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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-22 · Heft 9 (22.2.1847) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 9 (22.2.1847)
Date
1847-02-22
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 Doch trau, Judäa, nur dem Herrn, Der einst Dir gab sein heil'ges Wort, Das Deiner Hoffnung lichter Stern, Das Deines Glaubens schönster Hort. Nur stolz und kühn emporgeschaut! Nicht bange Dir vor Sturm und Drang, Das Haus, das Du auf Gott gebaut, Ist nicht geweiht dem Untergang. Wevelinghoven ... David Wihl. Leitender Artikel. Magdeburg, 15. Februar. Vorlesungen über Geschichte, Inhalt, Stellung und Beruf des Judenthums. Fünfte Vorlesung, gehalten am 21. Januar. Der <£cl)rinl)alt des Prophetismus und der „Schriften". Zu den vielen Eigentümlichkeiten, welche die Geschichte des jüdischen Stammes von der aller anderen Nationen unterscheiden und die wiederum nothwendig aus seinem eigenthümlichen Lebensinhalte stoffen, gehört auch die, daß der Genius dieses Volkes sich gerade am Höchsten erhob, und die mächtigsten Schöpfungen hervorbrachte, als das Volk gesunken, religiös und sittlich entartet war, und seinen Beruf fast aufgegeben hatte. Andere Nationen haben ihr Höchstes auf der Höhe des Glücks, in der Fülle ihres Lebens zu Tage gefördert. Anders der jüdische Stamm. Je tiefer er sank, desto höher schwang sich als Gegensatz der Geist in ihm auf. Diese Erscheinung werden wir in seiner Geschichte wiederholt antreffen. Erklärlich ist sie aber, ja nothwendig, weil der Inhalt des jüdischen Stammes eben das Ewige, Nimmerversterbende, die religiöse Idee, ist, welche am Kräftigsten hervorbrechen muß, wenn ihr Gefäß dem Untergänge nahe ist, um sich über die Hinfälligkeit des Irdischen hinaus zu sichern. So erstehen die Propheten, als das Heidenthum den israelitischen Thron bestiegen, das Volk überwunden, das Leben durchdrungen hatte, und dadurch der politische Sturz des israelitischen Volkes erfolgen mußte. Denn einerseits hatte das Volk das, was seine Macht, seine Stärke, das, womit es einer Welt gegenüber treten konnte, verloren, die religiöse Idee, andrerseits war es durch das Heidenthum entnervt, in dessen Gefolge Genußsucht, Ueppigkeit, Unsittlichkeit, Unrecht, Unterdrückung und Gewaltthat gekommen waren. Die Propheten schildern diese Zustande immer wiederholt, mit Entsetzen und Berdammniß darüber. Das Leben des jüdischen Volkes war demnächst ein, dem Mosaismus geradezu entgegengesetztes geworden. Was vom Mosaismus übrig geblieben war, der Opferkultus und einzelne Gesetzesvorschriften, deren Ausübung und Beachtung sich erhalten hatte, war zu bloßer Form, ohne Inhalt, geworden. Die Propheten, diesem unmosaischen Leben und formellen Bruchstück des Mosaismus gegenüber, konnten nicht daran denken, das mosaische Gesetz zu predigen; denn einerseits hätten sie das wirkliche Leben des Volkes nicht überwältigen können, weil das Volk die Idee verloren hatte, andrerseits würde, was im günstigen Falle das Volk vom mosaischen Gesetze angenommen hätte, doch nur wieder leere Form geworden sein, weil die Idee im Volke nicht vorhanden war. Ja, von diesem Standpunkte aus mußten die Propheten sogar das bekämpfen, was vom mosaischen Gesetz übriggeblieben war, weil es, als leere Form, in die sich die Heuchelei und gedankenlose Formheiligung barg, der Idee widerstrebte. Und das haben sie gethan. Jeschaja ruft aus im Namen Gottes: „Wozu mir eurer Opfer Menge? Satt bin ich der Ganzopfer von Widdern, des Fettes der Mastkalber. Bringet nicht mehr heuchlerische Speisopfer, Raucherwerk ist mir ein Gräuel, Neumond und Sabbat, Zusammenberufung, nicht mag ich Frevel und Fest. Eure Monde und Feste hasset weine Seele." Jirmeja erklärt sogar den Opferkultus für kein wesentliches Gebot des Mosaismus. Der zweite Jeschaja sagt: „Ihr berufet euch auf euer Fasten? Sollte das ein Fasten sein, das ich liebe, ein Tag, wo sich der Mensch kasteiet? wie? daß wie Schilf sein Haupt er hänge, auf Sack und Asche sich bette? magst du das ein Fasten nennen, einen Tag, dem Ew'gen wohlgefällig? Ist nicht das vielmehr ein Fasten, was ich liebe: öffne die Schlingen der Bosheit, löse die Bande des Joches, frei entlasse Unterdrückte und jegliches Joch zerbrechet! Nicht so? Brich dem Hungrigen dein Brod, unglückliche Verfolgte birg in dein Haus, so du einen Nackten stehst, bekleide ihn k." Hatte also das jüdische Volk die mosaische Idee verloren und das Heidenthum sich angeeignet, war in Folge dessen das Leben unmosaisch, und was noch in ihm Mosaisches geblieben, zur leeren Form geworden: so muß-

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