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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-08 · Heft 11 (8.3.1847) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 11 (8.3.1847)
Date
1847-03-08
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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162 Gegenstand seiner Betrachtung gemacht. Zuerst wies er nach, wie die Trauergebräuche in der Bibel, Mischna und Gemara sich gebildet und wie bei diesen Gebräuchen der Einfluß der jeweilen Umgebung Israels nicht zu verkennen sei, machte mit heiligem Emst auf das Veraltete dieser Gebräuche, die in der heil. Schrift nicht geboten sind, aufmerksam und richtete an die Gemeinde die Aufforderung im Namen und Interesse der Religion, welche die Entfernung heidnischer Gebräuche unabweislich erheischt, die Trauermißbräuche, als unsrer Zeit und unserm Vaterlande widersprechend, aufzugeben. Die Trauer ist Herzenssache, sie läßt sich weder gebieten noch verbieten, sie zieht von selbst in's Herz ein und ruft die Thräne im Auge hervor, hat sie aber im Herzen nicht Raum, so kann auch kein veralteter Gebrauch sie erzeugen. — Auch die sabbatlichen Perikopen des Pentateuchs werden dort in einem dreijährigen Zyklus zu lesen vorbereitet. — Bei dem streng sittlichen Charakter des Rabbiners Güldenstein, bei seinem, nach den Anforderungen eines Hyperorthodoxen frommen Lebenswandel kann auch der Zionswächter, dessen Redakteur Güldensteins Rabbi war, keine unredliche Absicht wittern. — Die Gemeinde Buchau geht auch auf die Vorschläge ihres Rabbinen gern ein. So ist der Synagogenchor aus geübten Sängern, unter Leitung des Provisors Rödelsheimer, zusammengesetzt, harmonirend mit den prachtvollen Räumen der Synagoge; die Schulen gedeihen unter Leitung des wissenschaftlichen Rabbinen und ein von ihm gegründetes Leseinstitut, dem auch mehrere jüdische Aerzte und Rechtsgelehrte angehören, verbreitet wahre Bildung. — Zn anderen Gegenden des Landes, wo die Rabbinen aus Grundsatz oder Gewohnheit stabil bleiben, wirken Lehrer und Vorsteher vereint für Hebung der jüdischen Kirche und Schule, für Patriotismus und Religion. So ist Pflaumloch im Ries eine Gemeinde, die in jeder Beziehung alles Lob verdient, in der das Kirchenvorsteheramt viel Schönes schon erzielt hat. Diese Gemeinde hat auch in ihrem Kirchenvorsteher Elias Pflaum die schönste Anerkennung von Seiten des königl. Ministeriums des Innern gefunden. Dasselbe erthcilte an die königl. israelitische Oberkirchenbehörde folgenden hohen' Erlaß: „Auf den Bericht des königl. Oberamts vom 2V. Februar d. I., betreffend die Verdienste des israelitischen Kirchenvorstehers Elias Pflaum in Pflaumloch um die dortige Gemeinde hat man höhern Orts Vortrag erstattet und wird hiemit der Auftrag crtheilt, dem israelitischen Kirchenvorsteher Elias Pflaum in Pflaumloch das Wohlgefallen des Ministeriums an seinen eifrigen und erfolgreichen Bemühungen um das Wohl der Gemeinde und zunächst der israelitischen Kirchengemeinde zu erkennen zu geben. Auch soll aus höchstem Auftrag hievon nicht nur dem israelitischen Kirchenvorsteheramt Pflaumloch, sondern auch durch das königl. Oberamt Neresheim den geistlichen und weltlichen Behörden der Gesammtgcmeinden Kenntniß gegeben werden. Das k. Oberamt wolle hiernach das Geeignete erlassen. Stuttgart, den 15. Oktober 1846." Am Sabbat den 23. Januar 1847 eröffnete Herr Oberamtmann Prer diesen Erlaß den Behörden der Gemeinde Pflaumloch in Anwesenheit des evangelischen und katholischen Geistlichen — der Rabbiner war abgehalten dabei zu erscheinen —. Der würdige Oberamtmann setzte in einem längern Vortrage die Verdienste des Belobten auseinander und setzte, in Folge höchsten Auftrags der Belobung noch zu, daß eine spätere weitere öffentliche Auszeichnung nach Umständen und aus weitere Anregung durch die Staats¬ und Kirchenbehörden in Aussicht gestellt wurde. Besonders ermunterte er den Belobten, in seinem edeln Wirken fortzufahren, indem dieser Akt ein Beweis sei, wie sehr die obersten Behörden bereitwillig sind, aller Einflüsterungen ungeachtet die wahren Verdienste herauszusinden und anzuerkennen. Darauf dankte Elias Pflaum in einem längern Vortrage und Lehrer Löwenstein sprach im Namen der ganzen Gemeinde, daß die Belobung des Pflaum eine wohlverdiente sei, daß derselbe besonders auch das Wohl der Schule fördern helfe, es möge der Belobte auch weiter in seinem Wirken sortfahren, damit die vorbehaltene weitere Anerkennung recht bald folge. Anfangs dieses Monats wurde auch der israelitische Kirchenpfleger David Friedmann in Pflaumloch durch einen hohen Erlaß wegen der treuen und ausgezeichneten Führung seines Amtes belobt. Dem Vernehmen nach werden der nächsten Rabbinerversammlung die größere Zahl der württembergischen Rabbinen anwohnen; zur Theologenversammlung hat nur ein einziger zu gehen zugesagt. Der Vorstand des württembergischen Volksschullehrervereins hat jüngst öffentlich in seinem Organe,

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