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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-03-01 · Heft 10 (1.3.1847) · p. Seite 142

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 10 (1.3.1847)
Date
1847-03-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 „wie ein Hirt weidet seine Heerde, mit seinem Arm die Lämmer sammelt, an seinem Busen sie trägt," der „dem Matten Kraft leiht, dem Ohnmächtigen Stärke mehrt." Er spricht: „die Leidenden und Armen suchen Wasser, es ist Nichts da; ihre Zunge dorrt von Durst: ich, der Ewige erhöre sie, öffne auf nackten Höhen Ströme und in den Thalern Quellen." „Auf, ihr Dürstenden Alle, kommt zum Waffer, auch wer kein Geld hat; kommet, erwerbet und effet, kommet, erwerbet ohn' Geld und ohne Preis Wein und Milch." Ec erkennt es ja als seinen Beruf, „Bedrückten Heil zu künden, gebrochene Herzen zu verbinden, Freiheit Gefangenen zu rufen, Geseffelten Erlösung." Der Gedanke, der am Oeftersten bei ihm wiederkehrt, ist daher: „der Himmel ist Gottes Thron, die Erde seiner Füße Schemel, aber dieser Gott, auf den Armen und Geistesgebeugten und der vor seinem Wort sich fürchtet, auf den schauet er." „Aber alle Herrlichkeit der Erde ist nichtig vor ihm, Fürsten wandelt ec zu Nichts, Erdenrichter zu Wesenlosem, Völker sind wie ein Tropfen am Eimer, wie ein Stäubchen an der Wageschale." — Um so leichter finden wir gerade von hier aus den Uebergang zu den s. g. „Schriften", trsirD Hagiographen, dem dritten Theil des A. T., einem wesentlichen unentbehrlichen Momente der religiösen Idee. Wir heben von ihnen die Psalmen, das Buch Hiob und die Sprüche Salomonis hervor. Allerdings ist ein Theil dieser Schriften den Propheten, von welchen wir Schriften haben, vorangegangen; ein Theil der Psalmen sind von David und deffen Zeitgenossen; ein großer Theil der Sprüche rührt von Salomon her; und das Buch Hiob stammt, nach unsrer, auf Sprache und Sitte gegründeten Ansicht, aus der letzten Zeit der Richter her. Ueberhaupt sind sie unabhängig von dem Laufe der Begebenheiten entstanden: sie gehören den Individuen an. Aber wir wissen ja, daß auch die Individuen unter der Einwirkung der Zeit und allgemeinen Anschauung leben, und daß aus der Summe der Individuen sich das Allgemeine aufbaut. Was nun den Charakter dieser „Schriften" ausmacht, und ihnen eine nothwendige Stelle im ganzen Gebäu der religiösen Idee anweiset, ist: daß sie die subjektive Religion, d. h. die Religion und Religiosität des Individuums aussprechen. Mosaismus und Prophetismus stellen die objektive Lehre von Gott, Welt, Mensch auf, aber die Schriften geben das Verhältnis! Gottes zum Individuum und die Beziehung des Individuums zu Gott. Indem nämlich der Mofaismus Gott als unmittelbar zum Menschen gelehrt hat, durch Vorsehung, Gericht und Offenbarung: so hat ec hiermit Gott und den Menschen in unmittelbare Verbindung und Beziehung gesetzt und ein nothwendiger Ausfluß war es, daß nicht allein der Mensch als allgemeiner (objektiver) Mensch sich in dieser Verbindung erkannte, sondern auch als Individuum, als einzelner (subjektiver) Mensch mit seiner besondern Stimmung, feinem befondern Geschick, in seinen besonderen Lagen und Verhältnissen, kurz in seinem ganzen besondern Leben sich in dieser Verbindung mit Gott fühlte. Es ist dies ganz konsequent. Denn der allumfassende Gott, der das allgemeine Sein in die Besonderheiten versenkt hat, kann nicht blos die Gattung, sondern muß nothwendig auch die Individuen tragen. Die Schriften drücken daher aus: wie sich das Individuum in den verschiedenen Lagen des Lebens zu Gott fühlt und diesen Gott aus ihnen heraus begreift. Wenn daher die mosaische Schrift, trotz ihrem nationalen Gewände, das Buch der Menschheit ist, die Propheten das Buch der Völker: so sind diese Schriften das Buch der Menschen, und haben darum zu allen Zeiten und unter allen Himmelsstrichen den Weg zum Herzen der gottgläubigen Menschen gefunden. Der Boden der „Schriften" ist der kämpfende und leidende Mensch. In den Wirren des wirklichen Lebens, im Zusammenstoß der egoistischen Bestrebungen der Menschen ringt der Mensch. Er fühlt seine Kraft unzulänglich, und sucht einen höhern Anhalt, eine unerschütterliche Stütze — in Gott. Er unterliegt, die Macht seiner Gegner erdrückt ihn, und er sucht eine höhere Hülfe, einen unerschütterlichen Beistand, Schutz und Rettung — in Gott. Dies ist der Gegenstand der Schriften, dies bildet den Inhalt der subjektiven Religion. Am Prägnantesten treten hierfür die Psalmen auf. Die sind eine Sammlung religiös-lyrischer Gedichte, welche die Empfindungen, Gedanken- und Gefühlsrichtungen des kämpfenden und leidenden Menschen auf die mannigfaltigste Weise aussprechen. Der größte Theil der Psalmen sind Gebete um Rettung von Feinden, um Bestrafung der Gottlosen, die den Unschuldigen unterdrücken; daher wird theils das Gericht Gottes angesprochen, theils verkündet: denn er richtet die Völker, die Herrscher, die Welt mit unbeugsamer Gerechtigkeit. Er, der Herz und Nieren prüft, der die Geheimnisse des Geistes kennt, der Allwissende, vernichtet die Frevler, ist denen, die an ihn halten, Schutz, Erretter, Hirt, Burg, Veste, Licht, Hort. Zu ihm habe man daher unbedingtes

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