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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 und wir wandeln in seinen Pfaden: denn von Zion geht die Lehre aus, und des Ewigen Wort von Jerusalem. Dann wird er richten zwischen den Nationen, schiedsrichten vielen Völkern, und sie schmieden ihre Schwerter zu Sensen, und ihre Sperre zu Winzermessern: nicht hebt Volk gegen Volk das Schwert, und nicht lernen sie fürder den Krieg. Es wohnet jeder Menschensohn unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und Niemand schrecket auf. Dies ist das Wort des Ewigen Zebaot." Es ist hierin ausgesprochen: 1) daß alle Völker die Wahrheit der religiösen Idee anerkennen, 2) darum für sich verbindlich betrachten, und 3) dadurch allgemeiner Friede, Aufhören des Krieges und aller Streitigkeiten, allgemeine Sicherheit und Beglückung, eben durch die Verwirklichung der religiösen Idee im Leben bewirkt werden würden. Wir sehen die Anerkenntnis der religiösen Idee an sich durch das Hinströmen zum Hause des Ewigen, die Verwirklichung derselben im Leben durch das Wandeln auf seinen Wegen, die Folgen im Aufhören des Krieges, im friedlichen Wohnen, ein Jeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum, versinnbildlicht. Diese große Zukunft der Menschheit schildern nun alle Propheten mit den lebhaftesten Farben, ein Jeder auf seine Weise, bis daß sie selbst in die Natur diesen Gottesfrieden übertragen: „da wohnt der Wolf mit dem Lamme, beim Böcklein lagert der Pardel, Kalb und junger Leu und Mastkalb beisammen: ein kleiner Knabe leitet sie. Der Löwe, wie ein Rind, frißt Stroh; es spielt der Säugling an der Natter Kluft, und in des Basilisken Höhle streckt die Hand der kaum Entwöhnte. Nicht böse, nicht verderblich handeln sie auf meinem ganzen heil'gen Berge, denn voll ist die Erde der Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser bedecken den Meeresgrund." Sobald aber die Propheten von der alleinigen Bestimmung des Mosaismus für den jüdischen Stamm bis zu dem Bewußtsein gekommen waren, daß das Endziel die allgemeine Durchdringung und Verwirklichung der religiösen Idee innerhalb der ganzen Menschheit sei: so mußten sie auch zu der Frage kommen, wie wird sich dies verwirklichen? Die erste nothwendige Folge war: daß sie in Israel nur das Werkzeug Gottes erkannten, daß sie als den Beruf Israels ansahen, die religiöse Idee für die ganze Menschheit zu tragen*). Die zweite *) „Der Ew'ge berief mich vom Mutterleibe an, er Folge: daß hier an keinen Sieg durch Waffengewalt, an keinen Zwang und keine politische Gewalt, durch welche dies bewerkstelligt werde, zu denken sei. Die Idee kann nur als solche siegen; die Freiheit kann nicht durch Sklaverei, sondern nur durch freie Entwickelung bewirkt werden**). Ihre Anschauung gestaltet sich demnach so: Israel ist entartet, das Strafgericht Gottes daher nothwendig, durch dieses wird Israel geläutert, das geläuterte Israel wieder hergestellt; dieses Strafgericht, diese Läuterung, diese Wiederherstellung werden als Beispiele, als Erweis der Wahrheit der in Israel vorhandenen religiösen Idee dienen, und daher alle Völker zur Erkenntniß bringen. Dadurch trägt Israel sein Strafgericht für alle Völker, seine Erniedrigung, seine Mühsale erleidet es für die ganze Menschheit, Israel ist der Märtyrer der Menschheit für den Sieg der religiösen Idee, wie der zweite Jeschaja in dem bekannten 53. Kapitel darstellt. Man sieht, wie diese Jdeenverbindung wieder zu den wirklichen Zuständen des jüdischen Volkes zurückkehrte und an ihnen den Anknüpfungspunkt hatte. Je mehr sich daher alles dies entwickelte, das Reich fiel, die Juden in die Gefangenschaft geführt wurden, und die Wiederherstellung sich zu nahen schien: desto klarer sprach sich der Prophetismus auch hierüber aus. Es wird daher nicht überraschen, daß gerade der zweite Jeschaja all' diese Ideen am Deutlichsten ausdrückt. Die dritte Folge aus derselben Anschauung war aber: daß die Propheten die Lehre von der Weltregierung Gottes ausbildeten, daß ihnen Gott mit dem bestimmten Zwecke die ganze Menschheit zur Vervollkommnung zu führen, und zur Wahrheit und zum Rechte hinzuleiten, erschien, daß Gott darum alle Geschicke der Völker in Allweisheit dahin lenke. Gott ist es, der die Völker und Fürsten in bestimmten Absichten beruft ***), ihnen Sieg sprach zu mir: mein Knecht bist du, Israel, an dem ich mich verherrliche. Dich mach' ich zum Lichte der Völker, daß mein Heil reiche bis an der Erde Saum, zu den Gefangenen zu sprechen: gehet hinaus! zu denen in der Finsterniß: zeiget euch!" **) „Siehe, mein Knecht (Israel), meinen Geist legt' ich auf ihn, das Recht soll er den Völkern bringen. Nicht schreiet er, nicht rufet er, läßt draußen seine Stimme nicht vernehmen; geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht verlöscht er nicht: mit Wahrheit soll das Recht er bringen. Nicht müde wird er, nicht entkräftet, bis daß auf Erden er das Recht gegründet, und seiner Lehre die Länder harren." ***) Nebukadnezzar und Cyrus sind „Berufene des Herrn/

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