Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1847)
- Date
- 1847-03-22
- Page
- Seite 198 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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198 der Nachsicht leiden könnten. Ich will in meinem christlichen Lande keine Gottesleugner, welche unsre Religion beschimpfen und ihre Bekenner mißhandeln unter dem Deckmantel heuchlerischer Niedrigkeit ... und wie? haben wir nicht die nächste Aufforderung und Veranlassung bei diesem entsetzlichen Rabbi? He, da muß die Wahrheit heraus...." „Verzeihung, gnädiger Herr! Aber haben den nicht die Juden selbst angeklagt?.. „Die Juden nicht, einige Juden. Und gerade dies erweiset es. Haben es diese etwa aus Wahrheitsliebe gethan? Ich glaube nicht. Also aus Haß, Neid oder dergleichen, wenn sich die Spitzbuben streiten, gewinnen die ehrlichen Leute. Man kann daher nicht sagen, dieser Rabbi meint es allein, weil ihn Juden denunzirten; sondern die Juden meinen es, und Etliche sind schlecht genug gegen sich, es zu verralhen. Wenn sich diese nicht gefunden hatten unter den besonderen Umstanden, die ich nicht kenne und die mir gleichgültig sind, wäre es je zu unsrer Kenntniß gekommen?..." „Aber, gnädiger Herr, es ist doch die Wahrheit der Anklage noch nicht erwiese»...." „Nun darüber erwarte ich eben Euer» Bericht... „Der Rabbi hat noch Nichts gestanden und noch sehr triftige Ausflüchte angegeben...." „Seht, Ihr gesteht es unwillkürlich selbst ein, trotz Eurer Fürneigung, die ich bemerke, und die Eurem gerechten Sinn Ehre machen mag.... „Ausflüchte", saget Ihr! allerdings „triftige Ausflüchte" — aber doch „Ausflüchte". So vercälh sich oft die verborgne Anschauung des Menschen unbewußt selbst. Ich gebe viel auf dergleichen unbewußte Kundgebung...." „Gnädiger Herr, rechnen Sie es vielmehr auf die siegende Ueberzeugungskrast Ihrer Gründe... „Halt, Sie gewandter Schmeichler.... He, Ihr suchet selbst Ausflüchte ... aber ich lasse sie nicht gelten.... Und was erwiderte der verstockte Rabbi?..." „Er hätte cs nicht also gesagt, und man reiße seine Worte aus dem Zusammenhänge...." „Und das nennt Ihr triftige Ausflüchte, Graf?... Also sagt er doch „seine Worte".... Wahrlich, ein halber Beweis. Es fehlt nicht viel. Was, Graf? Solltet Ihr Interesse nehmen, ihn zu retten? Nehmt Euch in Acht...." „Durchlaucht, mir diese Beschuldigung! Haben Sie mir nicht selbst strenge Gerechtigkeit zum unwandelbaren Grundsätze der Regierung gemacht?..." „Nun, diese gebietet, den Schuldigen zu strafen...." „Aber so lange die Schuld noch nicht erwiesen, den Angeklagten für unschuldig zu halten...." „Gut; es ist schwer, mit Euch zu streiten. Aber es soll Euch wenig helfen... >" „Und was befehlen nun Durchlaucht?" „Daß die Untersuchung auf's Strengste geführt. Nichts vernachlässigt, alle Mittel angcwendet werden, um eine klare und unzweideutige Entscheidung zu bewirken. Ist diese gewonnen, so soll nicht allein der Rabbi, so sollen alle seine Anhänger aus meinem Lande entfernt werden, denn ich, will in diesem keine Einsassen dulden, deren Glaubensmeinungen mit unseren Gesetzen in Widerspruch und für unsre Religion eine Beschimpfung sind. Wer Schlechtes duldet, macht sich dessen theilhaftig. Dies, will ich, soll unterdeß auf administrativem Wege vorbereitet werden." „Ihre Befehle sollen vollzogen werden." Der Minister entfernte sich langsam ... in seinem Herzen lebte der Triumph über die Juden undseinen Fürsten.... (Fortsetzung folgt.) Anzeiger« In demselben werden Annoncen aller Art gegen iViNgr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Vakanz. Bei der hiesigen, mit drei Lehrern besetzten israelitischen Elementarschule soll die vakante Stelle eines ersten Lehrers, welche bei freier Wohnung mit einem fixen Einkommen von 200 Thlr. dotirt ist, sofort besetzt werden. Kandidaten des Lehramts, welche die Qualifizirung zu genannter Stelle besitzen, möglichst aber auch Unterricht in den Realwissenschasten zu ertheiten im Stande sind, und einige Kenntnisse in der Musik besitzen, wollen sich baldigst unter Beifügung ihrer Zeugnisse portofrei bei der Unterzeichneten Behörde melden. Fi lehne a. Netze, den 1. Marz 1847. Der Korporation^- und Schulvorstand. Hammerstein. Lößer. Goldschmidt. Peritz. Gesuche. Zu Ostern d. I. wird für die hiesige Gemeinde ein Religionslehrer und Vorbcter, der zugleich das Amt eines Schächters mit übernehmen muß, gesucht, selbiger