Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1847)
- Date
- 1847-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Vertrauen, ec sei unsre Zuflucht. An ihn hat sich der Mensch in jeder Gefahr zu wenden, denn er ist barmherzig und treu. — Die unglückliche Lage des Menschen findet aber oft ihre Ursache in der Sünde, um deren Vergebung wir flehen müssen; aber Gottes Gnade ist ohne Grenzen, er ist eingedenk, daß wir Staub sind, er züchtigt, giebt aber nicht dem Tode preis, erhebt die Gebeugten, nimmt sich der Gefangenen, Elenden, Armen an, und schaffet Sieg. Diesem gegenüber stimmt nun der Gerettete sein Danklied an für die Errettung, für die Hülfe, die ihm Gott in drängender Gefahr geleistet hat. Und hieran schließet sich der allgemeine Lobgesang, wo Gott als Schöpfer des Weltalls, der allmächtig, über die ganze Erde erhaben, als Offenbarer der Wahrheit, um den Menschen den rechten Weg zu führen, als Vorsehung, dessen Rathschluß unergründlich, gefeiert wird. Ihm muß der Mensch sich daher unterwerfen, ihn fürchten, ihn Lieben, ihn anbeten, seiner sich freuen, seiner jauchzen, und erkennen, daß der Ewige Gott ist für und für. Allerdings müssen die -Psalmen aus diesen subjektiven Empfindungen heraus verstanden werden; sie wollen keine objektiven Lehren aufstellen, sondern nur die Vorstellungen, die der Mensch in den verschiedenen Lagen des Lebens sich von Gott bildet, aussprechen. Die Farben sind oft stark aufgetragen. Dagegen sind alle Saiten der menschlichen Sehnsucht angeschlagen *) und eine unerschütterliche Ueberzeugung von Gottes Dasein und Wattung gießet Trost, Ruhe, Sicherheit über das bange Menschenherz aus**). Nichts ist interessanter und belehrender als diese Psalmen, das lyrische Erzeugniß des jüdischen Stammes, mit den Hymnen und Oden Pindars oder den Chören des griechischen Dramas zu vergleichen. Hier ein kalter Marmor, dem die Kunst die vollendetste Form, die ausgebildetste plastische Schönheit verliehen, dort das Menschenherz» aus welchem der frische mächtige Strom des Lebens hervorbricht. Man wird sich da des Gegensatzes und des eigenthümlichen Berufes der beiden höchsten Völker des Alterthums — Hellas und Israel ganz bewußt. Beide haben eine starke Strömung auf die Menschheit geübet, aber das Eine im *) „Wie ein Hirsch lechzet nach Wasserquellen, also lechzet mein Herz nach dir, Gott/' **) „Der Ewige ist mein Hirt, ich leide keinen Mangel. Auf grünen Angern läßt er mich lagern, zu stillen Wassern führt er mich/' Vergänglichen, im äußern Menschen, das Andere im Ewigen, Unvergänglichen, im innern Menschen. Von allgemeinerem Standpunkt und abgeschlossener als die Psalmen behandelt dieselbe Frage das Buch Hiob: das wirkliche Leben des leidenden Menschen in seinem Verhaltniß zu Gott. Was aber in den Psalmen nur Empfindung ist, wird im Buche Hiob zum Bewußtsein erhoben und zugleich aus künstlerische Weise durch- und ausgeführt. Die Frage selbst, wie die verschiedenen Lösungen derselben treten personift'zirt auf. Hiob selbst vertritt zunächst die Frage: warum laßt Gott in dem kurzen vergänglichen Leben dem Menschen so viel Trübsal zukommen? Die Freunde Hiobs übernehmen die Beantwortung dieser Frage auf alte, rigoristische Weise: Gott ist gerecht, jedes Leiden ist Strafe für Vergehungen. Hiob widerlegt dieselbe durch die Erfahrung theils überhaupt, theils durch sich selbst. Dann würde jeder Leidende zugleich als Verbrecher bezeichnet, und jeder Glückliche als Tugendheld. Das Gegentheit erweiset sich aber: da viele offenbare Frevler ohne Leiden sind, und viele Dulder sich keiner solchen Sünde bewußt sind, die dem Leiden gleich käme. Es muß also eine höhere Lösung gesucht werden, welche Gott selbst ausspricht. Nämlich: Alles in der Natur hat einen bestimmten Zweck, den Gott hineingelegt hat, dieser Zweck wird auf die angemessenste Weise erfüllt, durch die Jneinanderordnung dieser Zwecke besteht die Natur und erweisen sich diese Zwecke demnächst als allweise. Der natürliche Schluß, den an sich der künstlerische Weise dem denkenden Leser überlaßt, den er aber in der erzählenden Ein- und Ausleitung darstellt, ist daher: auch in den Geschicken und Schmerzen des Menschen ist ein allweiser Zweck enthalten, der auf den Bestand des Menschen selbst einwirkt: die Entwickelung der Geisteskräfte des Menschen in Frömmigkeit und Hingebung an Gott; dadurch führen den Menschen die Leiden zu einem höhern Ziele. Das Buch Hiob ist somit ein großes Lebensgemalde, welches in Sprache, Kunst und religiöser Tiefe unerreicht ist und bleibt. Was es enthalt, ist noch so wahr, noch so unverändert, als wäre es erst dem heutigen Tage entflossen. Dieselbe Klage über die häufigen Uebet des Lebens, dieselbe wegwerfende Beurtheilung des Gefallenen aus dem Munde egoistischer Rigoristen, aber auch der Trost und die Lösung, die wir noch heute für jene Frage haben, ist noch nicht treffender, noch nicht erhabener gegeben. Dabei durchweht das Buch ein Geist der Menschlichkeit, der in dem Mitgefühl alles Wehs, in der An-