Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1847)
- Date
- 1847-03-22
- Page
- Seite 195 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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195 hatten, nur für wenige Personen, vielleicht nur für sie Beide, bestimmt war. „Ich habe Sie erwartet, Herr Mendel," Hub der Minister an, „denn die Sache muß zum Vorträge kommen bei dem Fürsten, und noch sind wir nicht einig über den Gang, den die Angelegenheit nehmen muß, so wie über die Bedingungen, welche erfüllt werden müssen." „Ich erwarte die Vorschläge Sr. Exzellenz," erwiderte langsam und lauernd der Andere. „Das vorläufige Verhör des Rabbi hat uns nicht weit gebracht. Man hat ihm die Denunziation vorgelesen, ec erbat sie sich zur Prüfung. Dies ist ihm abgeschlagen worden, denn es handle sich nicht um eine theologische Streiterei, sondern um die einfache Bejahung und Verneinung. Ruhig und gelassen antwortete er, daß es sich bei Uebertragung von Worten aus einer fremden, Lodten Sprache sowol um die Genauigkeit derUebersetzung, als auch um den Zusammenhang handle, aus dem die Worte genommen seien. Er selbst sei so gewohnt, in der hebräischen Sprache zu denken und sich auszudrücken, daß ihm diese deutschen Worte ganz fremd, durchaus nicht als die Seinigen klangen; doch könne er schon jetzt sagen, daß, wenn er so Etwas ausgedrückt, er es lediglich gegen die alten Heiden *), niemals gegen die Bekenner des Christenthums gesagt habe, und er frage, ob nicht gegen jene noch viel Härteres von christlichen Gotteslehrern geschleudert worden wäre. Bei dieser Aussage verblieb er, und alle Harte und Drohungen des Inquirenten, alle Strenge des Gefängnisses, selbst die Aussicht auf die Folter konnten ihn nicht beugen. Die Letztere, erwiderte er, würde der gnädige und gerechte Fürst nicht zulassen, und an Fasten sei er gewöhnt. Als man ihm bemerklich machte, daß bei Beschimpfung der christlichen Religion die Folter allerdings noch anwendbar sei, sprach er: „So werde ich auch diese ertragen, wenn es Gottes heiliger Wille ist!"" „Ich erwartete Dieses," sprach der Großhändler. „Nun, und wie wird man ihm beikommen? Unser Fürst, wissen Sie, hält streng auf die Formen des Gerichtes, und wird kein Urtheil fällen lassen, ohne sie genau beobachtet zu sehen." „Darauf kömmt es ja vorerst auch nicht an," erwiderte Jener. „Se. Durchlaucht müssen von Widerwillen gegen meine Glaubensgenossen erfüllt sein, noch ehe ein Urtheil gefällt werde; der Fürst muß eingenom¬ *) tfw men werden in dieser Sache, bevor das Gericht in seinem langsamen Gang zur Entscheidung gekommen." „Ich verstehe. Ihr wollt eine Verbannung der Juden, und diese geschieht ohne Gericht und Urtheil allein auf dem Wege des Befehls-" Der Großhändler schwieg. * „Ihr antwortet beredt. Ihr wollt Eure Glaubensgenossen verbannt sehen, mit Ausnahme Eurer eignen Person. Wie Ihr zuerst aus der Judenstadt zöget, so soll nun auch die Judenstadt von Euch ziehen. Aber saget, Mann, was eifert Euch denn zu so gräßlichem Hasse gegen Eure eigenen Brüder an? Warum wollet Ihr so furchtbar in ihren Eingeweiden wühlen? Der Vortheil, hernach allein uns schinden zu können, wird s doch nicht sein? Was bewegt Euch hierzu?-" Der Großhändler sah den Minister eine geraume Zeit mit durchdringenden Blicken an; dann sprach er: „Gut, Exzellenz, ich will Ihrem Scharfsinn Nichts vorspiegeln, ich will es Ihnen offen und ganz sagen, damit Sie sehen, wie weit Sie auf mich rechnen können — in allem Uebrigen. Es ist allerdings nicht der Vortheil — es ist der Haß, die Rache, die mich dazu bewegen, die mich beherrschen und leiten. Mein Vater war ein um die Juden hochverdienter Mann; zweimal hat er in den Nöthen derselben sein ganzes Vermögen für sie geopfert. Ich selbst habe von meiner Jugend an für ihr Wohl gearbeitet, Geld und Mühe hingegeben, wo ich es ihnen leicht und gut machen konnte; überall war ich ihnen behülflich, und schonte selbst meine Person nicht, um ihnen beizuspringen. Dafür, dacht' ich, würde die Dankbarkeit in ihren Herzen Wurzel gefaßt haben; dafür, dacht' ich, würden sie mir gehorsam und meinem Hause verbunden sein. Aber gerade das Gegentheil. Sie nahmen jenen halsstarrigen, widerspänstigen Rabbi in Schutz wider mich, sagten sich höhnisch von mir los um seinetwillen, wollten mich absetzen als ihren Vorsteher, kabalirten wider mich, ja, höhnten und verfolgten mich. Wohin ich blickte, begegnete ich feindlichen Blicken, kalt, ja trotzig zogen sie sich zurück, wo ich erschien. — Dies ist es, was den Stachel des Hasses immer tiefer in meine Seele gesenkt hat, was mich empört und mit Widerwillen erfüllt hat. Sie haben so schnell vergessen, was Gutes ich ihnen gethan, wie ich mich mit ihnen gemein gemacht und für sie hingegeben habe — wolan, wir wollen sehen, ob sie eben so schnell vergessen werden, was ich ihnen Böses thun werde, was ich..." Er brach seine Rede ab, und beugte das Haupt wie-