Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 9 (22.2.1847)
- Date
- 1847-02-22
- Page
- Seite 135 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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135 ment beschäftigt werden können, eine höchst verdienstliche Begründung, die der regsten Theilnahme würdig ist. Glück auch und Gedeihen dem zeitgemäßen Unternehmen!!... Wenn ich nicht irre, berichtete ich bereits früher darüber, daß die hiesige Gemeinde damit umgehe, gegen die täglich lauter und allgemeiner werdende Anklage des Wuchers der Juden Etwas zu thun. Man wollte erst einen „Antiwucherverein" gründen, dessen Bestreben und Thätigkeit es sein sollte, den jüdischen Wucher wie den Wucherer auf alle mögliche Weise zu unterdrücken. Man überzeugte sich aber bald von dem Unpraktischen und Inquisitorischen eines solchen Verfahrens, und der Vorstand beschränkte sich darauf, in einer der letzten Plenarsitzungen der pesther israelitischen Gemeinde diese zu bitten, sie möge es feierlichst aussprechen, „daß, so wie sie das Bestreben jedes Kaufmanns ehre, sich auf solidem merkantilem Wege seine Subsistenzmittel zu erwerben und sich seine Existenz zu sichern, sie dagegen alle jene Individuen verachte und verabscheue, welche das Wuchergeschäft überhaupt betreiben und insbesondere jene, welche mit Verführungsmitteln sich Opfer hiefür verschaffen u. s. w. u. s. w." Die Gemeinde anerkannt auch die vom Vorstande in seiner Proposition ausgesprochenen Grundsätze als die ihrigen und verspricht im Geiste derselben zu wirken. Ob dies einfache Mittel hinreichend sein wird dem tiefwurzelnden Uebel Einhalt zu thun und die oft nur zu begründeten Vorwürfe des Christen zu entwaffnen?? Wir wollen das Beste hoffen, erwarten aber sehr wenig davon! Das Uebel wurzelt zu tief und ist mit den Institutionen unsres Landes einer¬ und der Stellung des Juden andrerseits so enge verflochten, daß ohne eine Radikalkur und ohne die völlige Umwandlung Beider demselben schwerlich gesteuert werden kann. Die Institutionen unsres Landes, das schlechtgeregelte Wechselrecht, die Geldarmuth des verschwenderischen Adel», der allgemeine Geldmangel u. s. w. bedingen quasi den Wucher; die Stellung des Juden aber, dem das Anlegen seiner Kapitalien in Grundbesitz nicht gestattet und auch bei mancher gesetzlich erlaubten Verwendung derselben, in Handel und Gewerbe, vielfach erschwert wird, drängt ihn nur zu oft darauf hin. Ob vielleicht der nächste Landtag durch Gewährung der heißersehnten Emanzipation all unscrm Leiden mit einem Male ein Ende machen werde?? Dazu ist nicht die geringste Aussicht vorhanden und man müßte sehr sanguinisch sein, um dies zu hoffen. Die Stimmung des Volkes, besonders aber in den Städten, die doch allein Sitz und Stimme im Reichstage haben, spricht sich täglich lauter und unverholner gegen die Judenemanzipation aus; in den Komitaten wie überhaupt im Lande wird die soi disant liberale Partei täglich mehr geschwächt und in den Hintergrund gedrängt, und natürlich wird auch auf dem nächsten Reichstage die konservative, alias stabile Partei die prä-, wenn nicht gar ausschließlich dominirende sein; was der Jude von dieser zu erwarten hat, ist aus den Beispielen anderer Länder zur Genüge bekannt, und die ungarische Stabililätspartei giebt ihren Schwestern im Auslande um kein Haar nach. Der Landtag wird baldigst einberufcn werden, früher als man gehofft, da durch das Ableben des Erzherzogs Stefan die Wahl eines neuen Palatins, die auf dem Reichstage geschieht und nicht über ein halbes Jahr hinausgeschoben werden darf, derselbe nothwendig geworden; auch die Judenfrage wird zweifelsohne auf's Tapet kommen und dem gestellten Prognostikon zufolge lassen sich eher Rückals Fortschritte für unsre gerechte Sache hoffen.... Und was geschieht von unsrer Seite, was von den Juden überhaupt, was von ihren Stimmführern und Leitern, von ihren Vertretern u. s. w. insbesondere, um diese unheildrohcnden Einflüsse zu paralysiren?? Nichts, durchaus Nichts!! Und wie Mirabeau unmuthig vom Duc d'Orleans, könnten die wenigen edelherzigen Vertheidiger unsrer Sache von dem ungarischen Juden mit Recht sagen: II ne merite pas la peinc qu’oti se donne pour luiU Wer sich selbst verläßt, muß bald auch von seinen eifrigsten Freunden verlaffen werden!! Doch hievon später ausführlicher!!... Als Beweis meiner obenausgcsprochenen Behauptung von der für die Judenemanzipation so ungünstigen Stimmung des Volkes genüge die Anführung, daß die pesther Zünfte endlich nach mehrmonatlichen Berathungen einstimmig den Beschluß gefaßt haben, fernerhin keine jüdischen Lehrlinge anzunehmen. In England, Frankreich und anderen Ländern stellt es sich täglich evidenter heraus und gewinnt auch im benachbarten Oesterreich die Meinung allgemeine Geltung, daß die naturgemäße Entwickelung des Handels und der Industrie nur durch freie Konkurrenz bewirkt und segensreich gemacht werden kann; in Ungarn hingegen, dem von Mutter Natur so reichlich