Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
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144 erkennung aller menschlichen Schwächen, in der zartesten Moral und in der Würdigung der Weisheit das Lauterste Menschenherz zur Aussprache bringt: eine Perle in dem erhabenen Kranze der Schöpfungen des jüdischen Stammes. Während sich aber das Buch Hiob in die höhere Sphäre des religiösen Denkens erhebt, versenken sich die Sprüche Salomonis in das praktische, in das ganz gewöhnliche Leben. Als Ganzes betrachtet, wollen die Sprüche Salomonis zeigen, wie sich die Lehre von Gott zu dem gemeinen Leben stellt und von welcher Einwirkung sie da ist. Zur Basis des ganzen Lebens sollen die Gottesfurcht und das Gottvertrauen gemacht werden. Die Gottesfurcht ist aller Weisheit Anfang, so beginnt das Buch und das einzuschärsen, wird es nicht müde. Mit ihr wanken wir nicht, bleiben vom Bösen fern, fallen in keine Schlingen und vermehren unsere Tage. Das felsenfesteste Vertrauen auf Gott aber ist Schild und Thurm, ist die sicherste Schutzwehr im Leben. Denn Gott, der allen Trug hastet, aber an denen, die in Unschuld wandeln, Wohlgefallen hat, segnet den Gerechten und laßt ihn nicht sinken; zwar laßt er auch den Schuldlosen nicht ungeprüft, aber er züchtigt, wen er lieb hat, wie ein Vater seinen Sohn, und schicket dies mit All- Weisheit zu bestimmtem Zwecke. Wir schließen hieran noch folgende Bemerkungen: 1) Wir sehen in den Psalmen und im Buche Hiob zurückweisen auf die Natur. Die Psalmen, namentlich der 19te, der Natur und Offenbarung nebeneinander stellt, und der 104te, weisen öfter auf die Werke Gottes in der Natur, als Erweis der Göttlichkeit hin; das Buch Hiob rekurrirt geradezu zur Natur, und holt aus ihr die Stütze seiner Lösung. Aber wie ganz anders, als innerhalb des Heidenthums! Dieses ging von der Natur aus, erkannte dieselbe in ihrer Einheit nicht, und bildete sich aus den Gegensätzen der Natur eine zwei- und mehrspältige Gottheit. Die religiöse Idee aber geht von Gott aus; von ihm aus erkennt sie die Natur als eine Einheit, als ein einheitliches Werk Gottes, und findet in der also begriffenen Natur allerdings ihre eigne Bestätigung. 2) Allerdings tritt in diesen „Schriften", weit sie eben die individuelle Persönlichkeit zur Grundlage haben, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele öfter hervor und wird klarer ausgesprochen. Im Ganzen aber setzen sie diese Lehre, eben so wie der Mosaismus und Prophetismus, vielmehr voraus, machen sie aber nicht zur Unterlage der Religion, worauf die Religion sich aufbaut, und welche die Religion als ihren Selbstzweck hinstellt. Mosaismus und Prophetismus so wie die „Schriften" waren in ihrem höchsten Resultat nicht begreiflich ohne die Voraussetzung der Unsterbtichkeic der Seele und schließen diese mit der Gottebenbildkichkeit des Geistes integrirenö ein: aber ihr Objekt und ihr Zweck ist das Diesseits, dieses selbstständig zu durchdrirrgen und religiös zu gestalten. Auch hierin find die „Schriften" gänzlich mosaisch. Und schon aus diesen beiden Punkten ergiebt es sich klar, daß auch diese „Schriften" Sprossen des Mofaismus, ihrer großen Wurzel, sind, in welchem sie allein ihre Grundlage und ihre Verständlichkeit haben. Sie selbst sind aber die Entfaltung der religiösen Idee im Individuum. Wir haben hiermit die erste Periode der religiösen Idee und ihres Trägers, des jüdischen Stammes, zu Ende gebracht. Sie enthielt zwei Phasen, die Begründung der religiösen Idee im Mosaismus und den Sieg derselben über das Heidenthum innerhalb des jüdischen Stammes durch den Prophetismus; in diesem Siege erlitt sie allerdings die Trennung der Idee und des Lebens, verallgemeinerte aber gerade dadurch die religiöse Idee in ihrer Bestimmung für die ganze Menschheit, und bewirkte zu gleicher Zeit ihre Entfaltung im Individuum. Von hier aus sehen wir die religiöse Idee auf einen größern Schauplatz hinaustreten in die gesammte Menschheit, wie zu gleicher Zeit der jüdische Stamm aus den engen Grenzen Palästina's über die ganze Erde sich zerstreut. Der Talmudismus einerseits, und das Christenthum und der Islam andererseits werden die großen Gegenstände unserer nächsten Betrachtungen sein. Zeitungsnachrichten. Nordamerika. New-Uork, 1. Februar. (Privatmitth.) Vor Allem sehe ich mich veranlaßt, noch einmal auf das Schreiben zurückzukommen, in dem ich Ihnen eine gedrängte Schilderung der jüdischen Verhältnisse in Amerika sandte. Ich machte am Schlüsse desselben besonders darauf aufmerksam, daß jüdische Lehrer, die verheirathet sind und eine Anstellung haben, nicht herüber kommen sollen. Es sind nun seit jener Zeit wieder Briefe von allen Seiten an mich von Lehrern geschrieben worden, die mir ihren Entschluß anzeigen,