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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 132 (sequence 8)
Language
German
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182 haben sie ja dazu — bevollmächtigt, durch unsere Stimmzettel bevollmächtigt!- Wie, wäre das Judenthum so weit heruntergekommen, daß es vor den Thüren der Berliner betteln gehen müßte, um sich die ausgesogenen Orangeschalen an den Kopf werfen zu lassen? Wäre die Zukunft des Judenthums so bodenlos, daß sie die zertretenen Strohmatten der berliner Schwätzer zur Unterlage sich erbitten müßte? Dazu ständen die Geistes- und Charakterheroen des Judenthums so hehr und erhaben aus seiner ganzen Vorzeit gerade und aufrecht vor den Schlachtreihen der Zeiten? Dazu hatten so viele tüchtige Kräfte seit Mendelssohn für die Erhebung und Durchbildung des Judenthums im Schweiße ihres Geistes gearbeitet, um es zu einem Nichts durch berliner Redekünstler verflüchtigen zu lassen? Nein! wir lassen uns nicht täuschen! Daraus wurde Nichts, und daraus wird Nichts! Wir wollen euch nicht stören, wenn ihre eure Berliner um euch sammelt, und sie zu Beiträgen und Fonds aneifert, um euch zu schützen, wenn einmal auch die Berliner nüchtern werden — aber denkt und bildet euch nicht ein, daß eure leeren Liraden noch extra muros gehört und beachtet werden! Der Kern eurer Sache geht lediglich auf einen schnöden Pantheismus hinaus, wie die marburger Lichtfreunde, worauf euch zu bekennen, ihr aber nicht den Muth habet. Die Religion Israels aber mit ihrem ganzen festen Wesen, mit ihrer kräftigen Gestaltung, der keine „Zeit" und kein „Bewußtsein" etwas anhaben kann, sie ist fern von solchem Getrödel, das Jahrelang nach einer Ueberzeugung sucht, weil es eben die Ueberzeugung, die in seinem Grunde liegt, nicht Vorbringen will und darf — weil sonst Alles zerstieben würde! Pr. Oldendorf, ö. Februar. (Privatmitth.) Gestatten Sie, Herr Redakteur, dem folgenden Ergüsse einen Raum in Ihrem Blatte. So liegt es uns denn vor Augen, das Verzeichniß niß unserer Wünsche und Hoffnungen, das Organ für den Fortschritt im Judenthum, die Reformzeitung in großem Format. Mit Stolz blickt fortan der Jude aus diese Genossenschaft hin, denn die Männer der Metropole sprachen es aus, setzten es an die Spitze ihrer Satzungen, daß sie das Judenthum, das wahre, echte, zeitgemäße Judenthum, wollen, wie es lebendig lebt in unserm innersten Bewußtsein. Fortan werden nicht mehr gesehen werden stolprigen, wankenden Ganges mit ausgehängter Arba- Kanphot-Fahne einherschlendernde, mit zerlumpten Kleidern angethane, in jüdischem Jargon s I» Rheinländer unter Mitwirkung der Gesichts-, Hals- und Nackenmuskeln, der Arme, der Hände und der Beine perorirende Juden; vor dem Ewigen, ihrem Gotte werden sie in vollemBewußtsein der Zeit und dem Bedürfnisse derselben dahinwandeln und in kritisch-philosophischer Sichtung die Harmonie zwischen dem Alten und dem Neuen wiederherstcllen. Auch nicht blos ein Modenthum, etwa nur ein modernjüdisches Berlinerthum hat erstrebt und erreicht die Genossenschaft; während sie auf die Zinnen der Zeit ihr Panier aufsteckt, wie es sich von der Metropole erwarten ließ, blickt sie, vielleicht in elegischer —, nein, in völlig episch-oratorischer Stimmung, würdig der Metropole, nach Jerusalem, und verschmäht es nicht, aus dem Schutt Baumaterial für den modern harmonischen Bau herbeizuholen. Sie will nichts Neues schaffen, denn wo gäbe es noch etwas Neues unter der Sonne außer Eisenbahnen und Dampfschiffen!—Sie will das Vorhandene nach dem Bewußtsein und dem Bedürfnisse der Zeit umgestalten (ohne daß etwa ein drittes Neues daraus zu entstehen es wagen dürfte). Nach dem Bewußtsein und dem Bedürfnisse der Zeit!-—-- Der Zeit! O, edle Zeit, die du so wenig erkannt wirst, wie leicht hat die Metropole dich begriffen! — Nach dem Bewußtsein! Als ob das Bewußtsein etwas A-Prioristisches, etwas Prinzipielles, etwas Fundamentales wäre; als ob es nicht vielmehr ein Gewordenes wäre, auf dessen Werden, Sichgestalten die ganze große Außenwelt nicht blos, sondern unsre nahe und nächste Umgebung in Zeit und Raum den unverkennbarsten bildenden, gestaltenden Einfluß äußert! Nach dem Bewußtsein also, das selbst wieder ein Folgezustand — ein Sekundäres — ist, soll die Umgestaltung vor sich gehn. Nach dem Bewußtsein der Zeit, der Gegenwart, welches nur ein höchst unbestimmtes, ungenügendes, unfertiges sein kann — denn welche Gegenwart hätte je sich selbst begriffen!— Und doch soll es eine wahrhafte, jeder Halbheit feindliche Reform sein, während sie das Unbestimmteste des Unbestimmten zur

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