Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 133 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225507--08383-3239192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

133 Norm ihrer Bestrebungen macht, zum Ziel ihrer Wünsche erhebt. „Sie will den Zwiespalt zu lösen versuchen, wo er sich bereits geltend gemacht hat," sie will „das unbefriedigte, religiöse Gemüth" befriedigen und es „zum klaren Bewußtsein" bringen. Als ob so vage Worte, so vage Bestimmungen, wie jene sind, Befriedigung gewährten, oder Klarheit schafften! Als ob Zeit und Bewußtsein um dieselbe, wo sie ausgesprochen, oder auf's Papier geworfen würden, sofort zur Klarheit erwüchsen und alle dunkelen Räume aufzuhellen vermöchten! Als ob Zeit und Bewußtsein, selbst in Harmonie gesetzt mit der Vergangenheit, die einzigen, oder auch nur die Haupthebel der religiösen Anschauung, der religiösen Ueberzeugung wären; als ob nicht, zumal für die des Juden, qua Juden, der Begriff des Ortes, in weitester (nicht enger) Ausdehnung, der Umgebung (so weit die Natur reicht), der sozialen Verhältnisse u. s. w. von größtem, wenn selbst oft oder meist nicht zum Bewußtsein gelangenden, prinzipiellen Einflüsse wäre! — „Umgestalten" will sie die Genossenschaft nach so vagen Prinzipien, umgestalten im ganzen Bereich des Judenthums, umgestalten das „Vorhandene" auf so lose, lockere Satzungen hin, mit welchen man keinen Hund aus dem Ofenloche locken kann. So ruft es uns die erste der Abhandlungen auf mehr denn 500 Zeilen zu. O, auch ich war und bin von ganzer Seele Freund eines Reformvereins, Freund des Umgestaltens, welches uns das ehrwürdig Alte bewahrt nicht nur, sondern es nur in seiner lebendigen Frische, in seiner Ganzheit, in seiner Fülle zum Genüsse bringt, statt es unseren Sinnen als eine Rarität, als Antiquitäten- Sammlung vorzulegen. Aber mich schaudert bei dem Gedanken, ungewaschen Hand an's Heiligthum gelegt zu sehn — und ungewaschen ist und kann nur die Hand sein, die umgestaltende, die nur auf dieZeit, die Gegenwart und deren Bedürfnisse hinweiset! Großes, wahrhaft Großes habe ich erwartet vom Reformverein, der da Männer zählt, vor welchen mein Haupt gern sich neigt. Aber bei einer Umgestaltung habe ich ein Fundament erwartet, ein, wenigstens für die nächste Zukunft nicht wankendes, ein, dem Geiste seiner Vertreter würdiges, Fundament, nichtein so vergängliches, das ein Kind des Tages wäre. Wehe ist mir um Dich theurer Reformverein. In dem Gebälk deines hochaufstrebenden Gerüstes naget der Wurm der Zerstörung. Und dennoch vermag ich es nicht, dir zum Abschied das Lebewohl zuzurufen. Noch dränge ich es zurück, denn noch will es mich dünken, als könnte in der Zukunft dunklem Schooße manche süße Frucht zur Reife gelangen, welche jetzt nicht mal als Saat wahrgenommen wird. O, diese Früchte, deren Zeitigung vom Zufall erwartet werden muß sammt der Aussaat! Und dennoch lasse ich nicht ab vom Hoffen und Sehnen. Vielleicht war Alles, Alles nur Vorspiel, vielleicht Alles nur der Trompetenschall, und immer Trompetenschall, und nichts als Trompetenschall, der die Zerstreuten Juda's und Israels sammeln sollte, um vereint in Zukunft erst das Fundament zu errichten, auf welchem der Bau der ganzen großen Genossenschaft aufgeführt werden solle. Dr. M. Herzberg. Leipzig, 14. Februar. Die hiesige D. A. Z. enthält aus Berlin einen Korrespondcnzartikel, welcher zum Theil hier seinen Platz finde, als ein Urtheil von andrer Seite. „Unsere Judenreformer haben sich jetzt in einer „Reform-Zeitung" ein Organ gebildet, worin die „Genossenschaft für Reform im Judenthum" ihre „Ansichten entwickeln und vertreten" will. Dazu hat ein Jeder das Recht. In der ersten Nummer setzt Herr Stern, der Heros unter unseren Judcnreformern, auf acht langen Seiten auseinander, was die Genossenschaft für Reform im Judcnthum ist, richtiger: was sie nicht ist, denn acht Seiten braucht Herr Stern, um zu sagen, was sie nicht ist, und aus einer halben Seite sollen wir erfahren, was sie ist. Wenn es darauf ankäme, zu sagen, was unsre Judenrcform nicht ist, so ließe sich diese Negation noch weit bestimmter und umfassender aussprechenes wird indessen wol am Besten sein, den Herrn Stern, als das Hauptorgan unserer Judenreformer, in seinen Hauptsätzen selbst zu vernehmen. Dann hat sich die ganze Sache von selbst kritisirt. Also: zuerst soll die Reformgesellschaft kein Verein für den „Umsturz des Judenthums" sein, dann will sie durchaus kein Verein sein, der „eine Annäherung zwischen dem Judenthum und Christenthum erstrebt". Das ist in der Thal ein außerordentlich wichtiges und charaktereristisches Bekenntniß. Die Genossenschaft für Reform im Judenthum soll auch kein Verein sein, „der sich berufen fühlt, für die 9*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.