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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-29 · Heft 14 (29.3.1847) · p. Seite 209

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 14 (29.3.1847)
Date
1847-03-29
Page
Seite 209 (sequence 9)
Language
German
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209 welche sind die Nachtheile, die der Handelsstand aus der Gleichstellung fürchtet? Es ist dies um so nichtiger, da erstens durch diese der Israelit vom Handelsstande eher abgezogen als zu diesem hingeführt wird, und zweitens, da gerade den Kaufleuten und Gewerbetreibenden israelitischen Glaubens bereits durch die neue „Gewerbeordnung" alle Zugeständnisse, die durch die bürgerliche Gleichstellung kommen können, geworden sind. Das Ganze kann sich daher nur auf die Befürchtung reduziren, daß sich einige jüdische Kaufleute mehr in Danzig besetzen würden — dann aber muß man den danziger Handelsstand der bornirtesten Kurzsichtigkeit zeihen: denn fragt Hamburg, fragt Leipzig rc. ob die jüdischen Kaufleute den Handel heben oder herunterziehen! Redakt. d. A. Z. d. Jud.j Magdeburg, 21. Marz. (Privatmitth.) Unsere Bemerkungen über die Aufhebung der Ausnahmegesetze, welche seit 1836 die Juden von Paderborn rc. belasteten, in No. 4. d. I. veranlaßte den Herrn Obervorsteher Hellwitz zu Soest, uns ein Exemplar einer, von ihm verfaßten, als Manuskript 1837 gedruckten Schrift zuzustellen, die er damals zu den Füßen des Thrones legte, als dieselben Gesetze auch auf das Herzogthum Westphalen und die Grafschaft Mark ausgedehnt werden sollten. Die Schrift ist allerdings sehr klar und die Verhältnisse faktisch beleuchtend abgefaßt, und mußte wol angemessnen Eindruck machen. Wir bedauern nicht früher im Besitz derselben gewesen zu sein, da Anführungen aus derselben jetzt, wo diese Ausnahmegesetze gänzlich wieder beseitigt sind, post lestum kämen. Redakt. Magdeburg, 22. März. (Privatmitth.) Bekanntlich sind nur diejenigen Juden in Preußen zur Erlangung des Staatsbürgerrechtes befähigt, welche in den Provinzen leben, die unter dem Edikt vom 12. März 1811 stehen. Jetzt soll dieses auch auf die ausgedehnt werden, die 1814 in den preußischen Ländern des ehemaligen westphälischen Königreiches wohnhaft waren. Deutschland. Hannover, 10. März. (Privatmitth.) Am 3. d. M. starb hier im hohen Alter der Kriegsagent Jakob Leffmann Cohen, der Schwiegervater des ehemaligen Präsidenten Israel Jakobson, ein Mann, der es wol um die hannoversche jüdische Gemeinde, und so weit es in seinen Verhältnissen möglich war, um alle Israeliten verdient hat, daß seiner einer rühmenden Erwähnung geschehe. Gewiß sprechen wir nur die allgemeine Stimmung der Hannoveraner aus, wenn wir ihn als einen Mann bezeichnen, dessen Leben in bürgerlichem, Familien- und Gemeindeverhältniffe sich als Muster für einen Jeden, der den Verewigten kannte, herrlich bcthatigte. Eine unerschütterliche Rechtlichkeit, so wie eine stets warme und thätige Menschenliebe waren bei ihm mit einer gediegenen und gründlichen Bildung verbunden; so daß Herz und Verstand im schönsten Einklänge bei ihm wirkten. Daher genoß er denn auch bei Juden und Christen der allgemeinsten Achtung und eines bedeutenden Einflusses, dessen segensreiche Folgen uns Allen vor Augen stehen. In ihm ist der hannoverschen Gemeinde ein Stamm entrissen, der tiefe Wurzeln geschlagen hatte und herrliche Blüten und Früchte getragen Mit vollem Herzen an dem Glauben der Väter festhaltend, mit dessen Lehren er vertraut war und stets sich beschäftigte, war er, und eben deshalb, einem besonnenen Fortschritte und nicht destruktiven Neuerungen keineswegs abhold, vielmehr gab er seinerseits nicht selten den Impuls dazu. So haben wir es zum großen Theil seiner eifrigen Thcilnahme und Unterstützung durch Rath und That zu danken, daß in unsrer Synagoge der erhebende Choralgesang eingeführt ist und noch manche andere Verbesserungen im Gotteshause haben durchdringen können. Von allgemeinerer Tendenz, als sein Streben für die hannoversche Gemeinde, war aber noch das Wirken des Verewigten für die Hebung der bürgerlichen Stellung und der sittlichen Würde seiner Glaubensgenossen, und gewiß seinem Einflüsse und seinem Ansehn haben die jüdischen Bewohner des hannoverschen Landes den bereits gemachten politischen Fortschritt großen Theils mit zu danken, da er im Verein mit seinem leider nur zu früh verstorbenen Sohne, vr. zur. Moritz Cohen, der auch literarisch für die Emanzipation aufgetreten ist, für unsre gute Sache kämpfte. In dieser Absicht unterstützte er nicht nur kräftig den hiesigen Verein für Handwerke und Künste unter den Israeliten, sondern begründete aus eigenen Mitteln eine eben solche Anstalt, die schon so manchen armen jüdischen Jüngling zu einem nützlichen Mit- 14*

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