Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1847)
- Date
- 1847-03-22
- Page
- Seite 196 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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196 der, das sich eine Weile voll Stolzes und Bitterkeit mit gerötheten Wangen erhoben hatte.... Der Minister hatte ihm aufmerksam zugehört, und einige Male genickt, als ob ec ihm zu verstehen geben wolle, daß er ihn begreife. „Nun, so werdet Christ!" sagte der Minister. „Das würde auch auf den Gang des Prozeffes Einfluß haben, denn Euer Zeugniß erhielte dadurch doppelte Beweiskraft." „Nein, nein, nein!" rief der Großhändler lebhaft aus. „Das nicht! Das beträfe mich, die Verbannung betrifft nur die Juden! Auch würde dann meiner Rache der rechte Stachel fehlen. Als Abtrünniger würde mein Triumph zu natürlich und zu leicht erscheinen-" „Nun, wie Sie wollen, mich sicht Ihr Seelenheil nicht an. Doch zur Sache. Ich kenne nun Ihre Motive, und so wird die Verhandlung leichter. Wer so weit gegangen, schreitet nicht zurück." Der Großhändler biß sich auf die Lippe, er sah, er habe sich festgerannt, in die Hände dieses feinen Diplomaten rücksichtslos gegeben. Aber dies Bedauern währte nicht lange; sein eiserner Wille hatte ihm ja seine Bahn langst vorgezeichnet. „Was erwachsen uns für Vortheile aus dieser Verbannung?" wandte sich der Minister fragend an ihn. „Die Vortheile liegen auf der Hand. Die christliche Bevölkerung sieht es gern, von der Konkurrenz und der Handelsschasr der Juden befreit zu sein." „Das allein könnte uns nicht bestimmen. Kauft man doch um so wohlfeiler bei den Juden, und findet in der Noth oft genug Hülfe bei ihnen." „Mit der Vertreibung der Juden fallt die Bezahlung der Schulden hinweg..." „Dies ist schon Etwas, was der hohe Adel gern sehen würde ..." „Die Hälfte könnte der Staat zu seinem Vortheil einziehen, wovon die hohen Würdenträger einen Theit erhalten würden ..." „Ihr seid sehr freigebig mit anderer Leute Güter — — was hättet Ihr zu wagen, da Ihr hier verbleiben sollet?" „Exzellenz irren, auch im Falle, daß es mir nicht vergönnt wäre, hier zu bleiben, wofür ich übrigens Ew. Exzellenz Versprechen habe — würde ich außer Haus und Niederlage Nichts zu wagen haben, da meine Kapitalien bis auf das Wenige, was der Herr Minister mir schuldet, sammtlich in ausländischen Banken liegen...." Jetzt war es am Minister, sich auf die Lippen zu beißen. „Ihr seid sehr vorsichtig ..." sagte er. „Ich habe nur den Fall, der jetzt kommen wird, schon früher als möglich gesetzt — was so Viele meiner klugen und superklugen Glaubensgenossen nicht gethan.... Exzellenz, ich biete Ihnen nicht allein Ihre sämmtlichen Schuldbriefe zerrissen und getilgt an, sondern nach dem Abzüge der Juden liegen am andern Morgen zweimalhunderttausend Thaler für Sie in Baarem bereit...." „Gut: und am Tage vorher sollen Sie ein Spezialpatent für sich und Ihre Nachkommen haben.... Dann haben Sie dennoch ein gutes Geschäft gemacht...." „Schriftliches werden Sie nicht verlangen, da Eines das Andre verbürgt... „Nein, Mendel, ich brauche von Ihnen keine Handschrift — dafür bürgt mirmeine Macht...." Nach einer Pause wandte sich der Großhändler noch einmal an den Minister, und frug: „Ist noch keine Meldung über die verschwundene Tochter des Rabbi gekommen? noch keine Spur gefunden worden?..." Der Minister schrak bei dieser plötzlichen Frage einen Augenblick zusammen. Doch schnell antwortete er: „Nein! Keine! Wie? wollt Ihr Eure Verfolgung auch auf die unschuldige Tochter ausdehnen?... Und was geht der Handel mich an, ich habe genug mit den Juden zu thun, als daß ich mich noch um die Jüdinnen bekümmern sollte." Und Se. Exzellenz war aufgestanden, und hatte sich über den Tisch gebeugt, und kramte unter den Papieren. Endlich machte der Minister ein Zeichen der Entlassung. „Ihr werdet Weiteres hören." Der Großhändler verbeugte sich, und ging. Wir sehen kurze Zeit darauf den Minister, von einem Diener mit einem großen Portefeuille gefolgt, in das Zentrum des Schlosses, zu den Zimmern des Fürsten schreiten. Das Antlitz des Ministers hat sich sehr verändert; er schreitet langsam hin, sein Haupt ist eher gesenkt, als erhoben, sein Gesicht ernst, seine Stirn wie von andächtigen Falten überzogen, seine Hände sind fast gefaltet. In den Vorderzimmern des Fürsten welche Stille? welche Ruhe? Ein Jeder der Diener und Kammerherren flüstert nur leise mit einander, als wollten sie ihr Wort nicht hörbar machen. Beim Erscheinen des Ministers zieht sich Alles ehrfurchtsvoll zurück; nur der Leibdiener geht in das innere Gemach, und öffnet bei seiner Rückkehr geräuschlos die Thüre, um den Minister einzulassen. Der Fürst stand in den Vierzigern. Eine hohe,