Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- Seite 153 (sequence 13)
- Language
- German
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158 auf die Nachwelt gebracht, sind der Koinzidenzpunkt, in dem die nach verschiedenen Seiten hinlaufenden Interessen des Judenthums sich wiederbegegnen, sind der Spiegel, in welchem wir die erhabenen Gestalten unsrer ruhmwürdigen Vergangenheit wiedererkennen. Wie wir uns den Glauben der Väter um keinen Preis der Welt werden entreißen lassen, so muß uns auch ihre Sprache, als das heilige Vermächtniß der jüdischen Geschichte, unveräußerlich sein. Nicht aus Pietät sollen wir sie uns aneignen, nicht sollen sentimentale Beweggründe bei der Erlernung derselben uns leiten; nein, sondern darum, weil sie der Quell ist, aus welchem uns unsre religiöse Nahrung am Ungetrübtesten zufließt, weil sie den urkraftigen Ausdruck der beseligenden Gotteserkenntniß uns wiedergiebt. Sie muß daher dem jüdischen Religionsunterrichte Grund und Boden werden, und auf einheimischer Erde wird die zarte Pflanze gewiß ein besseres Fortkommen finden. Von dieser Ueberzeugung scheint auch der Verfasser obengenannter Schrift ausgegangen zu sein, wenn er in dem Vorworte (NI) sagt, daß „auch das Hebräische ein integrirendec Moment des Religionsunterrichtes und ihn zu fördern im Stande sei", und wir gehen gern an die Beurtheilung eines Werkes, das den Zweck haben soll, „den Sinn der Jugend für den Werth und die hohe Bedeutung jener heiligen Urkunden, deren tiefen Sinn nur der Kenner der Ursprache erfaßt, zu erwecken", und „durch den Sinn für das Schöne in den Schöpfungen der unsterblichen Dichtungen der hebräifchen Lltteratur den Eifer zum Studium derselben anzuregen" (Vorwort IV). Nach der äußern Anlage des Buches zu schließen, wollte der Verfasser ein übersichtliches Bild der ganzen Bibel zeichnen, damit die Jugend in der ihr für die hebräische Litteratur nur spärlich zugemessenen Zeit dennoch mit dem Geiste der Sprache, der in den verschiedenen Theilen der heiligen Schrift verschieden sich äußert, bekannt werde. Die gewählten Lesestücke sind daher der Reihe nach aus den biblischen Büchern genommen, wie wir Letztere gewöhnlich sich folgend antreffen. So begegnen wir zuerst den Stücken aus dem Pentateuch, dann denen aus Josua u. s. w., nur die hagiographischen Stücke hat der Verfasser aus gewissen Gründen, die wir noch später angeben werden, vor die prophetischen gesetzt. Bei der Auswahl der Stücke selbst scheint die Berücksichtigung auf die Gebote, die noch jetzt in Kraft sind, thätig gewesen zu sein. So z. B. Seite 58 und 69 Feiertage; S. 80 die Tephilin und Mesusa; S. 82 das Speiseverbot der unreinen Thiere, wobei jedoch der Verfasser wie z. B. S. 63 auch andere Ursachen, die manches Verbot involviren, in der Anmerkung angiebt. Ferner wurde besonderer Bezug auf die Stellen genommen, die ein Moralitätsverhalten ausdrücken, z. B. S. 61 Feindesliebe; S. 67—68 Wohlthätigkeitsübung und Gerechtigkeitspflege u. a. m. Von den historischen Stücken zeichnen sich wieder die aus, welche in der jüdischen Geschichte bedeutende Epoche gemacht, z. B. S. 17—44; S. 46—61; S. 115—124; von den poetischen besonders die, welche einen Theil unserer Gebete bilden, z. B. S. 171—-181; S. 184—205, und endlich aus den prophetischen diejenigen, welche wir als Haphtorot lesen, z. B. S. 224—226; 231—233; S. 241—251. Da der Uebergang vom Leichtern zum Schwerem nur ein allmäliger sein darf, so mußten die historischen, als prosaische Stücke den poetischen und prophetischen vorausgeschickt werden; weil aber das eigentliche Wesen der hebräischen Poesie am Prägnantesten in den Psalmen, den Sprüchen und Hiob hervortritt, so nahmen auch diese eine frühere Stelle im Buche ein. Wir hatten an dieser äußern Oekonomie des Buches nur auszusetzen, daß Mehreres, welches in engem Bezug mit dem Entwicklungsgang des israelitischen Volkes steht, ausgelassen wurde. So vermissen wir ungern die Erziehungsgeschichte und das Leben der Patriarchen, die Besitznahme des heiligen Landes, und die Wegführung in'sExil; ebenso die herrliche Dichtung Haasinu und Jakobs Segen. — Gehen wir jedoch auf das Innere des Buches ein, so tritt uns bald viel Lobenswerthes entgegen. Vorerst sind es die sprachlichen Momente, die eine volle Berücksichtigung finden. Jedes Blatt im Buche trägt Spuren hievon. Nach den Grammatiken von Gesenius und Ewald, auf die in den Anmerkungen bei jeder nur etwas schweren Wortform verwiesen wird, ist der sprachliche Inhalt des Buches eingerichtet; wobei jedoch der Verfasser oft selbstständig zu Werke ging, sobald er von der Unzulänglichkeit der durch jene Grammatiken konstatirten Form für die Exegese überzeugt zu sein glaubte. So entsteht eben durch diese Selbstständigkeit eine manchmal überraschende Erklärung; z. B. Ps. 90, 10 73 als Part, von 713 der Scheerer eilt. Ps. 92, 11 von Nv2; Hiob 7, 4 Titti von der R. als Inf. Hithp.; Jes. 5, 17 tpfift wie üTi» und v^3 ähnlich dem -,31 287 die verwüsteten Ländereien wird weidendes Mastvieh abfressen; 2 B. M. 28, 5 löse die Fesseln, wo der Verfasser 273> in der ursprünglichen Bedeutung giebt,