Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1847)
- Date
- 1847-03-22
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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187 ihrer Emanzipation, die sie unsrer Eroberung verdankt, empfängt. Die Schöpfung eines israelitischen Konsistoriums auf dem afrikanischen Boden ist der Grund, auf welchem Ihr Eure Vereinigung mit der europäischen Welt aufbauen könnt. Frankreich will die Völker, welche der Sieg unter seine Herrschaft giebt, nur von Neuem erobern, indem es sie seiner Größe und seinen Institutionen einverleibt. Nehmt an unserm Zivilisationswerke Theil, dehnt nach außen Handel und Gewerbe aus, aber wie in der Vorzeit, in der Zeit Eures Ruhmes und Eurer Größe, bearbeitet auch den Boden mit Eurem Schweiße. Welche bewunderungswürdige Seite könnet Ihr der Geschichte Eurer Nation hinzufügen! Zu lange hat diese aufgehört in diesem Lande geschrieben zu werden. Unter dem Schutze Frankreichs könnet Ihr die Feder wieder ergreifen und für die kommenden Jahrhunderte diese ruhmreiche Emanzipation verzeichnen!" Die höchst interessante Rede des Präsidenten Cohen lautet in ihren Haupttheilen wie folgt: „Volk von Israel, enterbte Söhne der großen Völkerfamilie, Ihr seied zukünftig die Genossen Eurer Brüder der anderen Kulte. Frankreich, dessen unwiderstehliche Macht überall das Menschenrecht an die Stelle des Despotismus, die Zivilisation an die der Barbarei setzt, hat das Joch zerbrochen, welches seit achtzehn Jahrhunderten aus Euch lastete. Ihr seid zukünftig Franzosen. — Sehet auf unsere Brüder im Mutterlande, zu welcher Würde hat sie der freisinnige und wiedergebärcnde Einfluß Frankreichs erhoben! In allen Staatsgewalten, in der Verwaltung und Magistratur, an der Spitze unserer Armeen, in allen Künsten und Wissenschaften können wir mit Stolz ausgezeichnete Israeliten nennen. Nichts wird in Zukunft Eure Erfolge auf demselben Wege verhindern. Ich weiß, daß das Streben der eingeborenen Israeliten nach unsrer Zivilisation sich bereits durch wichtige Resultate erwiesen hat. Durch das Studium unsrer Sprache, durch die Aemter, an denen sie Theil nehmen, durch die Annahme unsrer Tracht, hat die Vereinigung schon bemerkenswerthe Fortschritte gemacht. Aber noch viel mehr bleibt zu thun übrig. Das Vaterland verlangt seinerseits die Erfüllung wichtiger Pflichten. Ihr müsset, vereinigt mit Euren Mitbürgern, an der Vertheidigung, an der Sicherheit, an der Bearbeitung des Landes arbeiten. Schon im Jahre 1841, als große Gefahren uns umgaben, haben viele israelitische Jünglinge inständig verlangt, in die Reihen der algierischcn Milizen ausgenommen zu werden. 1833 als Oran, von der Besatzung entblößt, von den arabischen Stämmen umringt war, haben alle Israeliten an der Vertheidigung der Stadt Theil genommen, und mehrere sich durch glänzende Waffenthaten ausgezeichnet. Soll ich an das Heldenmüthige des Dolmetschers Levi erinnern? an den Ehrenstern, der so gerecht verdient, so kurze Zeit auf der Brust des jungen Ayas glänzte? Ich will hiermit nicht Euern Stolz erregen, ich fühle mich nur glücklich darauf hinzuweisen, daß, was ihr gethan habt, die Bürgschaft ist für Eure Zukunft. — Die Befestigung der Moral und die Ausdehnung des Unterrichts unter den eingeborenen Israeliten werden die vorzüglichsten Bestrebungen des Konsistoriums sein. — Unter den Nomadenstämmen Algeriens giebt es zahlreiche jüdische Völkerschaften. Vereinigt in patriarchalischen Familien oder in Stämmen ziehen sie umher in den Grenzen der Sahara und füllen die Gebirge von Kabilien. Lebend an der Seite oder in der Mitte der Araber, in völliger Gleichheit, sind Ackerbau und Viehzucht ihre Hauptbeschäftigungen; oft ergriffen sie die Waffen, um ihren Boden zu vertheidigen. Noch weiter hin und jenseits der Wüste, deren Flugsand bis jetzt die erobernde Nation aufgehalten hat, finden sich zahlreiche Völkerschaften israelitischer Neger; sie beobachten nach der Ueberlieferung das mosaische Gesetz, und der Bücher und Tempel beraubt, haben sie dennoch vermocht, umringt von götzendienerischem Fetischismus, die unverlöschliche Lehre der göttlichen Einheit zu bewahren. Diese beiden Thatsachen zeigen die politische Wichtigkeit der algierschen Israeliten. Sie müssen unter die Stämme gehen, und bis in das Innere Afrika's dringen; wo wir nur Feinde oder ungangbare Wüsten finden, werden sie Brüdern und gastfreundlichen Landstrichen begegnen, während zu gleicher Zeit Marokko, welches mehr als 500,000 Juden enthält, und Tunis zwei Heerde sind, wo die Thätigkeit der algerischen Israeliten Nahrung findet. Diese patriarchalischen Stämme, diese schwarzen Juden Jnner- Afrika's, können sie nicht zur Schwelle für die Kolonisation und Pazisikation unsres Landes dienen? können sie nicht uns den reichen und wichtigen Handel der Zentralgegenden Afrika's zuwenden? Es ist nothwendig, diese wichtige Frage auf tiefe Weise zu studiren. Das israelitische Konsistorium wird mit diesen