Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1847)
- Date
- 1847-03-15
- Page
- Seite 179 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Meistern verknüpft ist. Dürfen wir nun auch hoffen, daß mit jedem Tage eine mehr erleuchtete Denkweise dem in unsrer Zeit entstandenen Begriffe der Gewerbefreiheit entsprechend und ihn ergänzend durchdringen und zur Lhat übergehen werde, so laßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß die Befreiung von Arbeiten an den jüdischen Ruhe- und Festtagen, die wir für unsere Pflegebefohlenen Behufs ihrer religiösen Pflichten beanspruchen müssen, in den meisten Fällen nur gegen eine Geldentschädigung bewilligt zu werden pflegt. Werden wir durch dieses wie durch manches andere Erforderniß nur allzuoft an die Beschränktheit unserer Mittel erinnert, so dürfen wir zugleich in den Ergebnissen der letztvergangenen Jahre Grund zu der Hoffnung finden, auch jene Wünsche endlich verwirklicht zu sehen. Ja mit Dank und Anerkennung sehen wir wohlgesinnte Menschenfreunde zu vereintem Wirken uns die Hand reichen, und namentlich findet die Institution der rituellen Jahresfeier, dem Gedächtniß der Hingeschiedenen gewidmet, immer mehr Anklang." —. Unter den Beiträgen für das verflossene Jahr befinden sich unter Anderen 10 Thlr. aus der Kollekte bei der Todesfeier des vr. Marcinkowski (des bekannten edeln polnischen Arztes), so wie 672 Thlr. aus der Kollekte bei dem zu Ehren des Herrn Oberbürgermeister Naumann gegebenen Diner. Die Einnahme betrug 1806 Thlr., die Ausgabe 1797 Thlr., so daß diesmal nur 9 Thlr. Ueberschuß zum eisernen Fonds kamen, während im vorigen Jahre von einer ähnlichen Summe 444 Thlr. zum Fonds geschlagen werden konnten. Jaffrow, 1. März. (Privatmitth.) Ein wohlgemeintes Wort zunächst an die israelitischen Lehrer der Kreise D. Crone, Flatow, Czarnikow, Chodziesen und Wirsitz. Mit folgenden Zeilen, geehrte Amtsbrüder, beabsichtige ich auf einen Gegenstand aufmerksam zu machen, der mir von großem Nutzen zu scheint und dessenungeachtet, so viel mir bekannt ist, in unsrer Gegend noch von Niemandem in Anregung gebracht wurde — ich meine die Einführung der Lehrerversammlungen. Der strebsame Lehrer hat nie ausgelernt. Er kennt die Wichtigkeit und Verantwortlichkeit seines Berufs; er weiß, wie groß der Einfluß seiner Wirksamkeit für Gegenwart und Zukunft ist, darum hält er es für seine unabweisbare Pflicht, sich mit entschiedenem Eifer fortzubilden, damit er in seinem Wissen und Können diejenige Tüchtigkeit und Vollkommenheit erlangt, die ihm zur Führung seines Amtes unerläßlich ist. Er bereitet sich demnach für die einzelnen Unterrichtsstunden ernstlich vor, unterrichtet mit Besonnenheit und durchdenkt nach vollbrachtem Tagewerk das noch einmal reiflich, was er während des Unterrichts in Betreff der Methodik der Lehrgegcnstände, so wie über die kindliche Natur, deren Eigenheiten, Anlagen und Fähigkeiten erfahren. Und wohl wissend, daß abgesondert, selbst der Tüchtigste nichts Großes zu leisten im Stande ist, begnügt er sich nicht mit dem Selbsterfahrcnen und Selbstbeobachteten in seinem Wirkungskreise, sondern er wünscht sich auch das anzueignen, was Andere erfahren, durchdacht, geprüft und zweckmäßig befunden haben. Deshalb sucht er sich, so weit dies seine pekuniären Mittel gestatten, mit den wichtigsten Werken und Schriften auf dem Gebiete der Pädagogik und Schulliteratur bekannt zu machen und fühlt auch das Bedürfniß, von Zeit zu Zeit mit anderen, besonders erfahrneren Berufsgenoffen zu sprechen, über das Schulwesen im Allgemeinen, über die Mittel zur Abstellung mancher Mängel, die sich trotz seines Strebens noch immer hier und da vorsinden, über Schuldisziplin, über die methodische Behandlung der einzelnen Lehrgegenstände — kurz über Alles, was auf die inneren und äußeren Verhältnisse der Schule Bezug hat. — Und wo aber könnten derartige Berathungen und Besprechungen mit mehr Umsicht und Erfolg geschehen, als in einer Versammlung mehrerer praktisch erfahrener Lehrer? — Darum sind auch die Lehrerkonferenzen, als die wirksamsten Mittel, die Fortbildung der Lehrer zu fördern, von den bewährtesten Pädagogen empfohlen, von den Behörden ungeordnet und auch allgemein unter unseren christlichen Kollegen eingeführt. Letztere haben bekanntlich unter dem Vorsitze der Schulinspektoren und Ortsgeistlichcn ihre vierteljährlichen und monatlichen Konferenzen, die, nach den offiziellen Berichten darüber, überall, wo sie mit dem rechten Geiste geleitet wurden, die besten Erfolge gehabt haben. — Wo sind aber die Konferenzen der jüdischen Lehrer? Wo hat der jüdische Lehrer Gelegenheit sich frei und ungenirt über die Interessen der jüdischen Schule auszusprechen? Wo berathen die jüdischen Lehrer die Mittel zur Beseitigung der noch vielfach vorhandenen Mängel im jüdischen Schulwesen? Wo machen sich