Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1847)
- Date
- 1847-04-05
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225513--08478-3239293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
222 die Vorhaut kurz, so muß sie sehr geschont werden, indem bei zu starkem Hervorziehen und Durchschneiden derselben eine Lücke zwischen der Haut der Wurzel des Gliedes und des Skrotums, mithin ein Substanzverlust sich ergiebt, wie ich erst vor Kurzem bei einem Beschneidungsfalle gesehen habe, wozu ich nachher der Blutung wegen gerufen worden war, die ich erst nach 12 Stunden ganz zu stillen vermochte. Ein bleibender Nachtheil entsteht in einem solchen Falle nach der Heilung durch Bildung der Narbe, welche nie so nachgiebig ist als die erste Haut, deshalb muß auch entweder die Friktion des Gliedes ganz verhindert werden, oder das Glied krümmt sich nach jener Seite hin, wo die Hautnarbe entweder kürzer oder weniger nachgiebig ist. Allen diesen Nachtheilen kann der Mohel entgehen, wenn er den Rath des Wundarztes erster Klaffe Herrn Weigert nicht befolgt. Ich habe meine Ansichten über diesen Gegenstand Herrn vr. Pilippson in Magdeburg mitgetheilt und er hat mich verstanden ohne Mohel zu sein. Was die übrigen Besprechungen über diese Angelegenheit betreffe, so verweise ich auf die Frankelsche Monatschrift, Jahrgang 1844, Seite 194 8g., wo ich mich ausführlicher darüber ausgesprochen habe. Elias Collin, praktischer Wundarzt. Frankfurt am Main, im März. (Privatmitth.) „Das Komitö für die Kasse derRabbinerversammlungen" hat folgende Aufforderung erlassen: „Das Unterzeichnete Könnt« hat die Ehre, die ihm obliegende Rechnungsablage hiermit pflichtgemäß den verehrten Unterzeichnern zu der Kasse für die Rabbinervcrsammlungcn mitzutheilen und sieht sich zugleich veranlaßt, seine Wirksamkeit in Erinnerung zu bringen und den Freunden fortschreitender Entwickelung nahe zu legen. Aus der beigeschlossenen Uebersicht geht hervor, daß die vorjährige Rabbinerversammlung, wie zu erwarten war, sehr bedeutende Ausgaben nöthig machte, welche durch die bereitwillige Unterstützung vieler wackeren Männer und Gemeinden gedeckt wurden. Indem wir denselben hiermit herzlichen Dank abstatten, erheischt es jedoch unsre Pflicht, zugleich aufmerksam zu machen, das die Kasse beinahe erschöpft ist, und der Fortbestand derselben nur durch die weitere Theilnahme und Unterstützung des Publikums erwirkt und gesichert werden kann. Die zu Mannheim abzuhaltende Rabbinerversammlung wird in wenigen Monaten stattsinden. Daß die Ausrechthaltung dieses Instituts manches Opfer erfordere, haben wir bereits im vorigen Jahre ausgesprochen, und müssen es unter den obwaltenden, allgemeinen und besonderen Verhältnissen, jetzt um so mehr wiederholen. Wenn wir damals sowol die Ueberwindung materieller Hindernisse als auch die Kundgebung der Gesinnung im Auge hatten, durch welche die Versammlung ihren Stützpunkt in der öffentlichen Meinung finden soll, so verkennen wir nicht, daß der vorherrschende allgemeine Nothstand von der einen, die mannigfachen Beurtheilungen, welche über einzelne Beschlüsse der breslauer Rabbinerversammlung im Publikum gefällt worden, von der andern Seite, neue Schwierigkeiten geschaffen haben. Wir leben indeß der Ueberzeugung, daß die Hülfcleistungen, welche der Augenblick erfordert, das Publikum nicht abhalten werden, ein Institut zu unterstützen, an dessen Fortdauer sich viele Hoffnungen der Freunde des Fortschritts knüpfen. Was die verschiedenartigen Urtheile betrifft, zu welchen die erwähnten Beschlüsse Veranlassung gaben, so ist es nicht unsere Aufgabe, in die so heftig gewordene Diskussion einzugehen, deren Werth wir auf sich beruhen lassen. Wie verschieden aber auch die Meinungen hierüber sein mögen, das scheint uns fest zu stehen: daß die Bedeutung und der Nutzen der Rabbinerversammlungen nicht nach einem einzelnen Beschlüsse oder vielmehr einer einzelnen Berathung, oder gar deren mehr oder minder gelungenen Fassung, sondern nur nach dem Geiste und der Tendenz der gesammten Verhandlungen, beurtheilt werden muß. Jedem unbefangenen Beurtheiler aber kann es nur wünschenswerth erscheinen, periodische Versammlungen aufrecht zu erhalten, in welchen die nothwendig gewordenen Verbesserungen mit Ruhe und Sachkenntniß berathen werden und welche den Keim weiterer Fortbildung in sich tragen. Es ist nicht zu leugnen, daß zeitgemäßen Reformen auf diesem Wege am Leichtesten und Gleichmäßigsten Eingang in die Gemeinden und Unterstützung von Seiten unserer deutschen Regierungen bereitet wird, und das Aufhörcn dieser, ihrer Natur nach durchaus nur berathenden, Versammlungen für die Männer des Fortschritts nichts weniger als er-