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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-22 · Heft 13 (22.3.1847) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 13 (22.3.1847)
Date
1847-03-22
Page
Seite 197 (sequence 13)
Language
German
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197 schlanke Gestatt, ein schönes ritterliches Antlitz. Aber es war verdüstert, streng. Schwere Kämpfe mußten durch dieses fürstliche Herz gezogen sein. War er doch nur durch Verkettung wunderbarer Ereignisse zum Throne gelangt. Sohn einer jüngern Linie, hatte er, zurückgezogen, vernachlässigt, eine harte Jugend gehabt, und ein schweres Verhättniß über seine berechtigteren Verwandte hinweggehen sehen. Dies hatte ihn bigott und streng, wenn auch gerecht gemacht. Dies hatte seinen Gesichtskreis verengert, und gerade sein allgemeines Mißtrauen machte ihn der Täuschung zugänglich und in einmal gefaßten Ansichten und Urtheilen unwandelbar. Alles kam darauf an, in ihm, scheinbar ohne Zuthun, eine bestimmte Meinung aufkommen, sich bilden zu lassen, — dann war Alles geschehen, und man konnte fest darauf kombiniren. Dies wußte der schlaue Minister, der sich den Fürsten in der Jugend mehrmals auf gewandte Weise verbunden hatte, als noch Niemand ihn berücksichtigte, sehr wohl, und darum vermochte er bei ihm Alles, so unabhängig der Fürst auch schien und — sich selbst dünkte. Als der Minister eintrat, warf er einen schnellen Blick auf den Tisch, an welchem der Fürst saß. Er erblickte aufgeschlagen ein Buch, in welchem offenbar der Monarch gelesen, — der Minister kannte das Buch wohl, es war eine jener gehässigen Schriften, in denen den Juden die furchtbarste Feindseligkeit gegen die Bekenner der christlichen Religion, Unthaten und scheußliche Grundsätze aufgebürdet und durch herausgerissene Stellen und unerwiesene, oder durch Folterquellen erhärtete Vorfälle auf teuflische Weise belegt werden. Durch heimliche Anordnung des Ministers selbst war das Buch in die Händ des Fürsten gespielt worden, um den klaren Blick des Herrschers von vorn herein zu umdüstern. Ein genauer Beobachter hätte bei diesem Blick ein flüchtiges Lächeln um den Mund des Ministers spielen sehen, das aber schnell verschwand und dem andächtigen Ernst wieder Platz machte. „Graf," redete der Fürst den Minister an, als dieser näher getreten, „was haltet Ihr von den Gesetzen der Juden und von den übelen Nachreden, die man ihnen hält?" Der Minister hütete sich wohl, ein bestimmtes Urtheil auszusprechen, sondern antwortete: „Gnädiger Herr, die Berichte widersprechen sich, und ich habe es nie zu einer Ueberzeugung gebracht, da ich glaube, mit einer genauen Ueberwachung kann man gleichgültig dagegen sein, .was die langen Barte meinen. Gesetz und Polizei müssen sie davon zurückhalten." „Da seid Ihr irre, Graf!" erwiederte der Fürst. „Es ist nicht genug, die Menschen meinen zu lassen, was sie wollen, und sie vom Thun zurück zu halten. Denn man wird das Gesetz überlisten, ehe wir uns es versehen. He, habt Ihr tausend Augen, wie Argos? Schlaft Ihr niemals?...." „Gnädiger Herr! Wir sind alle Menschen und können getauscht werden... „Eben darum, Graf, eben darum. Soll man nun warten, bis man getäuscht worden? Oder soll man verhüten, Vorbeugen, so daß man nicht getäuscht werden kann ...." Er ist auf gutem Wege, dachte der Minister. „Aber wie, gnädiger Herr, kann man die Meinung der Menchen beherrschen? Verbirgt diese sich nicht hinter der Brustdecke? Kann man das Denken kontroliren?. .. „Nicht doch, Graf. Ihr versteht mich heute schlecht. Es ist nicht von den Menschen, .es ist von den Juden die Rede. Haben diese die Grundsätze, die ihnen in so vielen Schriften klar beigelegt werden, oder nicht? Dies ist die Frage. Haben sie dieselben, nun, — so darf man sie nicht dulden; so darf man nicht warten, bis sie sie in tausend greifbaren Fällen ausgeübt haben, sondern man muß die christlichen Unterhanen davor wahren, ehe es zu spät ist." /,Jch wage aber diese Frage nicht zu entscheiden...." „Ich aber bin geneigt, den vielen Beweisführungen zu glauben. Wo fänden wir auch Gerechtigkeit und Liebe, als in unsrer Religion? Die Juden haben ja stets nur an ihr Volk gedacht, und des Menschen vergessen. Also ich will es entschieden haben, und sobald es entschieden ist, werde ich im Offnen mit denen verfahren, die im Dunkeln mit meinen Landeskindern verfahren. ..." Auch jetzt gab der Minister noch nicht nach, weil er wußte, daß der Widerspruch gerade den Fürsten bestärken, Nachgiebigkeit ihn abspannen würde. „Man muß aber bedenken, gnädiger Herr," hob er an, „daß man hier auch leicht ungerecht handeln könne, und Unschuldige leiden ließe unter den Fehlern der Schuldigen oder unter dem Jrrthum der Forscher...." „Ganz schön, das höre ich gern. Aber gerade darum will ich eine scharfe Untersuchung. Ich will nicht wehe thun ungerecht, aber auch nicht Mitleid haben, wo Keines verdient ist, und wo Tausende unter der Schwäche

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