Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1847)
- Date
- 1847-03-08
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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161 den Ständen beantragten Ergänzung des Iudengesetzes kommt die Regierung nun auf diesen Geldpunkt zurück und beantragt nochmals die wirkliche Aufhebung der Abgabe, aber gegen Ersatz des Betrages derselben aus der Landeskasse an die königliche. Es ist zu hoffen, daß die Stände das durch die frühere Ablehnung hinlänglich gewahrte Prinzip jetzt weniger in's Auge fassen, als das Drückende und Ungerechte der dem Namen nach aufgehobenen, in Wirklichkeit aber fortbestehenden Abgabe, zumal der ganze Betrag derselben, wie schon erwähnt worden, nur 4000 Thlr. jährlich beträgt. Freilich soll cs nach Allem, was man hört, um die sonst so sehr blühenden Verhältnisse der Landeskasse (Steuerkasse) dieses Jahr sehr betrübt aussehen und von vielen Seiten hört man für den Ablauf des Rechnungsjahrs, den 1. Juli, ein Defizit prophezcihen, so daß die Stände am Ende in jener Angelegenheit des Judenschutzgeldes außer dem Prinzip auch noch vielleicht die fehlenden Mittel der beantragten Bewilligung entgegensetzen müssen. Von der Donau, im Februar. (Privatmitth.) In keinem deutschen Staate ist die Reform des jüdischen Kultus friedlicher von Statten gegangen und entwickelt sie sich immer weiter als in Württemberg. Wie öffentlichen Berichten und anmaßender Chronikschreiberei oft gar nicht zu trauen ist, beweist die Judcngeschichte des lithographirten Historiographen Dessauer. Derselbe redet von Württemberg, wie er es allenfalls in I. G. Fr. Canabichs Lehrbuch der Geographie und Zimmermanns Geschichte gelesen, nicht einmal die Berichte jüdischer Tagesblättcr scheint er benutzt zu haben. Unter den berühmten Juden Württembergs zählt er die Herren Oberjustizprokurator Pflaum und Rechtskonsulent Ellinger, auch Leopold Dukes auf. Erstere habe ich die Ehre meine Freunde zu nennen und muß in deren Namen die von Dessauer ihnen zugerufene Berühmtheit zurückweiscn. Was müßten die christlichen Kollegen jener Herren sagen, wenn dieses Geschwätze ihnen zu Hand kommt. Und dann hätte der gelehrte Dukes wol erwarten können, daß sein guasi Biograph seinen Geburtsort besser gekannt hatte. Müßte meine Wenigkeit nicht fürchten, noch gräßlicher von Hrn. Dessauer als der geehrte Redakt. d. Bl.*) *) So was hat Nichts auf sich — man nimmt keine Notiz davon. Redakt. und vr. Kassel verfolgt und geschmäht zu werden, würde er mehr noch über dessen Geschichtsstudium sagen, da aber eine zweite Auflage seines Machwerks nicht zu befürchten ist, so wollen wir seine gewaltigen Errata unter Makulatur begraben. Verzeihe es uns der gelehrte, biedere Jost, wenn wir von Dessauer zu ihm übergehen. So tüchtig Jost alle Quellen in seinem neuesten Geschichtswerke benutzt hat, so sind ihm doch einige in Beziehung auf Württemberg entgangen, die wir hier ergänzend nachtragen wollen. In dem zweiten Jahrzehent dieses Jahrhunderts waren es einige wenige Israeliten, die die Nothwendigkeit einer Reform im Judenthum erfaßt hatten und auch für die bürgerliche Emanzipation unermüdet wirkten. Besonders zeichneten sich die Herren Kommerzienräthe Kaulla und Pfeifer und der noch lebende Buchhändler Heß in Ellwangen aus. Letzterer schrieb im Jahre 1821 eine Denkschrift an die Ständeversammlung, die als Plagiat wörtlich dem zweiten Theile der Stunden der Andacht von I. M. Lilienfeld, Berlin 1826 bei Leopold Wilhelm Krause, vorgedruckt ist. Damals trat nun ein von sammtlichen Juden des Landes gewähltes Komitö zum Entwurf einer Petition an die Stände zusammen, mit dem ein Bevollmächtigter der Regierung über die Wünsche der Israeliten sich benahm. Unermüdlich mit den größten Opfern wirkte der Verfasser erwähnter Denkschrift für die Emanzipation, und die Reform des Kultus. Auch bei der Stiftung des israelitischen Waisenvereins hat sich I. Heß sehr dabei bethätigt, und bei dieser Ge- . legenheit darf auch der zu früh verstorbene Hermann Kaulla, der mit seinem Freunde, vr. Dreifuß, den Waisenverein in's Leben rief, nicht unerwähnt bleiben. Betrachten wir das Damals und Jetzt, so ist die Zeit der beste Gehülfe derer, die die Konflikte im Judenthum auszugleichen bestrebt sind, während jene wackeren Begründer unserer jetzigen Zustande dem Gekeife der Zeloten ausgesetzt waren. Das Institut der Rabbincrversammlung hat bei uns auch schon wohlthätig gewirkt und besonders sind es einige Gemeinden des Landes, die unerschrocken das Vorurtheil niederkreten. So hat an den beiden Sabbaten 's rrra und mbin Rabbiner Güldenstein in Buchau, der cs zwar sonst vermeidet, Zercmonialgesetze auf der Kanzel zu besprechen und in seinen gediegenen religiösen Vorträgen bemüht ist, das dogmatische und sittliche Moment hervorzuheben, die Trauergesetze zum