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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 137

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 137 (sequence 13)
Language
German
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137 Namen, worauf der Diener bestürzt zurückwich, und ihn warten hieß. Bald führte er ihn in ein Vorderzimmer, und kurze Zeit darauf trat der Hausherr herein. Es war keine stattliche Figur, der Herr Mendel, wie man sich wol einen bedeutenden Großhändler vorzustellen pflegt, mit rundem Gesicht, das reichlichen sinnlichen Genuß verräth, und bemerklichem Bauche. Eine kleine, magere Gestalt, vorn über gebeugt, ein durchfurchtes Angesicht, dem man Arbeit, Spekulation, Grübeln, wechselnde Leidenschaft absah, stechende, scharfe, rollende Augen. „Ihr seid zurückgekehrt, Joseph," hob er an, „und habt es hier übel gefunden." „O, schrecklich, schrecklich!" „Ja, warum hat aber auch Euer Vater sein Dintefaß nicht besser verschlossen, seine Feder nicht stumpfer gemacht. Man darf nicht Alles sagen, was man denkt. Ihr kennt den Spruch unserer Weisen ges.And.: es ist nichts besser für den Menschen als Schweigen. Das hatt' Euer Vater wissen sollen." „So wäre es in der That so? Mein milder, sanfter, gerechter Vater hätte Worte des Unwillens, hätte Beleidigungen und Schimpf ausgesprochen? O, es ist nicht denkbar!" „Ihr wißt, ich habe immer Respekt vor Eures Vaters Schriften gehabt; ich habe sie immer für eine Zierde unsrer Zeit gehalten. Aber was zu viel ist, ist zu viel, und wer über das Maaß hinausgegangen, muß auch auf das Uebermaaß der Züchtigung gefaßt sein." „O sprecht, wo, wie, wann hätte er es denn gethan? Was ist das für eine Schrift? Wie lauten die Worte? Haben wir doch in Metz alle Schriften meines Vaters mit Begierde erhalten. Nichts dergleichen ist bemerkt worden." „Was weiß ich!" lautete die Antwort des Großhändlers, über dessen Antlitz Schatten fuhren, und dessen Augen sich bald senkten, bald Huben. „Was weiß ich, und was kümmert's mich! Die hohen Behörden werden schon wissen, was sie thun, und werden's zu Tage bringen." „Ach, Herr Mendel! Sie sprechen so kalt, sogleichgültig. Sie sind ja ein Freund meines Vaters. Haben Sie kein Wörtchen des Trostes für mein zerrissenes Herz, kein Laut der Hoffnung für einen heimgekehrten Sohn, der seinen Vater nicht gefunden? Haben Sie Nichts zu seiner Rettung versucht? Wissen Sie nicht, wo und wie der schwache Greis sich befindet? Es gilt ja nicht btos sein, unser Wohl, er ist doch Rabbiner der Gemeinde, und auf die wird seine Schuld zurückfallen!" „Desto schlimmer, daß sich euer Vater in Dinge eingelassen, welche uns theuer zu stehen kommen werden, welche uns Gefahr bringen können. Daher mag ich gar Nichts damit zu thun haben, und wir werden Schritte thun, um den Schuldigen von den Unschuldigen zu trennen. Uebrigens hat der Richter alle Verbindung mit Eurem Vater verboten und abgeschnitten, und der Zorn der Großen im Lande ist so fürchterlich darüber, daß man nicht mit ihnen davon sprechen darf." „O, Herr Mendel, Ihr seid kein Freund meines Vaters!..." „Ich mag es auch nicht mehr sein. Und kurz, ich habe Gesellschaft, und Hab' Euch Alles gesagt, was ich weiß... „Und meine unglückliche Schwester?..." „Habt Ihr keine Nachricht, keine Spur von ihr?" „Ach, ich bin eben angekommen, und suchte bei Euch Trost und Hülfe. ..." „Nun, ich habe auch keine; ich bedaure sie, wenn sie wider Willen gegangen..." „Herr, was sprechen Sie Schreckliches... „Nun, ich weiß Nichts. Lebt wohl." Hiermit drehte der Großhändler Mendel, der Freund des Rabbi Haller, dem trostlosen Jüngling den Rücken, und verließ das Zimmer. Als der Jüngling vor dem Hause des Freundes gestanden, hatte er sich unendlich unglücklich gefühlt: jetzt aber fühlte er sich noch unglücklicher. Der letzte Schimmer der Hoffnung war geschwunden. Wenn die Gemeinde sich von der zertrümmerten Familie abwendet, wenn die „Freunde" und Glaubensgenossen nur Worte des Hohnes für die Verzweifelnden haben: wo ist dann das Ziel des Mißgeschickes? Der Jüngling war niedergeschmettert. „Also mein Vater schuldig, meine Schwester geschmäht und verleumdet? Mutter, Mutter, wie hat der allmächtige Gott Dich begnadigt, daß er Dich von hinnen genommen, bevor Dein Auge das gesehen? O, meine Mutter, meine Mutter, Dein einziger Sohn hat Dich nicht wieder gesehen, Du ihn nicht ... wird er seinen Vater, wird er seine Schwester Wiedersehen? und wie? O, wer bei Dir wäre!..." Das waren die Gefühle, die durch Joseph's Seele stürmten. Aber der getretene Wurm krümmt sich, und der niedergetretene Menschengeist erhebt sich. Nein, mein Va-

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