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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 138 (sequence 14)
Language
German
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138 ter kann nicht schuldig sein, meine Schwester kann nicht verloren sein! Dieser Gedanke, diese Ueberzeugung stellte sich riesengroß vor die Seele Josephs. Und wenn er nicht schuldig, und wenn sie nicht verloren: dann lebt «in Gott im Himmel, der als Zeuge tritt für die Unschuld und als Retter für den Gedrückten. Mögen die falschen Freunde der Erde den Rücken kehren dem Unglücklichen, so ihn die Hand des Geschickes erfaßte: der Freund des Himmels kennet seine Zeit! Deß stellte sich die Gewißheit in das Gemüth des Jünglings ein, und mit aller Gluch der Jugend hielt er daran fest, und sicher und ruhig war sein Schritt, als er daS Zimmer des Großhändlers verließ, um ihm auch seinerseits den Rücken zuzuwenden. Als er um einen Absatz der Treppe bog, da trat eine Magd aus einem Pförtchen heraus, und winkte ihm, den Finger zum Zeichen des Schweigens auf den Mund legend. Er folgte ihr. Durch einen engen Gang, geleitete sie ihn nach einem verborgenen Hinterstübchen, und ließ ihn eintreten. Es war das Kämmerchen der Magd. Aber in demselben befand sich die Tochter des Hauses, das einzige Kind des Großhändlers Mendel, die schöne, sittsame Rebekka. „Denkt nicht übel von mir, Joseph," hob sie nach einer peinlichen Pause an, „daß ich Euch hierher beschieden. Aber die Zeit drängt, und ich konnte nicht anders.... Ich habe Eure Stimme, ich habe meines Vaters und Eure Worte in einem Nebenzimmer gehört, und da konnte ich nicht anders...." ,^Habct Dank, tausend Dank, Rebekka!" erwidert« Joseph. „O, so kennt Ihr noch meine Stimme, ob auch Jahre vorübergegangen, und wollet sie kennen...." «Joseph, es ist Schreckliches geschehen, Schrecklicheres noch, als Ihr wisset .... aber ich bin unverändert; mir könnet Ihr vertrauen, denn ich-bin noch unglücklicher, als Ihr...." „Theure Rebekka, was ist dies? wie versteht Ihr dies?..." „Weiß ich es doch selbst nicht; ach, ich vermuthe nur — und diese Vermuthung ist schon furchtbar genug...." „O, mein Gott! Rebekka, mein Kopf schwindelt mir vor Allem, was ich seit einer Stunde erfahren .... es ist zu grausig. Und Euer Vater hat mich so schnöde abgewiesen, hat mir den Mermuth des Vorwurfs für den Honig des Trostes gereicht, und gerade bei ihm, dem Freunde meines Vaters, halt' ich Hülfe erwartet...." „Dem Freunde Eures Vaters, Joseph? Hat Euch Euer Vater niemals von dem geschrieben, was hier vorgegangen?..." „Niemals." „Ach, Euer Vater ist so mild und gut. Er wollte sein fernes Kind nicht betrüben. Ich und Sara, Eure Schwester, und Eure .... Eure verewigte Mutter — denn ich sehe ja, daß Ihr auch von diesem harten Schlage des allgütigen Gottes, der freilich es am Besten versteht, wisset — wir haben es desto schwerer getragen...." „Und was ist dieses, theure Rebekka? O, schaffet mir Licht in diese Finsterniß, daß ich klarer schaue. Gebt mir Aufschluß!" „So ganz genau weiß ich es auch nicht, aber doch genug, um Euch den traurigen Gang der Dinge zu erklären. O, Ihr wisset, in welch' innigem Verkehr unsere beiden Familien standen. War doch Eure Mutter, der Friede über sie! die innigste Freundin meiner längst verstorbenen Mutter, sie sind nun Beide in der Wahrheit! die mich bei ihrem frühen Tode der Fürsorge Eurer Mutter überantwortete. So wuchs ich mit Sara zusammen auf, so begneten auch wir, Joseph, uns täglich; unsere Väter waren innige Freunde; ach, Joseph, wir bauten ja schöne Hoffnungen des Glückes darauf..... Verarget sie mir nicht, diese Thräne — ach, die Erinnerung an jene Tage ist ja seit lange meine einzige Freude.... Bald nachdem Ihr abgereist wäret, wurde es nach und nach anders. Mein Vater wurde so kalt gegen den Eurigen; oft hört' ich harte Worte des Unwillens aus dem Munde meines Vaters über den Eurigen. Mein Vater, so viel merkte ich, hatte einen Prozeß gehabt gegen einen armen Juden in einer Nachbarstadt, und Euer Vater hatte gegen denMeinigen entschieden. Ob dies meinen Vater gewurmt, ob Ohrenbläser, namentlich der Dajan (Richter) Jsak, der fuchsige Schleicher, meinem Vater Aerger in's Herz geflüstert: Ihr kennet ja die Milde, aber die unerbittliche Gerechtigkeit Eures ehrwürdigen Vaters, der dem übelberüchtigten Jsak langst ein Dorn im Auge. Genug, unsere Väter sahen sich selten und immer seltener. Nun wisset Ihr auch, wie eifersüchtig mein Vater auf die Vorrechte des Vorstandes wachet. Reibungen zwischen ihm und Eurem Vater, dem Rabbiner, konnten nicht ausbleiben, da Freundschaft und Liett aus dem Gemeindehause gewichen. Wir litten furchtbar darunter, und Deine Mutter und wir Kinder hatten nur noch Thranen zu vergießen, wenn wir zusammenkamen. Da erfolgte das Aergste. Euer

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