Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1847)
- Date
- 1847-03-15
- Page
- Seite 180 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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180 die jüdischen Lehrer mit ihren Amtscrfahrungen im Allgemeinen, mit ihren Methoden und deren Resultaten und mit den geeignetsten Lehr- und Lernmitteln, die bei den einzelnen Disziplinen anzuwenden und zu gebrauchen seien, bekannt? Wo erhält überhaupt der eben erst in's Amt getretene jüdische Lehrer, dem es noch an eigner Erfahrung gebricht, Rath und Anleitung zu einer zweckmäßigen Behandlung der Gegenstände des jüdisch-religiösen Unterrrichts?- Meine thcueren Kollegen, wir leben in einer Zeit der Intelligenz, in einem Staate, der auf Intelligenz gegründet ist. „Vorwärts" ist jetzt auch die Loosung Israels, des zeugen die Fortschritte, die es in allen Beziehungen macht; und in diesem Vorwärtsstreben sollen und dürfen auch die Schulen und somit die Lehrer nicht zurückbleiben, wenn sie den Anforderungen an sic, die sich von Tag zu Tag steigern, entsprechen, wenn sie, wie es die Zeit erfordert, nicht stehen bleiben wollen! Laßt unß der Lethargie, in die der jüdische Lehrer bei der Isolirung, bei dem Sichselbstüberlafsensein, worin die Meisten sich befinden, nothwendig versinken muß, entgegenarbciten! Laßt uns dem Beispiele unserer Kollegen in Westphalen und im Rheinlande folgend, auch in unsrer Gegend Lehrerkonferenzen einführen! Würde ein solches Unternehmen nicht nur allseitig gebilligt, sondern auch gefördert werden? Liegt es nicht im Interesse der Gemeinden ein Unternehmen zu unterstützen, das für die Schule, folglich auch für die Heranwachsende Jugend von großem Nutzen sein würde? — Es ist wahr, wir haben freilich keinen von der hohen Behörde als Schulinspektor bestätigten Rabbiner, dem, wie dies in der Rheinprovinz der Fall ist, die Leitung der Versammlungen übertragen werden könnte; befinden sich aber nicht gleichwol auch in unsrer Gegend wissenschaftlich gebildete und pädagogisch befähigte Rabbinen, die sich gewiß dafür interessiren würden? — Und könnte nicht auch ein Lehrer, wie dies im Regierungsbezirk Minden der Fall ist (vcrgl. No. 2. dieses Blattes die Privatmitth. aus Minden) mit der Leitung der Konferenzen betraut werden? — Der Rcalisirung dieses Vorschlages stellen sich allerdings noch manche Hindernisse entgegen, aber die Beseitigung derselben ist wahrlich nicht so schwierig, wie es Manchem scheint. Laßt uns nur den hohen Zweck in's Auge fassen, den solche Versammlungen für die Lehrer und somit für die Schulen haben würden, und kleine Opfer nicht scheuen; laßt uns nur wollen, ernstlich wollen, und es wird gelingen! Er, der in Israel schon so viel Großes erstehen ließ, wird auch dem Kleinen seinen Beistand und Segen zuwenden! — Ich habe meinen Vorschlag hier nur im Allgemeinen anzudeuten versucht und bitte die Herren Amtsbrüder, diese Angelegenheit zu der ihrigen zu machen und das Weitere veranlassen zu wollen. So viel es in meinen schwachen Kräften steht, bin ich sehr gern bereit zur recht baldigen Realisirung dieses Gegenstandes mein Scherflcin beizutragen. I. M. Wedell, israel. Lehrer zu Jastrow. Berlin, 8. Marz. (Privatmitth.) Ein glückliche Aenderung in der allgemeinen Stellung der Juden allhier hat sich in den letzten Zeiten, wie schon öfter in der A. Z. d. Jud. angedeutet worden, insofern kund gcthan, als in allen lokalen Vorkommnissen die jüdische Bevölkerung als ein integrirender Theil angesehen wird. So ist auch von dem aus zwei Redouten für die Armen erflossenen 26l>0 Thlrn. eine Summe der Judenschast ausgezahlt worden. Es sticht dies z. B. von Frankfurt am Main wesentlich ab, von wo erst jüngst die ganz ungebührliche Zurücksetzung der Juden hinsichtlich der Armenkassen gerügt wurde, da doch auch alldort die Juden auf's Reichlichste beisteuern, und z. B. neulich erst eine Armenkasse bekannt machte, daß sie nur durch die Freigebigkeit Rothschild's davor geschützt worden sei, ihre Zahlungen einzustellen. Breslau, 5. März. (Privatmitth.) Der Prinzipienkampf um die innerste Wesentlichkeit des Judenthums hat Fragen, die auf seinen äußern Formalismus anzielten, auf einige Zeit bei Seite gelegt. Aber grade solche Institutionen, die mehr oder weniger in einen engen Kreis gebannt, mit dem Leben in keiner Berührung stehen, sind seltner dem Wechsel unterworfen, und sie bedürfen erst unsrer eignen Mitwirkung, wenn sie eine Veränderung annehmen sollen; während diejenigen, die sich zweispältig mit dem Leben begegnen, sich nach und nach unter der bearbeitenden Hand dieser Macht beugen, und ihre Gestalt, je nach dem Ausdrucke der Zeit, der überhaupt alle derartigen Erzeugnisse unterworfen sind, verändern; wir lassen da dem Leben keine Konzessionen zu, das