Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1847)
- Date
- 1847-03-08
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
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166 Hannover, 27. Februar. (Hann. Z.) Zn der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer wurde der Antrag der Negierung, die Aufhebung des Judcnschutzgcldcs betreffend, mit 33 gegen 28 Stimmen abgelchnt. Dann begann die zweite Berathung des nachträglichen Gesetzentwurfs über die Rechtsverhältnisse der Juden, und wurden §§. 1—4 desselben erledigt. Neustadt an der Hardt, 18. Februar. Jüngst wurde hier ein Israelit zum Stadtschrciber ernannt, und genießt das allgemeine Vertrauen. Oesterreich. Wien, 26. Febr. (Privatmitth.) Unsere herrliche gemüths- und geldvolle Kaiserstadt, wol die lebensfroheste Metropole Europa's — London kann vor Kohlcndampf, Paris vor blauem Dunst, Berlin vor — lauter Gelehrsamkeit (?) nicht recht froh sein u. s. w. u. s. w. — ist ohne Widerspruch auch die liebenswürdigste. Selbst voll Lust und Leben findet sie ihre Freude daran auch Andere leben zu lassen — der Franzose muß hier 5-iiio und nicht laisseiübersehen — und des edelsten, deutschesten deutschen Dichters großartige Worte: „Auch die Todten sollen leben", finden in dem lebensvollen Wien ihre schönste Verwirklichung, wenn wir sie im talmudischen Sinne „mas mian nehmen wollen. Wien geht hierin noch weiter als Lessings großer Saladin, cs will nicht bloß alle Bettler, sondern auch alles Sicchthum, ja alle Plagen, die uns so wehe thun, mit Stumps und Stiel ausrotten. Da muß nun Alles mitkampfen helfen. Selbst der lustige Karneval muß noleus volens in seiner Harlekinsjacke Soldat sein; und von der Unzahl Balle, die er mitbringt, beinahe die Hälfte zur Vertilgung und Neuerung genannter Uebcl aufführen. Es gibt kaum ein frommes, kaum ein wohlthätiges Institut hier — und ihre Zahl ist v'N — zu dessen Bestein nicht — getanzt wird. Da für die barmherzigen Brüder, dort für die grauen Schwestern; heute für die rothwangigen Kleinen in den Bewahranstalten, morgen für die hohlwangigen Kranken in den Spitälern u. s. f. So gab unter vielen Anderen auch der Israel. Frauenverein am 7. d. M. einen höchst brillanten Ball in den Sälen der k. k. Redoute, den nicht nur die Elite der hies. Israeliten, sondern auch viele der ersten Kavaliere, besuchten, und mit reichen Spenden beschenkten. Diesem Balle ward das ganz besondere Glück zu Theil, daß auch der durchlauchtigste Erzherzog Franz Karl kais., und der durchlauchtigste Prinz von Salerno kön. Hoheit ihn durch mehrere Stunden mit allerhöchstderselben Gegenwart verherrlichten. Die Eintrittskarte kostete 5 Fl. K. M., damit waren aber unsere Krösuse keineswegs zufrieden, und man gab nicht selten 10, 20, 50, 100, ja einer der reichsten Banquiers — ein Christ — gab 400 Fl. für 1 Billet. In der Liste, wo die höheren Beiträge verzeichnet sind, findet man Namen, wie: Fürst Milosch, Fürst von Fürstcnberg, Fürst Paul Esterhazy, Fürst Lobkowitz, Fürst Aler. v. Schönburg, Graf v. Sedtnitzky u. A. m. Auch der große Maestro Mcyerbeer, der, wie vor ihm noch Keiner, hier vergöttert wird, findet sich darin. Die Totaleinnahme betrug nahe an,7000 Fl. K. M., und wurde nach Abzug der Ausgaben an die verschiedenen wohlthätigen Institute, auch an Arme, immer ohne Unterschied der Religion, vertheilt. B. Kewall. Aus Böhmen. Dem Nürnberger Korrespondenten schreibt man von der böhmischen Grenze vom 16. Februar: „Nachdem die drückende Judenfteuer in diesem Königreich aufgehoben worden, ein Vorgang, welcher der Regierung in jeder Hinsicht zur Ehre gereicht, lassen die böhmischen Israeliten eine schriftliche Aufforderung zu freiwilligen Beiträgen umlaufen, deren Zweck dahin gerichtet sein soll, Glaubensgenossen zur Niederlassung auf dem Lande und zu gewerblichen Arbeiten zu bestimmen. Die Toleranzgebühr in dem Erzherzogthum Oesterreich ist einstweilen noch aufrechterhalten worden." Italien. Rom, 15. Februar. Endlich ist vom Papste auch bezüglich der Juden ein Faktum zu berichten, das erweist, daß er im Juden auch den Menschen erkennt. Der Nürnb. Korr, berichtet: „Bisher fand in Rom der alte Brauch statt, daß mehrere Deputirte der hiesigen israelitischen Gemeinde an dem Tage, an welchem der Karneval beginnt, Nachmittags um 2 Uhr sich auf das Kapitol begeben, dort in der Aula dem auf einem Throne sitzenden ersten