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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-02-15 · Heft 8 (15.2.1847) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 8 (15.2.1847)
Date
1847-02-15
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 unterrichtet und er daher diese Zeit auch gern einer Anstalt widmen wird, wo noch ein größerer Zweck zu erzielen ist. Möge der Herr geben, daß dieselbe bald errichtet würde. 9. Oesterreich.. Pestih, 27. Januar. (Privatmitth.) Der ungebetene und unfreundliche Gast, die Noch, hat sich Heuer auch in unserm gesegneten Ungarn in nie gesehener furchterregender Gestalt eingestellt und verursacht hier nicht wenig Elend und Jammer, da der Unbemittelte, schon durch die Mißgeschicke der letzten ebenfalls sehr harten zwei Jahre bedeutend herabgekommen, der Arme noch dazu durch die strenge Kalte, die alles Arbeiten im Freien unmöglich macht, sich verdienst- und natürlich sammt seiner Familie brodlos sieht. Das Elend ist hier in der Hauptstadt um so sichtbarer, da immerwährend die Armen und Unbemittelten des Landes und auch Viele aus den benachbarten Ländern nach Pesth strömen, um in der aufblühenden und bewegungsvollen Stadt von ihrer Händearbeit, von der Wohlthätigkeit, vom „Gutglück" u. s. w. zu leben. Und zum Lobe der hiesigen Israeliten müssen wir es gestehen, daß sie auch Heuer zur Linderung dieser Noth Bedeutendes leisten, und wenn auch nicht ganz das was oder richtiger wie's geschehen sollte, so geschieht doch viel, ja verglichen mit dem von Christen Geleisteten jehr viel. So läßt z. B. der rühmlichst bekannte Großhändler Herr Jos. L. Boskowitz allwöchentlich 300 Laib Brod und noch Geld dazu an die Armen ohne Unterschied der Religion vertheilen, dies in Pesth und ein Aehnliches in Ofen, seiner Geburtsstadt; und diesem edeln Beispiele folgten und folgen andere hochherzige Reiche, wie die HH. M. L. Rosenfeld, Kanitz u. A. in größerem oder geringerem Maaße und strebt überhaupt Alles nach Kräften beizutragen, um den allgemeinen Hülferuf und Jammerschrei zu beschwichtigen. Auch bei der zu diesem Zwecke von dem löbl. Magistrate veranstalteten Kollekte zeichnen sich — wie aus den veröffentlichten Listen ersichtlich — die Juden rühmlich aus; wir sehen hier —mit sehr geringen Ausnahmen — die größten und adeligen christlichen Häuser mit Spenden von 5—10, die jüdischen Großhändler mit Spenden von 50—200 Fl. K. M. vertreten. Wir können zwar nicht in Abrede stellen, daß die Großmuth der hiesigen jüdischen Plutokraten oft manche fremde, unechte Beimischung hat und daß Manches mehr der Menschen als der Menschheit, mehr des lauten Lobes der Satten als des stillen Dankes der Gesättigten willen geschieht, indessen n»©b *,V'b «n iua©b «b© "pna, und der vom Hungertode gerettete Arme scheert sich äußerst wenig darum, welcher Wind ihm die lebenspendenden Gaben gebracht. Ein sehr wohlthätiges und rühmenswerthes Institut ist ferner das von den hiesigen Israeliten errichtete Arbeitshaus, wo arbeitsliebende Arme während der strengen Wintermonate, wo das Arbeiten im Freien total unmöglich, unter Dach und Obhut hinlängliche Beschäftigung finden, indem die Gründer dieses heilsamen Instituts, die angesehensten israelitischen Kaufleute und Großhändler, sowol ihre eigenen derartigen Arbeiten, wie Wollen klopfen und klauben, Taback zubereiten, Waarensortiren rc. rc. dort vorrichten lassen, als auch dafür Sorge tragen, daß von anderen Nichtmitgliedern derartige Bestellungen gemacht werden; und ist es auch ihrem menschenfreundlichen Eifer bisher gelungen, allen Arbeitsuchenden — und der Andrang ist sehr bedeutend, auch von Seiten der Christen — Beschäftigung und dadurch redliche Erhaltung ihrer eignen Person und ihrer Familien zu verschaffen. Das Unternehmen ist um so lobens- und nachahmungswerther, da es unsres Wissens im Vaterlande der erste Anfang ist, den Armen von der beschämenden und an den Bettel gewöhnenden Gabe ab- und der ehrenden Arbeitsamkeit zuzuführen. Die so gerühmte jüdische Mild- und Wohlthätigkeit ist wol eine unsrer schönsten Tugenden und das wohlverdiente Epitheton D,5»rr-i bsn©1’ m unsre schmuckreichste Zierde, aber medium tenere ist hier wie überall nöthig und wir zweifeln sehr, ob das Vergehen gegen die Menschheit, welches durch die Unterstützung und Beförderung des Müßigganges, der Arbeitsscheu, der ausschweifendsten Lumperei, des Diebstahls rc. (und wer die Verhältnisse unsres Landes kennt, weiß nur zu gut, daß durch die zweckwidrige Begünstigung des Bettelwesens auch all diesem Unwesen Vorschub geleistet und nur zu bereitwillig Thür und Thor geöffnet wird!) verübt wird, hinlänglich gesühnt werden kann durch die Wohlthat, die an wahrhaft Bedürftigen verübt wird.... Wie im Allgemeinen, greift auch beim Juden trotz oder vielleicht eben wegen der schnellanwachsenden Reichthümer Einzelner der Pauperism bei der Masse immer

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