern Mann eine Danksagung für sich und für 35 mit ihm Geretteten, welche hier unten folgt. Herr Reutlinger ist ein unbemittelter Mann mosaischer Konfession; vielfache Geldbelohnungen waren ihm geboten worden, die er aber alle standhaft ausgeschlagen. Selbst das Geschenk eines neuen Kleides nahm er nur unter der Bedingung an, daß er den Betrag dafür binnen sechs Monaten zahlen dürfe. Danksagung an Herrn Moritz Reutlinger dahier. Als bei dem schrecklichen Brande im Hoftheater die Zuschauer auf der dritten Gallerie, von den Flammen umringt und vom fürchterlichen Rauche fast erstickt der gewöhnlichen Ausgangsthüre der dritten Gallerie zuströmten, da waren Sie es, Herr Reutlinger, welcher uns, die wir dem gleichen Weg zueilten, durch Ihre Geistesgegenwart und muthige Entschlossenheit, vom sichern, gräßlichen Flammentod erretteten. Sie waren es, Herr Reutlinger, welcher uns der durch den Schrecken und die Todesangst hervorgerufenen Erstarrung durch den Hoffnungsruf: „Hier ist noch eine andre Thüre!" entrissen. Sie waren es, welcher die That den Worten folgen ließen, diese Thüre sprengten und uns 36 Unterzeichnete, und wol noch viele Andere, dem Tode entrissen, dem so viele unserer Brüder und Schwestern an jenem Abend unterlagen. Mir, dem mitunterzeichneten Hautboisten Günther, haben Sie zweimal das Leben gerettet. Nachdem ich durch die von Ihnen erbrochene Thüre entkommen war, siel ich auf der Treppe besinnungslos nieder und wäre verloren gewesen, hätten Sie mich nicht auf ihren Schultern aus dem brennenden Hause getragen. Erlauben Sie, Herr Reutlinger, daß wir öffentlich unfern tiefgefühlten, innigen Dank hiermit aussprechen, und glauben Sie unsrer Versicherung, daß unsre Dankbarkeit nur mit unserm Leben aufhören wird. (Folgen 36 Unterschriften.)" Oesterreich. Temesvar, im März. (Privatmitth.) Die israelitischen Frauen der hiesigen Vorstadt, Fabrik, haben einen Verein zur Unterstützung nothleidender Wittwen und zur Erziehung der Waisenkinder gebildet, der schon tüchtig fundirt ist. In den hiesigen adligen Kreisen fand dieses Unternehmen vielen Anklang und eine Unterstützung von 100 Fl. K. M. Der edle Stadthauptmann, Paul v. Veffelinovits, ließ seine Gemahlin in den Verein mit einem bedeutenden Geschenke eintreten; der Apotheker Jaromiß, der Spezereihändler Stein und der Dampfbadinhaber Consta stellten dem Vereine jährlich für eine gewisse Summe Arzneien, Spezereiwaaren und 120 Dampfbäder zur Verfügung. Von solchen Beweisen der Nächstenliebe, wie freudig berichtet man davon! Mögen die israelitischen Frauen der innern Stadt nicht versäumen, sich diesem Vereine anzuschließen, wodurch die Kräfte und Erfolge viel bedeutender werden würden. KurLofnm. Man hat lange den Juden Feigheit vorgeworfen, und trotz den mannigfaltigen Gcgebeweisen in den französischen, holländischen, preußischen, österreichischen und russischen Heeren, haben vor kurzer Zeit die schleswigholsteinschen Stände daraus ein Argument gegen die Heranziehung der Juden zur Militärpflicht geschmiedet. Aber nicht blos die jüdischen Jünglinge, sondern auch die jüdischen Jungfrauen haben von der Zeit genug prosilirt, um mit dem Fcuergewehr umgehen zu können. Dies beweist folgender Prozeß, der in diesen Tagen vor den Assisen der Mosel verhandelt worden. Es galt eine Jüdin.

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