Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1847)
- Date
- 1847-03-29
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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208 wenden sich mit Abscheu von jenen Mißtönen, worin Lieblosigkeit und Vorurtheil zwischen Mensch und Mensch sich aussprechen, und dennoch giebt es manche deutsche Blätter, die noch immer den Judenhaß sür eine nationale Tugend zu halten scheinen und sich nicht scheuen, Artikel heranzubringen, die Einen anekeln. — Ein solcher Artikel findet sich in No. 3 des Volksblattes für Stadt und Land vom Pastor Fr. v. Tippelskirch. Dort kann cs nämlich ein Herr Kritikus gar nicht verschmerzen, daß einige christliche Geistliche und Schullehrer das große Verbrechen begangen haben, einer in H., einem lippischen Dorfe, kürzlich stattgehabten Synagogeneinweihung beizuwohnen. Er ist so bitterböse hierüber, daß er die Frage aufwirft „wie cs ein Christ vor seinem Gewissen verantworten könne, einen Judentempel weihen zu helfen", und sodann seiner Galle durch Schmähungen über Juden und Judenthum Luft zu machen sucht und unter Anderm die eben so lieblose als alberne Behauptung auftischt, die Juden seien verflucht, weil sie nicht an Jesus glauben wollten. — Sollte es ein Christ vor seinem Gewissen wirklich nicht verantworten können, sich seinem jüdischen Bruder zu nähern? — Sollte das Christenthum, das sich die Religion der Liebe nennt, seine Bekenner wirklich mit solchen Lehren beseligen? — Sollte das Christenthum die Juden wirklich für verdammt halten, weil sie die Göttlichkeit der Sendung Christi nicht anerkennen? — Nun, dann sagt wenigstens nicht mehr, daß ihr Gott als den Vater der Liebe und Gnade erkennt, wahrend das Judenthum ihn als strengen Richter darstelle! dann sagt nicht, der Jude sei intolerant; der Jude ziehe sich von Andersglaubenden zurück! — Das Judenthum, Herr Kritikus, hält andere Neligionsgenoffen nicht für verdammt; das Judenthum spricht Keinem die Seligkeit ab, der menschlich denkt und handelt — und an Gott glaubt. — „Die Frommen aller Nationen," sagt der Talmud, „haben Antheil an der ewigen Seligkeit." Das Judenthum gebietet seinen Bekennern nicht, sich von anderen Konfessionen abzusondern, es ruft ihnen vielmehr zu: „Liebe deinen Nächsten, ohne Unterschied des Glaubens und des Standes, wie dich selbst!" Und daß dieses Gotteswort auch dem Christen heilig ist, davon geben alle die biederen und wahrhaft erleuchteten Männer Zeugniß, die, jeden Konfessionsunterschied bei Seite setzend, auch im jüdischen Bruder das Ebenbild Gottes achten und lieben! — Und doch, Herr K., scheueten Sie sich nicht, dies in Frage zu stellen, weil Sie nun einmal gern auf die Juden schimpfen wollten. Aber glauben Sie etwa, daß Ihre Intoleranz, mit der Sie von Juden und Judenthum sprechen, in den Herzen helldenkender und freisinniger Männer.Anklang findet? — Nun, dann kann ich Ihnen sagen, daß Sie sich sehr irren und zum Beweise will ich Ihnen die Nachricht mittheilen, daß erst kürzlich (am 19. Januar) bei der Synagogeneinweihung zu Friedberg in Hessen (vergleiche No. 7 d. Bl.) nicht nur die Kreis- und Stadtbehörden, so wie sämmtliche Geistlichen und Lehrer anwesend waren, sondern daß sogar Abends vorher ein allgemeines Glockengeläute von den christlichen Stadtkirchen herab den Beginn des jüdischen Festes verkündete. Sehen Sie, Herr Kritikus, die Welt will sich einmal mit Ihren liebenswürdigen Grundsätzen nicht befreunden, darum folgen Sie meinem wohlgemeinten Rathe und bleiben Sie künftig mit ähnlichen Mahnungen der Liebe hübsch zu Hause und beherzigen Sie das Prophetenwort (Mal. 2, 10.): „Haben wir nicht Alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott erschaffen? Warum handeln wir so treulos Einer gegen den Andern?" Wedell. Danzig, 10. März. Unter den Anträgen, die von der Stadt Danzig ausgehen sollten und einer aus Rathsmitgliedern und Stadtverordneten zusammengesetzten Kommission vorgelegt wurden, befand sich ein Antrag auf Gleichstellung der Juden, der von der Kommission einstimmig angenommen und empfohlen worden ist. Dieser Antrag der Kommission kam eher im Magistrate, als bei den Stadtverordneten zur Berathung. Uebrigens ist er leider von beiden städtischen Kollegien mit einer bedenklichen Majorität zurückgewiesen worden, und wird uns glaubhaft versichert, in dem Protokoll des Magistrats sei bei der Zurückweisung bemerkt: „Dieselbe sei deshalb erfolgt, weil man aus der Gleichstellung der Juden wesentliche Nachtheile für den hiesigen Handelsstand fürchte." (Dahin ist, nach der Danziger Zeitung, unsere frühere Mittheilung aus Königsberg zu berichtigen.) (Nichts ist wol selbstschlagender, als wenn um eines einzigen Standes willen, welcher Nachtheil fürchtet, das unleugbare Recht, das auch der Gegner zugestehen muß, vorenthalten werden soll. Und