Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1847)
- Date
- 1847-03-15
- Page
- Seite 177 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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177 praktisch gebildeten jüdischen Pädagogen. Möge die Wahl eine gute sein! Vom Main, im März. (Privatmitth.) Vor einigen Jahren sagte Gutzkow einmal: ein Kitzel, von dem die Juden neuerdings befallen sind, ist der Redaktionskitzel. Jeder jüdische Literat fühlt die Lust, Redakteur eines Blattes zu sein, und traut sich die Kraft, die Gewandtheit, die Fülle zu, als Redakteur vor das Publikum zu treten. Dieser Kitzel, wie es Gutzkow nennt, hat nicht abgenommen, und bewährt sich in der jüdischen Zeitschriftenwelt in specie, so viele Täuschungen auch schon sich aufgedeckt haben. Mit jedem Jahre entschlafen 3—4 jüdische Zeitschriften, mit jedem Jahre tauchen eben so viele wieder auf. Es hat dies einen doppelten Nachtheil. Denn einerseits konsumiren die Literaten nutzlos ihre Kraft, während sie dieselbe weit erfolgreicher irgend einer umfassenden Aufgabe, einem bleibenden Literaturwerke zuwenden konnten; andcrntheils wird die jüdische Journalistik dadurch so zersplittert, daß das, im Ganzen beschränkte Leben derselben nur verdünnt wird. Allerdings muß es Zeitschriften geben, welche den verschiedenen Ansichten, um das mißliebige „Parteien" nicht zu sagen, zur Aussprache dienen; allerdings Zeitschriften, welche sich vielmehr einzelnen Zweigen widmen. Aber wenn eine jede Alles repräsentiren will, so 'daß sie Alle über einen Leisten geschlagen sind, wenn wiederum Zeitschriften für Spezialien gegeben werden, die in ihren Grenzen zu einseitig und zu wenig mannigfaltig sind, so ist es natürlich, daß Viele Eintagsfliegen sein müssen, und solche, die sich einander selbst auffreffen, ohne daß sie dicker davon werden. Zur Redaktion einer Zeitschrift gehört mehr, als man es sich gemeinhin denkt. So bedeutend auch die Zahl der Korrespondenten sein mag und so tüchtig — die Quellen fließen bisweilen dünne, und natürlich, denn die Ereignisse fließen oft spärlicher. Da ist es Sache der Redaktion, selbstmächtig Leben zu schaffen und Mannigfaltigkeit hervorzurusen, die Lücken anderweitig auszusüllen, und dem großen Verzehrer „Tagespresse", welcher immerfort nach Futter schreit, angemessne Nahrung zuzuführen. Die rechte Redaktion ist kein Rcchcnexempel, das ruhig sein „Soll" und sein „Habe" abmißt und die Bilanz zieht, sondern welche selbst die Kraft haben muß, auf den verschiedensten Fluren ihr Korn zu schneiden und es wohlschmeckend zuzurichten. Wenn schon jedes Werk seine Kritiker findet, so hat eine Redaktion in jedem Leser ihren Kritikaster. Ueber ein Zeitungsblatt hat Jeder — wie er glaubt — sein Urtheil, und durch die Paar Groschen Lesegebühren fühlt Jeder sich berufen, dem Redakteur — recht tüchtig den Kopf zu waschen. Und was ist der Erfolg? Legt ein Redakteur heute die Feder nieder, so ist er morgen vergessen; seine mühevollsten Kämpfe leben in der Erinnerung fast nur — in seinem eigenen Gedächtniß; seine besten Gedanken greifen Andere aus und eignen sie sich zu, denn die Quelle, aus der sie flössen, ist mit dem Strome der Zeit bald vergessen, und da er sie nur zersplittert und in der Kürze darlegen kann, ernten Andere den Ruhm der Ausführung. Das mögen viele Herren gegen den „Rcdaktionskitzel" als wirksames Heilmittel zu sich nehmen. Hannover, 5. März. (Privatmitth.) Bei den jetzigen Ständebcrathungen über die Verhältnisse der Juden handelt es sich insonders um folgende Punkte: 1) daß Forderungen von Juden an Christen auch auf Christen übertragen, und Vertrage zwischen Juden und Christen auch ohne obrigkeitliches Zuthun errichtet werden können; 2) dos Zeugniß und die Handelsbücher der Juden sollen gleiche Kraft mit denen der Christen haben; 3) der Grunderwerb soll den Juden in einem Hause mit 1'/« Morgen Landes gestattet sein; 4) daß Schutzgeld soll aufgehoben und die dazu Berechtigten aus der Generalkaffe entschädigt werden. Die liberale Partei will den Grunderwerb auch für die Juden unbeschränkt machen; aber mit der Entschädigung für das Schutzgeld ist man nicht einverstanden, und will vielmehr die Juden es durch Kapitalisirung abkaufen lassen — jedoch mit Ausnahme des der Steuerkaffe zufallenden Antheils, den man ganz und gar erlassen will. Karlsruhe, 3. März. (Privatmitth.) Unter den in dem gräßlichen Theaterbrandc Umgckommcncn befinden sich auch einige Juden. Bei dem, am 4tcn stattsindenden Leichenbegängnisse werden alle drei Konfessionen durch ihre Geistlichen, die Juden durch einen Rabbinen vertreten sein. An einen besondern Trauergottesdienst wird auch noch gedacht. Preußen. Posen, im März. (Privatmitth ) Vor Kurzem ist der „zehnte Bericht über den Zustand der israe-