Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- Seite 154 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225508--08405-3239215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
154 ähnlich dem arab.; Josua 9, 4 aber sie handelten mit List; so hat VÄ im spätem Chaldäismus oft diese Bedeutung. Das Targum zu Hiob übersetzt es mehrere Male mit Tinb, ebenso das jerusalem. zum Pentateuch. Es würde zu weit führen, wollten wir alle Stellen aufzahlen, die eine bedeutende exegetische Gewandtheit des Verfassers verrathen; wir überlassen dies dem Leser selbst. Ausfällig ist es manchmal, daß der Verfasser von der gewöhnlichen Uebersetzung abweicht, ohne den Grund anzugeben; z. B. 2 Mos. 32, 4. 18. hat im Piel wie im Kat dieselbe Bedeutung, so Jer. 51, 14 und Jes. 7, 24; in der Bedeutung siegen kömmt es kaum vor; ebenso 1 Sam. 15, 22, wo erst keine Versetzung nöthig ist, weil dem folgenden sbn entspricht. Der Verfasser sucht, wo es möglich ist, alte Erklärungen auf,;j. B. 2 B. Mos. 20, 5; 3 95. Mos. 19, 16; 1 Sam. 15, 23, wo der Verfasser mit den LXX liest, bei welcher letztern Stelle dies aber nicht angegeben ist. — Für den Anfänger dürfte manchmal da eine Störung im Verständniß entstehen, wo der Verfasser grammatische Regeln auf die Akzentuationslehre gründet, indem die Akzente aus dem Buche fehlen, z. B. Richter 4, 18 Anmerk., 1 König. 8, 48 Anmerk., Ps. 92, 11 Anmerk. Ps. 137, 7 Anmerk.— Hervorzuheben ist noch, daß der Verfasser alles Sachliche und Oertliche durch beigefügte Noten erläutert, und jedes Buch der heiligen Schrift mit einigen Worten über Inhalt, Autor u. s. w. eingeleitet hat. Wir können diesen kurzen Bericht nicht schließen, ohne den Wunsch auszusprechen, daß dies Buch eine schnelle Verbreitung finden möge, und so zum Nutzen Vieler werde. Salomon Cohn. Korrespondenz. New-Dork, 1. Februar. Russische Skizzen. H. Allgemeines. Nach langer Unterbrechung und in einer müßigen Nachtstunde, die ich meinen Amtsgeschaften abgewinncn kann, fahre ich fort, Ihnen wieder russische Skizzen zu senden, wie ich es in Magdeburg im Jahre 1845 versprochen. Wer das russische Judenthum nicht gesehen, hat keine Idee davon, was das alte Judenthum gewesen. Ich möchte jedem jüdischen Geschichtschreiber rathen, eine Reise durch die russischen Provinzen zu machen, die von den Juden bewohnt werden, ehe er an die Schilderung der alten Zustände der Juden ginge. Das westliche Judenthum in Europa ist schon so modernisirt, und war schon vor hundert Jahren von dem okzidentalischen Geiste so angeweht, daß es das echt Orientalische schon aufgegeben hatte. In Rußland, das in seinem Volksleben, in seiner Volkssitte selbst noch asiatisch-orientalisch ist, hat das Judenthum das Orientalische auch in strengerem Abdrucke behalten; und das ist es, was das Verständniß des Talmuds ungemein erleichtert. Städte, wie Wilna mit 30,000, Minsk mit 20,000, Berditschew mit 36,000 Juden, sind so durchaus jüdisch, daß das christliche Element in denselben, die Kirchen, Behörden und andere öffentlichen Anstalten ausgenommen, fast gar nicht zum Vorscheine kömmt. Die Straßen wimmeln von Juden; die Buden und der Handel sind in ihren Händen; die Handwerke, die leichten wie die schweren, werden von ihnen betrieben. Kömmt man durch die 17 Provinzen von den 55 des russischen Kaiserreiches, in welchen die Juden wohnen dürfen, so sind alle Städtchen und Dörfer von ihnen angefüllt; sie begegnen Einem überall in einer und derselben Weise; es ist ein Typus, eine Lebenssitte in allen den Tausenden von Werst, die man durchziehet; man glaubt sich in's heilige Land, in die patriarchalischen Zeiten der guten Vorfahren versetzt. Und dennoch sind die Juden in sechs verschiedene Klassen zu theilen. Die Juden in Riga und Kurland haben sich schon seit Jahrzehenden mehr dem deutschen Judenthum genähert. Daran sind vorerst die Provinzen selbst Schuld, die deutsch sind und nicht das russische Element in sich haben, das ihnen erst ein- und anerzogen wird. Dadurch gewöhnten sich die Juden an deutsche Sitte, deutsche Sprache, deutschen Umgang, und hatten großentheils auch deutsche Kleidung. Zweitens sind die Voreltern der jetzt lebenden Generation zahlreich aus Deutschland eingewandert, und vererbten die gewohnte Lebensweise aus der Heimath auf ihre Nachkommen. — Wilna, Minsk, Grodno und zum Theil Bialystock sind der Sitz der talmudischen Gelehrsamkeit, und bilden als Misnagdim die Opposition gegen die Ehasidim. Als der Ehasidismus in seiner ersten Entwickelung war, und in den südlichen und westlichen von den Juden bewohnten Provinzen Wurzel zu fassen begann, hatte Wilna den gefeierten und hochbegabten Rabbi Elijahu Hagaon. Er war der erklärte Gegner der kabbalistischen Richtung;