Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1847)
- Date
- 1847-03-08
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Senator knieend einen in 800 Skudi bestehenden Tribut überreichen und zugleich um fernere Duldung ihres Aufenthalts in Rom für das kommende Jahr bitten mußten, worauf der Senator ihnen auf eine dem Geiste unsrer Zeit nicht entsprechende sehr unzarte Weise die nachgesuchte Verwilligung ertheilte. Diesen mittelalterlichen Gebrauch hat der Papst für immer abgeschafft und verordnet, daß der Tribut ohne jene unwürdige öffentliche Zeremonie privatim überbracht werde." Also zwar der Tribut noch nicht, aber doch die schimpfliche Weise der Darreichung abgeschafft! Belletristisches. Der Rabbi und der Minister. Eine Novelle aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Fortsetzung aus No. 7. 9.) 3. Das Haus des Dheinis. Unfern Jüngling müssen wir auf einem dritten Gange begleiten. Von dem prächtigen Hause des Großhändlers Mendel wandte er sich wieder zur Judenstadt zurück, denn jenes war das einzige, welches außerhalb dieser von einem Juden befessen und bewohnt war — der Großhändler Mendel hatte hierzu ein Privilegium erhalten. Bald befand er sich wieder in dem engen Gäßchen, und durchschritt mit schnellem Fuße die Krümmungen und Winkel. Endlich hielt er in einer Sackgasse vor einem Häuschen an, das einen verfallenen Zustand zeigte, und eingeklemmt und gedrückt, nur von seinen Nachbaren gehalten schien. Durch die Fensterläden schimmerte Licht im untern Stockwerk. Auf wiederholtes Pochen öffnete sich die obere Hälfte der Thüre, und ein greises, eingefallenes Antlitz mit langem weißem Barte, der auf dem schwarzen Kaftan auch im abendlichen Dunkel sich abzeichnete, erschien in der Oeffnung. Kaum hatte der Jüngling seinen Namen genannt, und mit warmer Betonung das Liebeswort „mein Onkel!" hinzugefügt, als auch die untere Thüre aufgerissen, der Jüngling ergriffen, in's Haus gezogen, und an die Brust gedrückt wurde. O, wie fühlte Joseph sein Herz erwärmen, als er endlich wieder an einer Menschenbrust lag, in der es für ihn zu schlagen schien. „Friede mit Dir! Friede mit Dir! mein Sohn, mein lieber, lieber Joseph!" rief es ihm liebevoll entgegen. „Sei mir willkommen! Dein Eingang sei gesegnet! Gott spende Heil! Habe Dank, daß Du Deinen alten Vetter aufsuchst! Betritt die Schwelle seiner Hütte in Frieden! Bist Du gekommen, wird wieder gekommen sein die Sonne des Glückes, und scheinen!" Und der Jüngling lag in den Armen seines greisen Oheims, und seine Thränen rollten, und seine Stimme schluchzte, und seine Glieder zuckten. Ein Wort hatte er nicht. Einige Minuten waren verrollt. Da fuhr eine kreischende Stimme zwischen ihre Seligkeit und ihren Schmerz, aus der Stube. „Baruch, wo bleibst Du? wer ist da? Du wirst Dich erkälten auf der Flur in dem gewaltigen Zug!"" „Deine Tante hat Recht/" sprach Baruch. „Komm herein, mein Joseph, komm herein." Und er ergriff des Jünglings Hand, und führte ihn in das niedrige Zimmer. Da sah es sonderbar aus. Im Hintergründe standen einige Regale und Schränke, die vollgepackt waren mit Büchern, mit Folianten, Quartanten bis zum Duodez hinunter, in Schweinsleder, braunem Leder, in Pappe, ganz und zerrissen. Und vor den Regalen und Schranken lagen wieder Haufen von Büchern übereinandergeworfen. Und zwischen den Haufen hie und da ein Stuhl oder ein Tisch. Und auf den Stühlen und Tischen lagen und standen ohne Streit und Hader Bücher und Kleidungsstücke und Geschirr und all dergleichen. Doch von allem dem war ein großes Viertel des Zimmers, in welchem der Ofen stand, frei geblieben; und zu beiden Seiten des Ofens standen zwei Großvaterstühle, ehedem mit grünem Sammet überzogen, jetzt braun und glanzend und geflickt; und vor den Stühlen stand ein eichener Klapptisch mit gewundenen Säulenfüßen und Fußbrettern; und über dem Tisch hing ein kupferne Lampe an messingnen Ketten, die aber jetzt nicht brannte — denn es war Werkeltag — sondern auf dem Tische stand eine zinnerne Lampe, die zitternde Strahlen durch die Stube warf, und ein spärliches Mahl beleuchtete, welches das kinderlose Paar einzunehmen begonnen hatte. An der einen freien Wand hing in zerspaltnem Rahmen und unter geschwärzten Glassplittern eine Zeichnung, die das Portal eines Tempels darstettte, über welchem mit großen hebräischen Cha-