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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-08 · Heft 11 (8.3.1847) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 11 (8.3.1847)
Date
1847-03-08
Page
Seite 163 (sequence 7)
Language
German
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163 „der Volksschule", erklärt, daß auch die jüdischen Lehrer, die in die Lage kommen, die Hülfe des Unterstützungsvereins anzurufen, Unterstützung erhalten werden. Die Judenfrage wird auf gegenwärtigem außerordentlichen Landtag nicht Vorkommen, dagegen um so gewisser beim nächsten ordentlichen, und, wie man hofft, günstig erledigt werden. Hamburg, im Februar. (Privatmitth.) Unsre „Gesellschaft für soziale und politische Interessen der Juden" ist jetzt in einer für unsere Angelegenheiten wol völlig neuen Weise vor die Oeffentlichkeit getreten. Neben ihrem stillem eigentlichen Wirken auf dem Wege der thätigen Annäherung zwischen den unteren Volksklaffen jüdischer und christlicher Religion, welches an reifen Früchten bisher nur die Einschiebung einer Zahl Judenkinder in die Warteschulen, die Placirung einiger Dutzend jüdischer Hausknechte — zum Theil bei Christen — und die Anbringung zweier Juden in dem Korps der Retter — einer Art Brandwache — beschränkt, hält sie seit etwa 6 Wochen wöchentlich in einem der größten Lokale, der Tonhalle, ganz freie Diskussionsversammlungen, welche in der Regel von 3 bis 400 Personen beider Religionen besucht werden. Es wird da geredet theils in allgemeiner Beziehung über die Verhältnisse beider Religionsverwandten gegeneinander, theils speziell über die einzelnen Bestrebungen der Gesellschaft. Diese theilt sich in Sektionen, von denen bis jetzt eine literarische, eine politische, eine für Anbringung bei ständiger Arbeit, eine für zufällige temporäre Arbeit organisirt sind und eine Arbeitsnachweisungsanstalt (für Christen und Juden) nach Muster der dresdener projektirt ist. Die allgemeineren Debatten betrafen u. A. häufig die Frage, ob das soziale oder das politische Streben zu betreiben wichtiger sei, ob der Judenhaß (wenn cs überhaupt da noch Haß giebt) mehr bei den unteren oder oberen Klassen der Christen wurzele, u. dgl. Die gewöhnlichen Redner sind der Di-. Ree, Dr. Wolffson, Literat Eduard Cohn, Kaufmann S. Israel, welche zur Direktion gehören; außerdem hört man aber in jeder Versammlung Reden von den verschiedenartigsten Seiten, wie z. B. neulich hintereinander von einem der Richter unsres Niedergerichts, von einem jüdischen und von einem christlichen Handwerker. Diese Agitation kann, abgesehen von allen sonstigen praktischen Zwecken, nur nützlich wirken: je mehr Licht, je weniger Schmutz, je mehr Bewegung, je weniger Spinnwebe im Hause. Zugleich mit jener Gesellschaft entwickelt sich mit großer Energie ein Verein von ganz andrer Tendenz. Der sogenannte Lernverein besteht nämlich jetzt aus nahe an 150 ordentlichen Mitgliedern, welche sich mehrmals die Woche Abends versammeln und denen vom Chacham Bernays Tora mit Raschi paraphrastisch und kommentirend vorgetragen wird. Das Trauerspiel Uriel Akosta von Gutzkow, welches hier vorzüglich gut dargestellt wird, zieht fortwährend einen großen Theil des jüdischen Publikums an sich und das mit Recht; denn die Darstellung des Innern einer Synagoge, die Sitzung eines Beth-Din, ein Bann mit Schofarschall, das sind äußere Gegenstände, die wir noch nicht auf dem Theater gehabt haben, eben so wenig als überhaupt ein Drama, das zwischen lauter europäischen Juden vorgeht, und sie ganz von denselben edelen und unedelcn Gefühlen und Motiven getrieben werden laßt, wie andere Leute, während sonst ein Jude auf dem Theater, wie überhaupt in der Literatur, entweder schlechter oder besser, entweder weiser oder lächerlicher ist als andere Menschen. In diesem großartigen dramatischen Werke, dem übrigens auch in der jüdischen Kulturgeschichte eine bleibende Stelle gesichert ist, wird der Jude eben dahin gestellt, wo er in der Wirklichkeit steht, auf das Niveau des von diesen oder jenen Faktoren herangezogenen Menschen. Damit ist aber nicht gesagt, daß hier Juden nur de gaite de coeur gegeben sind, und daß was in dem Stücke geschieht, ebensowol bei jeder andern Volksklasse hätte geschehen können. Die feurige Rede Akosta's an den Rabbinen vor dem Bannflüche, die mit den Worten endet: „Ihr dürft mir fluchen denn ich bin ein Jude!" die kann nur ein Jude halten, den nicht mehr das konkrete jüdische Dogma, wol aber die Liebe und das Rechtsgefühl fesselt, der das Judenthum allenfalls wol vertauschen möchte, aber nur mit etwas entschieden Besserem, und dem, wie uns Juden allen, in jedem Augenblicke unsres Lebens ohne alle Gefahr der Wechsel freisteht. Die Schilderung der innigen jüdischen Familienliebe, die uns für alle Anfeindungen der Außenwelt entschädigen muß und so manche andere Momente sind spezifisch jüdisch, d. h. naturwüchsige Produkte von in diese besondere Lage gebrachten Menschen. Einen

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