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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 130

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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130 Moldau. Galacz, 11. Januar. (Allg. Zeit.) Während der letzten griechischen Weihnachtsfeiertage (7. und 8. Januar) war Galacz der Schauplatz tumultuarischer Auftritte, deren Tendenz gegen die hiesige israelitische Glaubensgemeinde gerichtet war, und die in eine dem neunzehnten Jahrhundert zur Schande gereichende förmliche Judenverfolgung ausarteten. Veranlassung zu den Ruhestörungen gab die Gewohnheit der Moldauer, am zweiten Wcihnachtsseiertage den Karneval mit einem Mummenschanz zu eröffnen. Ein trunkner Pöbelhaufe ließ seinen Muthwillen auf eine handgreifliche Weise an vorübergehenden Juden aus, und alsogleich, als geschehe es in Folge einer Verabredung, verbreitete sich, ohne irgend eine Veranlassung von Seite der Israeliten, eine bis zur Verfolgungswuth gesteigerte Erbitterung gegen Letztere, die sich in Tätlichkeiten der rohesten Art Lust machte. Nicht nur wurden alle Juden, die sich auf den Straßen zeigten, verhöhnt und mißhandelt, die Pöbclhaufen stürzten sich auch auf die Judenwohnungen, warfen alle Fenster ein, vernichteten die vor den Häusern aufgestellten Waarenbuden, schlugen die Thüren ein, plünderten oder zertrümmerten die Geräthschaften und mißhandelten die Bewohner ohne Unterschied des Alters und Geschlechts. Gegen Abend wuchs die Zusammenrottung auf einige Tausende an, die theils Zuschauer und Aufhetzer abgaben, theils sich selbst an den Freveln betheiligten. Unter der Menge gewahrte man auch gewisse Banditengesichter, welche der Elite jener Unruhstifter angehörten, die, im vorigen Jahr aus Griechenland und Konstantinopel vertrieben, die Donaufürstenthümer mit ihrer Gegenwart beglückten, und die bekanntlich zu Allem, nur zu keinem ehrlichen Geschäft zu gebrauchen sind. Unter solcher Leitung wurde das Gesindel immer frecher. Um IO Uhr Abends zog ein Haufe vor das israelitische Bethaus, erbrach die Thüre, mißhandelte die Schuldiener, zertrümmerte die Fenster und alle Geräthschaften, raubte, was sich Werthvolles vorfand, zerschnitt und zerfetzte alle Religionsbücher und legte Hand an die Tora, die zerrissen und deren Blätter in den Tabernen als Trophäen herumgezeigt wurden. Am Morgen des dritten Feiertags (8. Januar) war der Tumult am Heftigsten. Schon bei Tagesanbruch wurde die Synagoge zum zweiten Mal von Zerstörung und Tempelschändung heimgesucht. Die Zusammenrottungen wurden immer bedenklicher, und der Fanatismus artete selbst in Grausamkeiten aus; alle Juden, die sich blicken ließen, wurden auf das Aergste mißhandelt, die Unglücklichen wurden selbst aus ihrem Verstecke hervorgerisscn und unter die Füße getreten. Einige Griechen erbrachen eine Judenwohnung, rissen ein kleines Kind aus den Armen seiner Mutter und zerschmetterten es auf dem Straßenpflaster, ein Greis, der die Mörder abwehren wollte, wurde tödtlich verwundet. Allenthalben wurden Wohnungen und Buden aufgebrochen, die Geräthschaften darin zertrümmert. Raub und Diebstahl war bei dem Frevel nicht müßig und es stand zu befürchten, daß das Gesindel Feuer anlegen und eine allgemeine Plünderung beginnen würde. Leider ergriffen die moldauischen Behörden von Galacz nicht bei Zeiten die geeigneten Maßregeln, um diesen skandalösen Auftritten Einhalt zu thun. Die Haltung der Polizei war unentschlossen, sonst hätte durch zweckmäßige Verwendung der vorhandenen bewaffneten Macht das Uebel gleich im Beginne erstickt werden können. Den erfolgreichen Bemühungen der Konsuln von Oesterreich und Großbritanien ist es vorzugsweise zu danken, daß den Freveln ein Ziel gesetzt und die Ruhe am Abende des zweiten Tags nach Ausbruch des Tumults wiederhergestellt werden konnte. Diese Herren unterstützten durch ihren persönlichen Einfluß und ihre feste Haltung die Lokalbchörde auf das Kräftigste und hielten durch ihre persönliche Anwesenheit an den bedrohtesten Punkten die tobende Menge in Schranken. Es wurden sofort mehrere Verhaftungen vorgenommen, was wirksamen Eindruck machte. Gegen Abend gelang es, den Auflauf zu zerstreuen und der Stadtfriede wurde seitdem nicht wieder gestört. Da derlei Attentate gegen die öffentliche Sicherheit auf den hiesigen Handelskredit sehr nachtheilig zurückwirken, so wird es sich hoffentlich die moldauische Regierung angelegen sein lassen, durch Bestrafung der Rädelsführer von Wiederholung ähnlicher Frevel abschrecken. Sehr räthlich wäre bei dieser Gelegenheit die endliche Austreibung jener fremden Wegelagerer, die in Galacz und Jbraila unter dem Schutze der griechischen Konsulate eine Freistätte gefunden haben. Abgesehen von der Unduldsamkeit in Glaubenssachen, die den Bekennern der orientalischen Kirche so nahe liegt, kommt auch noch zu bedenken, daß derlei Ruhestörungen leicht von einer

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