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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-29 · Heft 14 (29.3.1847) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 14 (29.3.1847)
Date
1847-03-29
Page
Seite 210 (sequence 10)
Language
German
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210 gliede der menschlichen Gesellschaft herangebildet und so zur Hebung des noch mannigfach herrschenden Vorurtheils gegen die Juden beigetragen hat. Es gehört nicht zum Zwecke dieser Anzeige alle die Anstalten zu nennen, die der Verstorbene unterstützt und befördert hat; nur erwähnen wir noch dankend der bedeutenden Unterstützung, die er zur Stiftung eines jüdischen Lehrerseminars nicht vor gar langer Zeit gereicht hat. Wir glauben schon genug gesagt zu haben, um den großen Verlust zu würdigen, den die hiesige Gemeinde erlitten. Darum trauert gewiß mit der tief gebeugten Familie, der ein treuer Vater entrissen wurde, die ganze jüdische Gemeinde zu Hannover und Alle, die den Verewigten kannten. Die innige Theilnahme und Dankbarkeit gegen den Edeln zeigte sich besonders an dem Begräbnißtage, wo fast Niemand aus der hiesigen jüdischen Gemeinde sich ausschloß, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Hier sprach der Landrabbiner vr. Meyer eine einfache und kräftige Rede, die den Gefühlen aller Anwesenden entsprach, indem sie in beredten Worten das am Schönen und Vortrefflichen reiche Leben des Dahingeschiedenen vor unsre Seele führte, und zu gleichem Lebenswandel ermunternd, den tief trauernden Angehörigen, wie Allen, die trauernd am Sarge standen, beherzigenswcrthe Worte des Trostes spendete. Die sinnige Anordnung eines Gesangs, des bnz', welcher durch einen Männerchor in passender Melodie schön ausgeführt wurde, trug noch dazu bei, die allgemeine Erbauung und feierliche Stimmung zu erhöhen. Möge denn sein Andenken bei uns Allen noch recht lange lebendig und theuer bleiben, und sein Wandel stets Nachciferer in unsrer Mitte finden! Aus Baiern, 20. März. (Privatmitth.) Wenn ich nach mehrjähriger Siesta wieder einmal die Feder ergreife, um für Ihr geschätztes Blatt zu schreiben, so geschieht es nicht, um Ihnen Fakta zu berichten — das überlasse ich Ihrem gut unterrichteten Korrespondenten K. —, sondern um mich in einigen Betrachtungen zu ergehen, zu denen mir der gegenwärtige Zeitpunkt und gewisse Bewegungen in den oberen Schichten unseres bairischen Vaterlandes des Stoffes in Fülle bieten. Denn eben jene zuletzt angedeuteten Bewegungen sind es — und sie sind so zarter Natur, daß sie eben nur angedeutet werden können — die dem Pulse unsres religiösen und bürgerlichen Lebens, der seit fast einem Jahrzehnte, wo nicht stehen geblieben, doch nur wenige, unterbrochene und unregelmäßige Schläge gethan, frisches Blut eingegossen haben, das freilich noch etwas schüchtern in den Adern rollt. Es war finstere Nacht geworden um uns. Eine Kammer nach der andern kam und verging — unsere Verhältnisse blieben; und als in der letzten i^tändeversammlung die warme Sprache edler Männer, der Lerchenfeld, Schnitzer, Bauer und Anderer verhallte und nur winzige Spuren in einigen pygmäenhasten Zugeständnissen zurückließ, die mehr versagten als gewährten, da war unser Muth unter den Nullpunkt herabgesunken. Die Jünger Loyola's aber, deren auch unser Israel nicht Wenige zählt, wagten es jetzt hervorzutreten aus ihren dunklen Schlupfwinkeln und schwangen höhnend, kühner ihre Standarte. War man doch von dieser Seite aus damit umgegangen, Bittschriften um Verwerfung der Emanzipation an die Kammer zu bringen. Die Verketzerungssucht hatte alle billigen Grenzen überschritten, allenthalben witterte man Neologen und Neologie und fast wollte man das Prädikat „rechtgläubig" Niemanden zukommen lassen, als nur bei dem der Bart mit dem Gürtel sich vermählt. Denunziationen auf Denunziationen folgten und dem Referenten selbst sind einzelne Eingaben an allerhöchste Behörden zu Gesichte gekommen, in denen man alle jene, die nicht zur Fahne der Ultraorthodoxie geschworen, geradezu als schlechte Unterthanen, als Vaterlandsverräther proklamirte. War doch kein Rabbiner in seiner Gemeinde mehr sicher etwas zu unternehmen, was nur im Mindesten keinem Fortschritte, oder wo! gar keinem Rückschritte ähnlich sah, ohne von jenen Dunkelmännern als neugläubig verschrieen und dem unwissenden Theile seiner Gemeinde verdächtig gemacht zu werden. Man war auf jener Seite so weit gegangen — ich übertreibe nicht — das Wissen als Ketzerei und die Männer des Wissens als Neologen zu verschreien, unwissend und rechtgläubig waren fast identische Begriffe geworden. Mit kühner Hand wühlte man in der historischen Rumpelkammer, um Bann und Acht hervorzuziehen und wieder zu Ehren zu bringen. Die Dinge haben sich geändert, unerwartet schnell geändert. Unsere Ultras reißen erstaunt Mäuler und Augen auf und glauben nur halb an die unerwartete

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