Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 9 (22.2.1847)
- Date
- 1847-02-22
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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136 bedachten, wo aber das Feld der Industrie noch so brach liegt, daß wir uns jeder neuen zur Bearbeitung desselben gewonnenen thätigen und schaffenden Hand nur innigst freuen sollten, werden nicht nur die alten mittelalterentstammten Beschränkungsgesctze mit argusäugiger Wachsamkeit aufrecht erhalten, sondern noch neue in's Leben gerufen, die mit dem Geiste unsrer Zeit im schroffsten Widerspruche stehen und viel ungerechter und vernunftwidriger als die alten, weil sie nicht den geschickten Meister gegen die ungerechten Eingriffe des Stümpers wahren, sondern zwischen den Anhängern des einen und andern Glaubens Unterschiede begründen wollen in einer Angelegenheit, die mit dem Glauben nicht in geringster Beziehung steht; wir bedauern nur sehr in unsrer Einfalt nicht begreifen zu können, in welcher Beziehung das Kleider¬ oder Schuhflicken des Lehrlings mit seinem Bekenntniß stehen mag!!... Und dabei klagt man noch über die Arbeitsscheu des Israeliten!! Unaufhörlich ruft man ihm zu, sich nur den Gewerben zuzuwenden, versperrt ihm aber derart den Weg diese zu erlernen. Ist das Gerechtigkeit? ist das Konsequenz?!... O neunzehntes Jahrhundert!!... In der Pesther Zeitung lesen wir: „Der rühmlichst bekannte Pädagog Herr Jos. L. Fischer, Inhaber eines israelitischen Mädchenerziehungsinstituts, hat so eben von der hl. Statthalterei die Konzession zur Erichtung einer öffentlichen Knabenschule mit 4 Klaffen erhalten und wird selbe bereits nächsten Sommer eröffnet. Bei dem immer lauter und fühlbarer werdenden Bedürfniß nach einem zeitgemäßen israelitischen Knabenerziehungsinstitute einer- und der anerkannten, durch vieljähriges Wirken bewährten pädagogischen Tüchtigkeit des Herrn Fischer andrerseits muß diese Nachricht all' jenen Eltern, die eine solide und zeitgemäße Erziehung ihrer Kinder wünschen, höchst erfreulich sein, und wollen wir besonders Eltern vom Lande, die ihre Kinder in die Hauptstadt schicken und sie hier geistig und körperlich wohlversorgt wissen wollen, auf dieses vielversprechende Institut im Voraus aufmerksam machen." Es freuet uns sehr, daß unser in diesen Blättern (1846 No. 44) ausgesprochener Wunsch so schnell Beachtung und Verwirklichung gefunden und können auch wir das zu begründende Institut bestens empfehlen, da wir von den Leistungen des Herrn Fischer nur Heilsames zu erwarten haben. J. Ehn. Rußland. Von der polnischen Grenze« (V. Ztg.) Gegen eine jährliche Abgabe von 15 Silberrubeln ist es den polnischen Rabbinen gestattet, ihre Kleidertracht und den Bart beizubehalten. Mit Freuden haben sämmtliche Rabbinen von dieser Bestimmung Gebrauch gemacht. Die jüngere jüdische Bevölkerung hat sich leicht in die neue Kleidertracht gefügt. Die Seidenzeug- und Tücherfabrikanten haben durch zwei Lurusartikel, nämlich durch die vielen und schweren Seidenzeuge zu Männerröcken und die mitunter so sehr kostbaren Wollentücher für die Frauen und Mädchen um den Kopf, ungeheure Verluste. Belletristisches. Wer Rabbi und der Minister. Eine Novelle aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Fortsetzung.) 2. Das Haus des Freundes. Endlich raffte sich Joseph auf; es schien ein Entschluß in seine dammerungsvolle Seele gekommen zu sein. Er schlich einige Straßen hinunter; der frische Nordwind kühlte seine heiße Stirn ab; bald eilte er, wie von der Hoffnung auf Rettung gejagt. Er stand vor einem großen, hell erleuchteten Hause. Wie anders, als seines Vaters Haus, zu dem er gekommen mit vollem Herzen, und das er leer, verlaffen, verödet gefunden! Aber es ist doch das Haus des vieljahcigen, erprobten Freundes seines Vaters, das Haus des einflußreichen Großhändlers Mendel, des obersten Vorstehers der Gemeinde. Es ist doch das Haus des theuern Mädchens, seiner Tochter, die ... doch die Stimme des Glückes darf nicht laut werden, wo so gräßliches Unheil feinen Donnerruf erhoben hatte.... Joseph stieg die Stufen, stieg die breite steinerne Treppe hinauf, sein Herz schlug ihm vernehmbar. Ein Bedienter trat ihm entgegen, und wies den Jüngling in den bestaubten, nun auch zerrissenen Kleidern ab, denn er hielt ihn für einen Bettler, und sein Herr habe Gesellschaft. Aber Joseph wich nicht; er nannte feinen