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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-29 · Heft 14 (29.3.1847) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 14 (29.3.1847)
Date
1847-03-29
Page
Seite 213 (sequence 13)
Language
German
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213 land nach dem chersonschen Gouvernement übergesiedelten Hebräer, und zwar: Familien bestehend aus mannl. Seelen weibl. Seelen zusammen aus Mitau 115 - - 445 418 863 - Tuckum 2 - - 9 4 13 - Hasenpoth 96 - - 334 284 618 - Libau 13 - - 45 33 78 r Grobin 2 - - 7 8 15 - Goldingen 22 - - 83 88 171 r Windau 1 - - 5 5 10 - Jakobstadt 7 - - 27 33 60 - Andrichstadt 1 - - 4 6 10 s Bauske 82 - - 355 337 692 Summa 341 r 1314 1216 2530 Transport der jüd. Bevölkerung vor der Kolonisation 11,405 m. S., 11,625 w. S-, zus. 23,030 ab an Kolonisirten. . . 1,314- - 1,216- - - 2,530 Bleibt eine Bevölkerung zum Schluffe 1840 10,091 m.S., 10,409 w. S., zus. 20,50V *) (Fortsetzung folgt.) New-Vork, 28. Februar. Russische Skizzen. II. Allgemeines. (Fortsetzung aus No. 10.) Fragen wir, nach diesem Ueberblick über die religiöse Eintheilung der Juden in Rußland, nach ihrem allge- *) Vergleicht man nun auch noch den im „Inland" Jahrg. IV. Sp. 663 enthaltenen Bericht des Herrn Ministers des Innern v. I. 1838, wie auch Journal des Ministers des Innern pro 1838, Heft V, so erhellet zur Genüge, daß sich viele Statistiker insofern irren, wenn sie gegenwärtig für Kurland (wie noch jüngst das Brockhaus'sche Konversations-Lexikon im Artikel „Kurland") nur circa 15,660 jüdische Einwohner im Ganzen annehmen; da diese Zahl gegenwärtig höchst wahrscheinlich männliche Seelen allein ausmachen wird. Um so wahrscheinlicher, da Hierselbst in offiziellen Berichten sehr oft nur auf die männliche Seelenzahl Rücksicht genommen wird. — Vergl. auch den Bericht aus Mitau in der Leipziger Allg. Zeit, vom 6. August 1846. meinen geistigen Standpunkte, so können wir nicht anders antworten, als daß das Volk in geistiger Beziehung sehr reich begabt ist. Es sind auch hier der Faktoren verschiedene, die diese geistige Entwickelung hervorgerufen haben. Einmal ist es das russische Element selbst. Wenn es eine allgemein gültige Wahrheit ist, daß der Jude überall den Charakter des Volkes angenommen, indessen Mitte er gelebt, so gilt sie natürlich auch von den Juden in Rußland. Das russische Volk, das in Allem noch mehr an der kräftigen Einheit der Natur gefesselt ist, ist naturkräftig klug. Es hat eine Gewandtheit des Geistes, eine Lebensroutine, eine pfiffige Schlauheit, die den geraden Deutschen stets in die Tasche steckt. Es ist ein Mangel an Rechtsgefüht und Gewissenhaftigkeit — bei großer Herzensgüte — in den höchsten wie in den niedrigsten Klassen vorherrschend; es ist eine diplomatische Natürlichkeit, oder natürliche Diplomatik, wie wir es nennen wollen, dem Russen angeboren, die Alles so beschönigen und bemänteln kann, daß derjenige, der diese Charakterzüge nicht kennt, gewiß immer den Kürzern zieht; es hat der Russe eine solche Beredsamkeit und gleißnerische Heuchelei, gepaart mit der unglaublichsten Selbstverleugnung — eine solche schlangenwindige Beharrlichkeit zur Erreichung seiner Zwecke, daß in Rußland das Sprüchwort gilt: niwosmoschno meto, d. h. es giebt keine Unmöglichkeit. Ec ist von dem sichern Erlangen seiner Zwecke so überzeugt, daß er behauptet, die Geschichte der vergangenen fünf Jahrtausende wäre für ihn gar nicht vorhanden, mit ihm habe seit Peter dem Großen eine neue Weltgeschichte begonnen. Fügt man hiezu noch die Elastizität der Gesetzbücher, die unter Kaiser Nikolai geschrieben, gesammelt wurden und schon jetzt aus mehr als 18 Bänden bestehen und jährlich anwachsen; Gesetzbücher, aus denen jeder Beamte herausliest, was er eben will, und in welchen immer ein „iw" und „po" (doch, aber) ein ganz gemächliches Loch lassen; — fügt man hiezu den Druck der Auto- und Aristokratie und die sprüchwörtliche Bestechlichkeit der Beamten, die jeden Ukas für eine Maare halten, durch den sie vom Volke neues Geld erpressen, indem sie ihn umgehen, so erkennt man leicht, daß hier eine geistige Ausgespitztheit vorhanden sein muß, die den westlichen Europäern ganz unbekannt ist, und die Europa schon längst mit Furcht und Bangen und Argwohn vor dem nordischen Nachbarn erfüllt. Wir brauchen uns nur umzusehen, wie gewandt die russische Diplomatie die europäischen Angelegenheiten meistert und leitet, und wir müssen es

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