Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 8 (15.2.1847)
- Date
- 1847-02-15
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Dänemark. Aus Jütland, 3. Februar. (Privatmitth.) Der talentvolle Vorkämpfer für die Emanzipation seiner israelitischen Glaubensgenossen in Deutschland, Dr. G. Rießer, hat bei der am verwichnen 18. September in Hamburg stattgefundenen Feier unter Anderm geäußert, daß Schleswig und Holstein von der Verbindung mit Dänemark nicht viel Freiheit zu erwarten haben, und scheint damit andeuten zu wollen, daß sie in dieser Hinsicht von Deutschland mehr erwarten können. Insofern er damit im Auge gehabt hat, daß Dänemark keine freie Verfassung hat, muß dieses zwar zugegeben werden, ob er dann gleich auch eingestehen muß, daß die meisten deutschen Staaten eben so wenig eine freie Verfassung haben. Zn jedem Falle scheint er aber übersehen zu haben, daß schwerlich ein deutscher Staat größere bürgerliche Freiheitbesitztals Dänemark; daß das Prinzip: Gleichheit vor dem Gesetze in Dänemark gewiß mehr gilt als in manchem deutschen Staate; daß (um einige Beispiele zu nennen) Dänemark beinahe eine vollkommne Preßfreiheit besitzt, während alle deutschen Bundesstaaten Zensur haben; daß Deutschland einen mit einer Menge Prärogativen ausgcstatteten Adel hat, während in Dänemark der Adel zwar nicht ganz abgestellt ist, aber beinahe gar keine Privilegien hat; endlich, daß seine Glaubensgenossen in Dänemark der allgemeinen Bürgerrechte genießen, Aemter bekleiden und bis auf ein Paar Ausnahmen völlig cmanzipirt sind, während sie beinahe in allen deutschen Staaten die meisten Bürgerrechte entbehren müssen. Wenn es aus dem bei der obenerwähnten Gelegenheit Geäußerten hervorzugehen scheint, daß Dr. Rießer mit vielen Deutschen den „Schleswigholsteinern" ein Streben nach Freiheit, eine wahrhaft liberale Gesinnung zuschreibt, wollen wir diese angebliche Liberalität mit wenigen Zeilen zu beleuchten suchen und zu diesem Zwecke nur einer Sache erwähnen, der l)r. Rießer seine besten Kräfte gewidmet hat — eine Sache, die allein hinlänglich wird zeigen können, daß die schleswigsche und holsteinsche Ständeversammlung hinsichtlich einer wahrhaft liberalen Gesinnung hinter den dänischen Versammlungen weit Zurückbleiben; wir meinen die Sache der Emanzipation der Juden. Kurz nach seiner Thronbesteigung ließ unser jetziger König den Ständeversammlungen der Herzvgthümer einen von dem Geiste der Toleranz und Humanität, der ihn stets beseelt hat, ganz durchdrungenen Gesetzentwurf vorlegen, der die jetzt hinsichtlich der Juden in den Herzogthümern stattsindende Ungleichheit vor dem Gesetze — eine Ungleichheit, die in dem Grade wol in keinem europäischen Staate herrscht — in den wesentlichsten Punkten zu heben beabsichtigte. Den Juden, die da in den Herzogthümern, wo es ihnen zu wohnen erlaubt ist, beinahe alle Bürgerrechte vermissen, sollten ihre natürlichen Rechte gegeben werden; Gerechtigkeit sollte endlich über Unrecht, Aufklärung über Finsterniß, wahre Liberalität über Intoleranz, Vorurtheil, Bosheit und Engherzigkeit siegen. Welche Aufnahme wurde nun diesem Gesetzentwürfe bereitet? Mehrere Koryphäen der „schleswig-holsteinschen" Partei kämpften mit dem größten Eifer dagegen! Jeder, der an die Liberalität der gedachten Partei glaubt, wird sicherlich enttäuscht werden, wenn er die Ständezeitung zur Hand nimmt und einen Blick auf die Menge illiberaler, inhumaner und vorurtheilsvoller Aeußerungen wirft, womit Viele von den Männern, die liberal genannt werden wollen, die fortdauernde Ausschließung der Juden von den Bürgerrechten, deren sie doch selbst genießen wollen, zu vertheidigen suchte. Das Resultat wurde dann die beinahe einstimmig erfolgte Abrathung des Gesetzentwurfs!! Hierdurch veranlaßt, ließ der König ihn nicht als Gesetz emaniren, erleichterte aber doch in einigen Punkten die Stellung der Juden in Altona und an mehreren Stellen. Bemerkenswerth ist es noch, daß Keiner der schleswigschen oder holsteinschen Deputirten, weder vor noch nach der Vorlegung des Gesetzentwurfs, mit einem Emanzipationsvorschlage eingekommen ist. In den jetzt abgehaltenen zwölf Sessionen der Stände der Herzvgthümer hat also kein Einziger der sogenannten Schleswigholsteiner den Beruf gefühlt, einen die Stellung der Juden betreffenden Vorschlag einzugeben!! Dagegen haben aber die Beschlüsse der dänischen Ständeversammlungen sowol in dieser Richtung als in anderen Richtungen, wenn von Gleichheit vor dem Gesetze die Rede gewesen ist, von wahrer Liberalität und Humanität gezeugt. Wir erlauben uns, nach dieser der Wahrheit gemäßen Schilderung die Frage an Dr. Rießer und jeden Wahrheit und Gerechtigkeit liebenden Deutschen zu richten, ob eine liberale Gesinnung der „Schles-