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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-08 · Heft 11 (8.3.1847) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 11 (8.3.1847)
Date
1847-03-08
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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168 rakteren „Misrach" (Morgen) stand; zwischen den Säulen des Portals befand sich ein hebräischer Psalm. DKs war das Zimmer des Buchhändlers Baruch, in welches Joseph Haller eintrat, nachdem er den Pallast des Großhändlers Mendel verlassen hatte. Aber wie war ihm das warme „Friede sei mit Dir!" des armen Oheims lösend in das Herz gezogen, nimmer aufzuwiegen mit allen Schätzen des stolzen, listigen Kaufmanns. „Wen bringst Du da, Baruch?" rief ihnen das alte Weib entgegen, das auf dem einen Lehnstuhl seinen Platz behauptet hatte. „Daß Du so lang bist draußen geblieben, Du mit Deinem Husten!" „Ja, Du wirst ihn mir nicht wieder erkennen, den goldnen Jungen, so groß und so schön ist er geworden. Und aus Metz hat mir Reb Schallum, wie er Sphorim von mir verlangte, geschrieben, daß er ein tüchtiger Lambden (Gelehrter) geworden, und den Chower (Ehrentitel) bekommen hat in der großen Schul'." „Aus Metz hat man Dir geschrieben? Nun, so ist es wol Joseph, Deiner Schwester Kind?" „Das ist er, Jette, wie Du ihn vor Dir stehst, und ich freu' mich, daß er bei uns ist." „Nun, sei willkommen, Joseph. Und es ist gut, daß Du bist zu uns gekommen, obgleich Du den Weg früher nicht sehr oft gemacht hast . . ." „Jette . . ." „Nun, laß es gut sein, Baruch. Ich weiß, daß man nicht weh thun soll, wem es im Herzen schon wehe ist. Aber Deine Schwester — sie ist jetzt in der Wahrheit — hat doch immer groß gethan gegen mich, deren Mann doch ihr leiblicher Bruder. Aber das Unglück macht Alles gleich und vergessen; und so komm her, Josephchen, hol Dir einen Stuhl, und erquick Dich." Joseph zögerte einen Augenblick seufzend. „Laß es gut sein, Joseph," sprach begütigend der Mann. „Du kennst Deine Tante, und daß ihr Herz gut. Was so auf der Oberfläche schwimmt, muß erst fort; und ist es fort, so ist sie die Herzensliebe selbst. Reich' ihr die Hand." Und Joseph reichte ihr die Hand. Sie drückte sie kräftig, und wandte sich zu ihrem Manne. „Und Du legst mir auch immer Alles zum Bösen aus, Baruch. Was Hab' ich denn gesagt? Gott be> wahr' mich, daß ich nicht aufstehen sollt', wenn man den Namen nennt des großen Rabbi Haller, den sie jetzt in's Unglück bringen wollen, und dem der gerechte Gott beistehen wird. Weiß ich nicht, wie er gered't hat, als der große Gott meinen einzigen Sohn Jizchak von mir als Opfer verlangt hat durch den Tod. Zwanzig Jahre sind darüber vergangen, aber meinen Jizchak seh' ich noch vor mir liegen, und den großen Rabbi hör' ich noch sprechen mächtige, tiefe Worte.... Eine Mutter vergißt Nichts.... Er war so groß und so schön, wie der Joseph da jetzt zurückgekehrt ist^.. /' Und sie weinte. Baruch nahm den Joseph an der Hand, und führte ihn zum Tisch; warf Bücher und Geräthe von einem Stuhle, und trug diesen herbei, daß er sich setze. Die Alten fuhren in ihrem Abendmahle fort, aber Joseph konnte Nichts genießen. Eine längere Zeit schwiegen sie alle drei. Das schreckliche Ereigniß, welches ihnen das Herz betastete, konnte das rechte Wort der Aussprache in ihnen noch nicht finden. Endlich sing die Alte an: „Nun, Baruch, sag dem Joseph an, daß wir nicht blos stille gesessen und geweint haben, seitdem das große Verhängniß hereingebrochen über das Haus seines Vaters. Nein, nicht blos stille gesessen...." „Wie, Oheim?" fuhr Joseph auf. „Nun ja," sprach die Alte. „Was wol so kleine Leute thun können in Sachen, in die große, mächtige Personen ihre Hände hineingebracht haben...." „So weißt Du etwas Näheres, Oheim, über das schreckliche Geheimniß, das auf meines Vaters Haupt und Hause liegt? Weißt Du, wo und wie er sich befindet? Hast Du Etwas zu seiner Rettung versucht?" „Du fragst zu viel auf einmal, Joseph, weil Du zu viel erwartest. Laß mich ruhig reden, mein Junge. Wie wir Alle angedonnert waren, als die Nachricht kam, unser ehrwürdiger Rabbi sei plötzlich in's Gefängniß gebracht worden, und zwar durch ein ganzes Heer von Soldaten und Polizisten, daß man denken könne, wie groß und wichtig die Sache — kannst Du Dir leicht vorstellen. Auch von der Anklage verlautete bald Etwas, daß nämlich Dein Vater geschrieben habe gegen die christliche Emuna schwere und harte Worte. Nun kenne ich doch Alles, was Dein Vater hat drucken lassen, Wort für Wort, und kein Buch Deines Vaters ist nicht hundert- und wieder hundertmal durch meine Hände gegangen; und er hat zwar geschrieben kräftige und große Worte, aber nur für Tauras Mosche; als man nicht glauben will, was für unsecn Glauben, sei gegen das Christenthum, kann man nicht sagen, daß Rabbi Haller geschrieben gegen das Ehristenthum."

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