Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 9 (22.2.1847)
- Date
- 1847-02-22
- Page
- Seite 139 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Vater fyatte irgend einen Befehl vom Fürsten erhalten; was er betraf, weiß ich nicht, es mochte wol nicht allzuviel sein; und er hatte denselben ausgeführt, ohne dem Vorstand Mittheilung zu machen. Da beschloß mein Vater auf die Absetzung des Rabbi zu dringen. Jetzt aber zeigte sich die Liebe der Gemeinde zu Eurem Vater; man bestürmte meinen Vater, es zu unterlassen; habe der Rabbi gefehlt, so solle man ihm eine Strafe auferlegen, aber nicht den ehrwürdigen Greis von dem Stuhle entfernen, auf dem er seit dreißig Jahren mit Ruhm gesessen. Die Bachrim (Schüler) Eures Vaters liefen umher, und hetzten das Volk auf, und Hunderte eilten auf die Gemeindestube, und kündigten dem Vorstand den Gehorsam auf, wenn er dem Rabbi zu nahe träte. Mein Vater wollte die Macht der Großen zu Hülfe rufen, und seinen Einstuß geltend machen. Dagegen lehnten sich aber die anderen Vorsteher auf, und gaben dem Volke nach. Da war Haß an die Stelle früherer Freundschaft getreten, und mein Vater verbot mir hoch und heilig. Eure Schwelle zu betreten. Ich mußte gehorchen. Es ist ein Jahr her, daß ich Sara nur bei einer gemeinschaftlichen Freundin sehen konnte, und als Eure Mutter im Siechthum und im Sterben lag, durfte ich nicht an ihrem Lager sitzen, durfte nicht ihren letzten Seufzer, ihren Letzten Segensgruß an Euch, Joseph, empfangen... Die beiden Liebenden, denn als solche hat sie der freundliche Leser wol schon erkannt, standen in Schmerz versunken sich gegenüber. „O, war' ich nur nicht fern gewesen!"... war Alles, was über die Lippen des Jünglings drang. Endlich faßte sich dieser. „Und wisset Ihr Nichts, liebe Rebekka, von wannen eigentlich der Streich ausging, der meinen Vater so tief stürzte? Nichts, wer den Raub meiner Schwester vollführte, und warum?" „Nichts, theurer Joseph. Schreckliches geht mir seit den zwei Tagen, wo es geschehen, durch den Geist, aber nirgends noch konnte ich eine Spur der Gewißheit erlangen. ..." „Muß doch die Anklage meines Vaters von einem Juden ausgegangen sein, denn welcher Christ läse und verstände seine Schriften...." „Das möcht' ich auch glauben...." „O, Rebekka! Der Haß zwischen Brüdern hat hier eine fürchterliche Ernte gehalten! Wehe, wenn mein schuldloser Vater unterliegen sollte! Wehe, wenn das Sonnenlicht die verbrecherischen Pläne beleuchten sollte, die hier in schrecklichem Dunkel zu Grunde liegen.... Wisset Ihr mir gar nicht zu rathen, geliebte Rebekka? An wen soll ich mich wenden? Ich bin hier so unbekannt, so fremd geworden. Es ist hier Alles so anders worden...." „Noch nicht, theurer Joseph. Wie könnt' Ihr es auch von dem getheilten Herzen eines schwachen, unerfahrnen Mädchens erwarten.... O, möchte mich Gott erleuchten! Doch lasset die Hoffnung nicht fahren. Daß ich thun werde, was in meinen Kräften steht, das wisset Ihr ja. Gott und meine verklärte Mutter werden mir den rechten Weg zeigen. Doch jetzt müssen wir scheiden; mein Vater wird mich vermissen. Saget mir, wohin Ihr Euch jetzt wenden wollet, damit ich Euch einmal Nachricht geben könnte." „Ich werde bei dem Bruder meiner Mutter, dem Bücherhändler Baruch, eine Zufluchtsstätte suchen, wenn er sie mir gewährt. Das Unglück enttäuscht über so Vieles." Der Jüngling beugte sich über die Hand des Mädchens, und küßte sie heftig. Eine Thräne fiel aus ihrem Auge auf sein Haupt. Dieser Handkuß und diese Thräne besiegelten von Neuem den Bund zweier edlen Herzen, der zwar hoffnungslos aber desto fester die Prüfung des Geschickes bestehen sollte. Der Jüngling entfernte sich unter Leitung der treuen Magd. Sein Herz war ruhiger. Wußte er doch in dem Hause des Hasses die Liebe wachen; hatte er doch mitten unter den Werken der Feindschaft das beglückende Wort der treuen Liebe vernommen. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iViNgr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Die hiesige israelitische Gemeinde sucht zu Ostern d. I. einen Lehrer (des Hebräischen), der zugleich ^7N und llNiv) ist. Bewerber wollen sich in portofreien Briefen wenden an Simon Epstein, Vorsteher. Gernrode (in Anhalt-Bernburg), Januar 1847. Ein junger Mann, verhcirathet, musikalisch, mit einer guten Tenorstimme begabt, kann nach neuem und altem