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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-22 · Heft 13 (22.3.1847) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 13 (22.3.1847)
Date
1847-03-22
Page
Seite 194 (sequence 10)
Language
German
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194 <2 ‘jitöött 'hm öwmbp Shsn trnai-n ‘pjrsa '*) V't üip'iNa l?2Ä^2>r onis), verdanken die kurländischen Juden im Allgemeinen und die jetzt so zahlreiche mitausche jüdische Gemeinde insbesondere ihre Organisation und Existenz. Auf deren Verwendung nämlich ward es den Juden seitdem nicht nur gestattet, sich in Kurland definitiv niederzutassen, sondern sie durften auch in der Residenz Mitau, obwol nur außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes, Handel en gros treiben. Der Trödel- Handel aber, so wie auch das Handwerk wurde ihnen selbst in der Stadt ungehindert ertaubt. — So wurde ferner an dem von gedachtem Herzoge gegründeten akademischen Gymnasio, laut §. 1 der von demselben am 8. Junius 1775 zu Mitau deshalb erlassenen Statuten, auch den Juden gestattet, sich daselbst gleich den christlichen Einwohnern als Studirende matrikuliren zu dürfen. — Namentlich zeichnete sich Kalmann Borcum für die Organisirung der mitauschen Jsraelitengemeinde aus. Ec war es, der im Jahre 1784 zu Mitau eine schöne, geschmackvoll eingerichtete Synagoge sammt Nebengebäuden für den Chasan und Synagogendienec rc., nebst einer Nipn aus eigenen Mitteln erbaute. Er war es, der im Jahre 1800 nicht nur eine Grenzerweiterung des jüdischen Gottesackers von Sr. Exzellenz Herrn russischen kaiserl. Vize-Gouverneur, wirklichen Staatsrath und Ritter von Brißkorn erwirkte, sondern daselbst auch eine anständige LeichenreinigungSanstalt (ir-ittü mn) gleichfalls aus eigenen Mitteln erbaute. Ec gründete auch die i-mn nttbn man und schenkte derselben eine beträchtliche Anzahl von Büchern und andere Lehrmittel. (Fortsetzung folgt.) Belletristisches. Der Nabbi und der Minister. Eine Novelle aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Fortsetzung aus No. 7. 9. II.) 4. Das fürstliche Palais. Aus der niedrigen Hütte des Bücherhändlers Baruchs, wo man sich verschwor, die Juden und ihren Rabbi zu demselben Jahre, 1828 (nOpn), wieder zusammen aus demselben in eine bessere Welt übergegangen. retten, versetzen wir uns in das fürstliche Palais, allwo auch Menschen vereinigt waren, aber zum geraden Gegentheil. In einem Seitenflügel des Schlosses war das Arbeitszimmer des Ministers, von wo dieser zum Vortrage vor dem Fürsten sich zu begeben hatte. Der Minister saß auf seinem Lehnstuhle vor dem grünen Tische, der mit Papieren aller Art bedeckt war. O, welche Bedeutung hat ein solches Gemach, ein Lehnstuhl und ein grüner Tisch dieser Art für ein ganzes Volk! Wie viele Thränen und Seufzer werden von hier aus erpreßt oder gestillt! Wie viele bangen Menschenherzen erhalten von hier aus den Todesstoß ihres Glückes oder die Rettung! Ein Diener tritt ein, und meldet den Großhändler Mendel, der um eine Audienz bittet. Se. Exzellenz nickt gnädig, und der Diener entfernt sich wieder, um den Harrenden einzuführen. Werfen wir unterdeß einen Blick auf die Persönlichkeit des mächtigen Mannes. Er war über die Jugend hinaus, fast konnten sich Mannes- und höheres Alter bereits um den Besitz dieser Person streiten, wem sie angehöre. Aber die hohe Eleganz, das Parfüm und die sorgfältige Pflege der Formen stellten den Zeiger des Atters noch um einige Zahlen zurück. Eine hohe, aristokratische Gestalt, die, trotz der Fülle, die Feinheit und Grazie, welche früher sie auszeichneten, noch verrieth; dieses regelmäßige Gesicht, welches trotz der Leidenschaften und Stürme des Genusses, die darüber gegangen, Sicherheit und Selbstbeherrschung bezeugte; diese hohe Stirn, von einem dünnen Kranze brauner Haare umgeben, welche die Gewandtheit und den Gedankenreichthum ohne die Majestät des Genies und die Höhe der Sittlichkeit zu erkennen gab; aber die Linien um den gekniffenen Mund und die schmalen Lippen, das scharfe Auge, das aus den gewölbten Augenbraunen hervorblitzte, konnten die Ränkesucht, den Egoismus, den Stolz, und alle die persönlichen Leidenschaften eines begabten, aber gemeinen Geistes nicht verbergen. Der Minister war eine Persönlichkeit, die man auf den ersten Anblick fürchten mußte, eben weil sie so glatt, so vollständig erschien, ohne Lücke und Schwäche. Sich tief verbeugend trat jener „alte Freund des Rabbi" — der Großhändler Mendel ein, und bald an den Tisch des Ministers heran, der sich nachlässig in dem Fauteuil zurückgelegt hatte. Man sah, Mendel wußte, daß er erwartet worden, und daß, was sie zu verhandeln

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