Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- Seite 145 (sequence 5)
- Language
- German
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145 ihre Stelle aufzugeben und mit Weib und Kind nach den vereinigten Staaten auszuwandcrn, und mich bitten, ihnen einstweilen Stellen zu sichern. Ich wiederhole hiermit öffentlich meinen damals ausgesprochnen Rath, daß diese Lehrer an ihrer Stelle bleiben sollen. Denn die hier geborenen Kinder verstehen das Deutsche nicht mehr — ich selbst bin schon gezwungen, den Konsirmationsunterricht in englischer Sprache zu ertheilen — also können diese Lehrer ihr Wissen nicht an den Mann, oder besser an das Kind bringen. Zweitens werden die Gemeinden erst organisirt, und es sind daher die Stellen nicht gerade so bei der Hand, daß die Ankommenden sogleich ein Unterkommen finden könnten, und deutsche Lehrer bringen nicht die Mittel mit, daß sie in einem Lande eine Zeit lang zusehen könnten, indem man mit einem Dollar ----- 2 fl. 3Ü kr. kaum so weit, als in Deutschland mit einem Gulden reicht. Drittens sind die Herren viel zu sehr an die bequeme Studienweise des deutschen Stubengelehrten gewöhnt, als daß sie, wenn sie ein anderes Fach ergreifen sollten, die harten Schwierigkeiten des ersten Anfangs in Amerika leicht überstehen werden, und was sollen dann ihre Frau und Kind unterdessen beginnen! Solchen Leuten, denen es doch wahrscheinlich um eine bessere Zukunft ihrer Kinder zu thun ist, rathe ich besser, ihre Kinder ein Handwerk z. B. das Schuster-, Schneider-, Tischler-, Uhrmacherhandwerk lernen zu lassen, sie dann herüberzusenden, als geschickte Handwerker werden sie dann bald ein reichliches Unterkommen finden, und sic werden dann im Stande sein, ihre guten Eltern später Nachkommen zu lassen. Nach einer statistische Angabe in einem der hiesigen Blätter zählt man jetzt 75,008 Juden in den vereinigten Staaten, und wir können freudig hinzufügen, daß der religiöse Geist sich ernst und würdig entwickelt und männlich auch gegen außen hin vertreten wird. Die Juden in Richmond z. B. haben am Sonntage ihre Buden geöffnet, und die Stadt wollte ihnen das verbieten. Das war ein reiner Unsinn, da das Gesetz in den vereinigten Staaten lautet, daß ein Jeder verpflichtet ist, einen Tag in der Woche zu feiern; die Wahl dieses Tages bleibt natürlich einem Jeden überlassen, der Türke mag seinen Freitag, der Jude seinen Sabbat, der Christ seinen Sonntag feiern, und kann dann getrost an den übrigen sechs Tagen der Woche arbeiten. Daraus gestützt appcllirten die Juden an die 8upreme Court des Staates, und haben den Prozeß gewonnen, und können, wenn sie den Sabbat heilig halten, am Sonntage schalten und walten, wie sie wollen. — Seitdem die drei deutschen Gemeinden zu New-Pork einen Chiefrabbi erwählt, sind auch Albany und Syrakuse diesem Beispiele gefolgt, und haben den Rabbiner Herrn Weis als solchen in ihren Gemeinden angestellt. Dieser Mann wirkt ungemein nützlich in diesen jungen Gemeinden. Durch seine gediegenen Predigten hat er es dahingebracht, daß die Juden ihre Geschäfte am Sabbate geschlossen; der Gottesdienst verbessert, und die Predigten, die er an jedem rmw hält, zahlreich besucht werden; und die Schule, die unter seiner Leitung steht, leistet Alles, was von einem Institute, das erst seit drei Monaten in's Leben getreten, erwartet werden kann. Gott segne den würdigen Geistlichen und seine wackere Gemeinde. — In August«, im Staate Georgia, hat sich auch eine jüdische Gemeinde gebildet, in der mein Bruder, I)r. med. Samuel Lilienthal zuweilen in englischer Sprache predigt. Die mannigfachen Anfragen, die von dieser jungen Gemeinde in religiösen Angelegenheiten an mich gestellt werden, zeugen von dem frommen Geiste, der die Mitglieder beseelt. — In Kolumbia, im Staate Südkarolina, ist die Gemeinde, die auch erst seit kurzem organisirt ist, schon, etwas weiter. Dieselbe hat die jüdischen Gemeinden in den vereinigten Staaten gebeten, sie durch Beiträge in den Stand zu setzen, ein Gotteshaus rc. zu errichten; und die jüdische Sonntagsschule hat unter der nun abgegangenen Borsteherin Wolf schon recht erfreuliche Fortschritte gemacht. — Daß Charlestown eine der schönsten Synagogen in der Welt hat, wird ihnen bekannt sein, und gewiß nicht minder auch, daß die von Rcv. Posnanski dort eingeführten Neuerungen die Gemeinde in zwei getheilt haben. — In New-Orleans wußte man vor einigen Jahren von jüdischen Einrichtungen rein Nichts; auch dort hat der Herr in seiner Gnade so weit geholfen, daß eine Gemeinde organisirt, ein Gotteshaus errichtet ist, und nun ein Individuum dort angestellt werden soll, der als im und tamia fungire und auch englische Borträge halte. Dem Vernehmen nach aber soll Dr. Kohlmeyer als Prediger und Lehrer dort angestellt, und wahrscheinlich dann das Rabbinat für ihn geschaffen werden. — In Philadelphia bestehen zwei Gemeinden, eine por-